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Ausstellung

24.10.2017

Mit Kunst das Schicksal meistern

Peter Beyrle (links) zeigt seine Arbeiten im Nördlinger Stiftungskrankenhaus.
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Peter Beyrle (links) zeigt seine Arbeiten im Nördlinger Stiftungskrankenhaus.

Peter Beyrles Bilder sind im Nördlinger Krankenhaus zu sehen

Er hat ein schweres Schicksal hinter sich. Eines, das wohl nicht wenige Menschen zum Aufgeben gebracht hätte. Aber Peter Beyrle, dessen sehenswerte Ausstellung im Nördlinger Stiftungskrankenhaus eröffnet wurde, hat sich nicht unterkriegen lassen. Nicht von seiner Gehirnblutung, nicht davon, dass er von heute auf morgen arbeitsunfähig wurde, nicht davon, dass er seinen Betrieb aufgeben und sein Leben völlig neu organisieren und strukturieren musste.

Geholfen hat ihm sein altes Hobby, das Malen und Zeichnen. Und heute ist sein kreatives Schaffen eine seiner Möglichkeiten, mit der Welt zurechtzukommen. Mehr noch: Kreative Menschen verfügen über eine besonders hohe psychische Energie, die es ihnen möglich macht, über lange Zeiträume hinweg zu arbeiten beziehungsweise in Flow-Erlebnisse zu geraten, die über viele Alltäglichkeiten des Lebens hinweghelfen.

Laudator Professor Wolfgang Mussgnug sagte: „Als ich Peter Beyrle die Nachricht überbrachte, dass er im Stiftungskrankenhaus seine Arbeiten zeigen könnte, war er hoch motiviert und hat eine ganze Reihe von neuen Arbeiten geschaffen. Er wurde mutig in der Gestaltung und arbeitete überaus fleißig, er war im Fluss. Dieser Flow bezeichnet ein Gefühl, in dem Handeln und Bewusstsein miteinander verschmelzen, man Zeit und Raum vergisst, ganz im Hier und Jetzt lebt. Die Konzentration ist dabei so intensiv, dass keine Aufmerksamkeit übrig bleibt, um an andere, unwichtige Dinge zu denken oder sich um Probleme zu sorgen.“ Nicht zum ersten Mal werden in Sachen Kunst im Stiftungskrankenhaus Bilder aus einem therapeutischen Hintergrund gezeigt. Das ist auch Altoberbürgermeister Paul Kling zu danken, der sich erneut offen und zugänglich zeigte für diese Idee. Kling stellte in seiner Begrüßungsrede den therapeutischen Nutzen von Kunst in den Mittelpunkt – sowohl für die Kunstschaffenden als auch für die Betrachter. Und Betrachter waren schon zur Eröffnung sehr zahlreich gekommen, es mussten immer wieder Stühle dazugestellt werden, um das Publikum im Foyer unterzubringen.

Peter Beyrle war vor seiner Krankheit Rechtshänder, jetzt kann er nur noch seine linke Hand zum Malen nutzen. Er nutzt sie furios. Seine Farbräume oder Farbträume zum Beispiel entspringen einem künstlerischen Zufallsverfahren, bei der er die Farbe flüssig einsetzt und sie auf der Leinwand ineinanderfließen lässt. Aber auch seine Wellenbilder und Meeresansichten zeigen, dass sich der Künstler zum Wasser hingezogen fühlt. Das Bild „Steg“ zeigt einen Holzsteg, der ins Wasser ragt und dazu hat er geschrieben: „Wie wird es mit mir weitergehen?“ Man darf dem Künstler viel Kraft und reichlich „Fluss“ auf seinem weiteren Weg wünschen. Wolfgang Mussgnug brachte es in seinem Abschlusssatz auf den Punkt: „Wer den Weg nicht kennt, auf dem er zum Meer gelangen kann, der sollte sich einen Fluss als Begleiter suchen.“

Die Ausstellung „Peter Beyrle. Leben mit Farbe“ ist noch bis 16. November im Foyer des Stiftungskrankenhauses zu sehen.

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