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24.07.2017

Mit Stolz und Leidenschaft

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Gertrud Rau (rechts) kommt zwei bis dreimal pro Woche in den Alerheimer Dorfladen. Hier bekommt sie das Allermeiste, was sie braucht. An der Kasse: Christine Dürrwanger, die Dorfladen-Verantwortliche.
Bild: Christina Zuber

In Alerheim setzt man auf verstärkt auf regionale Produkte und Lieferanten und will die Kunden auch mit Aktionen überzeugen. RN-Serie (3)

Wegen der Kinder sind die Löflads aus ihrer Nördlinger Wohnung aufs Land, nach Alerheim, gezogen. Durch ihre Arbeit im Kindergarten und die regelmäßigen Einkäufe im Dorfladen hat Barbara Löflad ganz schnell viele Leute kennengelernt. „Das war im Dorfladen ganz einfach“, sagt sie. Ganz nebenbei macht sie im Laden jeden Tag Umsatz – und die Eltern der Alerheimer Kindergartenkinder wissen, woher das Mittagessen kommt. Eine Win-Win-Situation.

Auch in Christine Dürrwangers Leben hat sich durch den Dorfladen, der vor neun Monaten eröffnet hat, einiges verändert. Nach der Kinderpause wollte die gelernte Augenoptikerin wieder arbeiten, von einem Arbeitsplatz vor Ort hätte sie wohl nicht zu träumen gewagt. Zusammen mit fünf Teilzeitkräften und vier 450-Euro-Kräften ist die zweifache Mutter ins kalte Wasser gesprungen und hat den beruflichen Neustart im Dorfladen gewagt. Sie ist die Dorfladen-Verantwortliche. Ein sperriger Titel für jemanden, der sich mit viel Herz und Zeit für den Laden einsetzt.

Freilich soll es im Dorfladen alles für den täglichen Bedarf geben, am besten regionale Waren. Die Kunden sollen gern und oft kommen, sagt Dürrwanger. Aber ihre Vorstellung geht weit über diese alltägliche Versorgung hinaus. „Wir müssen uns immer wieder neu erfinden“, sagt sie und hat im Kopf schon die nächsten Veranstaltungen: ein Frühstücksbüffet, ein Kinderkonzert oder Aktionen zum Schulbeginn. Alles das kann noch mehr Leute für den Dorfladen begeistern und neue Kunden gewinnen. Viele der 1500 Einwohner Alerheims und der Ortsteile haben Genossenschaftsanteile gezeichnet und den Dorfladen damit auch zu „ihrem“ Laden gemacht.

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Ganz viele helfen ehrenamtlich mit. Auch die beiden Vorstände Simone Gerstmeyr und Michaela Ohmüller arbeiten ehrenamtlich. Jetzt gelte es, den Laden dauerhaft im Dorf zu verankern, denn bis zu den nächsten Supermärkten in Deiningen oder Möttingen ist es nicht so weit. Und da appelliert Christine Dürrwanger leidenschaftlich: Dass man vor Ort einkaufen kann, sei etwas ganz Besonderes. Dort einzukaufen, sollte das Selbstverständlichste sein.

Dabei ist man auf einem guten Weg. Jugendliche nutzen zum Beispiel gerne das W-LAN-Netz von Freifunk oder kommen ins Laden-Café, um Kaba oder Red Bull zu trinken. Die Yoga-Damen treffen sich auf eine Tasse Kaffee, oder eine kleine Geburtstagsrunde stößt auf die Jubilarin an. Immer mittwochs gibt es eine Tasse Kaffee mit Kuchen für 3,30 Euro. Ganz viele Kunden decken ihren gesamten Bedarf im Dorfladen, schätzen den persönlichen Kontakt und freuen sich, wenn man Nachbarn und Freunde trifft.

Auf regionale Produkte setzen

Die Alerheimer arbeiten mit Edeka zusammen, werden von C+C Augsburg beliefert. Deren Dorfladenkonzept hat für kleine Läden einen Vorteil: Sie sind nicht an Mindestmengen gebunden. Die Verantwortlichen in Alerheim sind sehr frei in ihren Entscheidungen, was sie den Kunden und Miteigentümern anbieten wollen. Dass man dabei immer mehr auf regionale Produkte und Lieferanten setzt, ist das Ziel. Aktuell gibt es Nudeln aus Grosselfingen, Spargel aus Alerheim, Honig aus Rudelstetten und Mehl aus Möttingen. Man findet im Laden auch Bonbons der Firma Edel aus Donauwörth, Biere und Liköre von Appl Donare aus Alerheim, ebenso Gin und Kräuterlikor der örtlichen Firma Scheible. Die Eier kommen aus Alerheim, Bio-Eier aus Katzenstein. Kartoffeln kommen von den Anhäuser Höfen oder aus Schwörsheim. Täglich frisch liefern die Metzgerei Sonnenhof aus Rudelstetten und Bäcker Linse aus Maihingen. Getränke kommen von der Firma König aus Wechingen. Christine Dürrwanger hat einen Aktionstisch mit Lillet und Schweppes aufgebaut, die Zutaten für den Trend-Cocktail dieses Sommers. Auch wenn der Lillet mit 14,99 Euro etwas teurer ist als anderswo: Alerheim präsentiert sich top-modern. In der Tiefkühltruhe gibt es die roten Beeren für den Drink.

Sehr beliebt sind die Alnatura-Produkte aus dem Edeka-Sortiment. Frühstücksflocken und Berglinsen des Bio-Labels gehen gut, erzählt Christine Dürrwanger, auch Cranberries und Milchzucker. „Das empfehlen unsere Alerheimer Ärzte“, weiß die Dorfladen-Chefin. Und überhaupt gibt es von der Haftcreme bis zur Blumenerde, von den Eiswürfelbeuteln bis zu den Spülmaschinen-Tabs quasi alles.

Gertrud Schönamsgruber kauft Kohlrabi-Pflanzen und ein paar Lebensmittel. „Die Damen hier sind immer sehr freundlich“, lobt sie das Personal. Heidi Maier ist mit dem Fahrrad zum Laden gefahren. „Ich komme fast jeden Tag hierher“, sagt sie und packt Schnitzel in ihren Korb. Nur selten geht sie in Wemding einkaufen, wo sie arbeitet. Gertrud Rau kommt auch mehrmals die Woche in den Dorfladen. Sie freut sich über den Laden vor Ort. „Auch mein Vater kann sich so selbstständig versorgen“, sagt sie.

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