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Verbrechen

16.09.2019

Mörder und Opfer sind nach wie vor unbekannt

Das Archivfoto der Polizei zeigt den Fundort der Frauenleichen zwischen Niederhofen und Erlbach im sogenannten Heiligenholz im Jahr 1995. Bis heute ist nicht bekannt, wer die Frauen sind und wer der Mörder ist.
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Das Archivfoto der Polizei zeigt den Fundort der Frauenleichen zwischen Niederhofen und Erlbach im sogenannten Heiligenholz im Jahr 1995. Bis heute ist nicht bekannt, wer die Frauen sind und wer der Mörder ist.

Der Fund von zwei skelettierten Frauenleichen im Nordries liegt bald 25 Jahre zurück. Die Polizei bekommt immer wieder Hinweise. Die Spurensuche eines spektakulären Mordfalls.

Alte, ungeklärte Mordfälle tragen im Amerikanischen einen eingängigen Namen: Cold Case. Weil die Faszination genauso wie die Spannung solcher Verbrechen Menschen fesselt, läuft seit Jahren eine sehr erfolgreiche Krimiserie im Fernsehen. In „Cold Case – kein Opfer ist je vergessen“ lösen Polizisten zu den Akten gelegte Kriminalfälle. Das ungeklärte Schicksal der 1995 bei Oettingen gefundenen Frauenleichen ist zwar nicht ad acta gelegt, eine Vielzahl von Ermittlungen sind geführt worden und Hinweisen wird noch immer nachgegangen, wie Dillingens Kripochef Michael Lechner mitteilt. „Aber es gibt aktuell keine Bewegung in diesem Fall“, sagt er weiter.

Warum derzeit dennoch über diesen Fall berichtet wird und bei der Polizei wieder Hinweise eingehen, liegt an einer unspektakulären Aufräumaktion. Die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ hat die eigene Website aktualisiert und im Zuge dessen nicht geklärte Mordfälle wieder auf Facebook veröffentlicht, darunter waren die Frauen mit wohl osteuropäischen Wurzeln, die Ende Juli/Anfang August 1995 in einem Waldstück zwischen Niederhofen und Erlbach in einem Wassergraben und mit Fichtenzweigen und -ästen bedeckt gefunden worden sind. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden Frauen, die damals wohl im Alter zwischen 18 und 25 Jahren gewesen sein sollen, umgebracht worden sind. Immer wieder ist die Rede von einem Anhalterdrama oder einem Mord im Rotlichtmilieu, der nicht geplant gewesen sein soll, weil die Leichen nicht versteckt worden waren. Wie die Frauen umgebracht wurden, ist nicht bekannt. Untersuchungen haben ergeben, dass aber wohl Drogen im Spiel waren.

Ungewöhnlich an dem Verbrechen ist unter anderem, dass die Identität der Frauen bis heute nicht bekannt ist. Die Polizei hat Fotos der Kleidung der Frauen veröffentlicht und ein mögliches Aussehen rekonstruiert. Als die Leichen gefunden wurden, waren sie bereits verwest.

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Nach all den Untersuchungen sind die Frauen im Nordries beerdigt worden. Auf dem Grabstein steht kein Name, nur der Text: „Bete ins Dunkel, damit es zerreißt“. Der „Weiße Ring“ hat sich um die Beisetzung gekümmert, eine Bürgerin pflegte das Grab, das nach Recherchen unserer Zeitung auch nicht aufgelöst werden soll, wenn dessen Ruhezeit endet.

Am 9. Juni 2010 hat die Kriminalpolizei in Dillingen einen weiteren Anlauf gewagt, um den Doppelmord zu klären – erfolglos. Damals berichtete eben jenes Fernseh-Format, das vor kurzem den Online-Auftritt überholte, – Aktenzeichen XY ungelöst – zum ersten Mal über das Verbrechen. 2011 hoffte die Polizei, eine der beiden Frauen endlich identifiziert zu haben. Eine von ihnen soll eine rumänische Prostituierte gewesen sein. Doch ein letzter DNA-Test hatte ein negatives Ergebnis.

Michael Lechner sagt, dass der Schlüssel zur Lösung des Mordfalls zunächst in der Identifikation der Leichen liege. Eine andere Möglichkeit sei, dass sich eventuell ein damaliger Mitwisser nach langer Zeit nun endlich dazu durchringt, sein Wissen der Polizei mitzuteilen. „Die Ermittlungen konzentrierten sich ja bekanntlich auch im Bereich um Oettingen und Wassertrüdingen. Mögliche Beteiligungsstraftaten könnten womöglich jetzt verjährt sein“, erklärt Lechner. Die Kripo in Dillingen nimmt noch immer Hinweise zu dem Fall unter Telefon 09071/560 auf. Der Kripochef sagt: „In dem Fall sind nach wie vor (...) Beamte der Kripo Dillingen eingeteilt und mit der Sachbearbeitung betraut, die die Hoffnung nicht aufgeben, den Fall irgendwann vielleicht doch noch aufklären zu können.“

Anmerkung zu den Bildern von der Polizei: Die Abbildungen der Frauen sind rekonstruiert. Sie könnten so ausgesehen haben, Abweichungen seien aber möglich.

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