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Oettingen

26.09.2020

Montessori rettete ihr den Berufswunsch

Annika Groß hat in der Montessori-Schule ihre pädagogische Heimat gefunden.
Bild: Ronald Hummel

Plus Für die Oettinger Schulleiterin Annika Groß gab es zur Montessori-Pädagogik keine Alternative. Was ihr an dem Lernkozept gefällt.

In Montessori-Pädagogik steckt viel Idealismus – ein Paradebeispiel dafür ist Annika Groß: Sie studierte in Hessen Lehramt für Grundschule, doch beim Referendariat in Baden-Württemberg stellte sie fest, dass das reguläre Schulsystem für sie keinesfalls in Frage gekommen wäre. „Vor allem den Notendruck empfand ich als schlimm, weil damit die Bemühungen der Kinder keinerlei Wertschätzung erfahren“, erinnert sie sich.

Sie dachte schon, sie könne nicht Lehrerin werden und hätte umsonst studiert, doch dann beschäftigte sie sich näher mit der Montessori-Pädagogik. „Ich wusste, das ist anders, aber die Unterschiede waren für mich entscheidend.“ Vor allem das Prinzip der Freiarbeit, wo jeder Schüler das macht, was ihn im Augenblick fasziniert, gefiel ihr. Sie stellte fest, wie effizient und zeitsparend es ist, wenn die Schüler nicht herausgerissen werden, sobald sie gerade voll im Fluss sind.

Groß: Den Umzug der Oettinger Montessori-Schule in das neue Gebäude findet sie konsequent

Als sie auf der Deininger Montessori-Schule hospitierte, nahm die Atmosphäre des individuellen Lernens und Förderns direkt von ihr Besitz: „Ich wusste sofort: Das ist es.“ Sie begann dort als pädagogische Zweitkraft, übernahm immer mehr Lehreraufgaben, absolvierte berufsbegleitend das Montessori-Diplom, ging zum Fachunterricht in Englisch und Sport über, wurde bald Klassenleiterin und übernahm vor einem Jahr die Schulleitung. Der Umzug mit 108 Schülern in die neu gebaute Oettinger Montessori-Schule bedeutete für sie eine noch konsequentere Umsetzung der Pädagogik.

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Generell fühlen sich die Schüler hier spürbar wohl, was sich auch auf die Lernqualität niederschlägt. Dann hat Annika Groß durch die weite, offene Architektur jeweils alle Schüler einer Klasseneinheit im Blick, auch wenn sie sich auf Kleingruppen verteilen. Sprich, sie sieht, wo es gerade von selbst gut läuft und wo sie helfend eingreifen sollte.

Hobbys können in der neuen Aula ausgelebt werden

Auch der allgemein steigenden Nachfrage nach offener Ganztagsschule kommt das weitläufige Schulgebäude nun entgegen: „Die Aula wurde extra so geplant, dass hier nach dem Essen Hobbys in den ersten bis vierten Klassen ausgelebt werden können.“ Diese reichen von Musik, Tanz oder Zumba bis zum Ergänzungsunterricht in Englisch oder Lernen mit Hunden. Außerhalb der Schule ist die Imkerarbeit mit Bienen ein wichtiger Programmpunkt. Praktische Orientierung beginnt früh – ab der fünften Klasse machen die Kinder Praktika, wo Idealvorstellungen real getestet werden können.

Generell ist das Gemeinschaftsgefühl jetzt übergreifend: „Früher waren Schüler zum Teil durch Stockwerke getrennt. Jetzt liegen bewusst die Klassenzimmer der ersten bis vierten Klassen neben denen mit fünfter und sechster beziehungsweise siebter und achter Klasse. Das gegenseitige Helfen ist damit noch alltäglicher geworden; neunte und zehnte Klassen können sich dagegen mehr zurückziehen, um sich beispielsweise konzentriert auf Abschlussprüfungen vorzubereiten. So lässt sich das große Leistungsspektrum von Übertrittsschülern ins Gymnasium bis hin zu solchen mit Förderbedarf noch besser abdecken.

Für Groß gibt es nicht die Option, von der Montessori-Pädagogik abzuweichen

„Bislang fand ohne Ausnahme jeder Montessori-Schüler seinen Weg“, betont die Schulleiterin. So schloss sich beispielsweise für einen leistungsschwachen Schüler ein Berufsvorbereitungsjahr an, das dann in einer Arbeit in der Landwirtschaft mündete. Vor allem am Tag der offenen Tür finden sich immer wieder „alte Hasen“ ein, die interessante, positive Rückmeldungen zu ihrem weiteren Lebensweg geben. Jeder Schüler, jeder Schultag bringt für Annika Groß erneut die Bestätigung: „Es wäre für mich nie eine Option, wieder von der Montessori-Pädagogik abzuweichen.“

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