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Kultur

13.01.2020

Museum Augenblick: „Wer soll das nach mir machen?“

Günther Holzhey vom Museum Augenblick, hier vor einem seiner Musikautomaten, hat seine Sammlung an das DFF übergeben.
Bild: Peter Urban

Plus Günther Holzhey hat seinen Nachlass geregelt und seine Sammlung übergeben. Wie es jetzt mit dem besonderen Museum in Nördlingen weitergeht.

Aufmerksamen Lesern unserer Zeitung ist es aufgefallen: Die „Sammlung Günther Holzhey und Ruth Baumer“, mithin das gesamte „Museum Augenblick“ ist dem DFF, dem „Deutschen Filminstitut & Filmmuseum“ in Frankfurt übergeben worden. Wie geht es nun mit dem Museum weiter, wird es noch Vorstellungen in der Pfarrgasse 2 in Nördlingen geben? Tatsache ist: Günther Holzhey hat seine Sammlung an das DFF übergeben, an einen Ort, wie er sagt, „an dem die Sammlung zusammenbleibt und weiterhin als Schausammlung zusammengehalten wird“. Doch er gibt gleichzeitig „vorläufige Entwarnung“, wie er augenzwinkernd zugibt, „alles, was ich für meine Vorführungen hier in Nördlingen brauche, bleibt hier, so lange ich bin. Allerdings lassen meine Kräfte nach und ich musste mich darum kümmern, dass meine Sammlung als Kulturgut der Nachwelt erhalten bleibt.“ Der gelernte Druckingenieur, Orgelbauer und Laterna-Magica-Schausteller hat über die vergangenen 44 Jahre gemeinsam mit seiner Frau Ruth Baumer eine außergewöhnliche Sammlung an vor- und frühgeschichtlichen kinematografischen Objekten, Geräten und Projektionsmaterialien aufgebaut. Unter dem Ensemble-Namen „Musica Magica“ traten die beiden europaweit auf, um die Magie und die Besonderheit der Laterna-Magica-Projektion als Darbietungsform lebendig zu halten. In Nördlingen betrieben sie seit 1994 das Museum „Augenblick“, das Günther Holzhey seit dem Tod seiner Frau im Jahr 2010 mit wechselnden Vorstellungen alleine bespielt. Er stellt sich damit bewusst in die Tradition der Puppenspieler, Leierkastenmänner und Magier, spielt in seinen Vorführungen mit „poetischer Wahrheit“ und fasziniert die Menschen mit seinem charismatischen Auftreten und dem märchenhaften „Was wäre, wenn …“-Erlebnis.

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Er macht damit die Entwicklung der modernen Medien anhand einfacher, aber verblüffender optischer und akustischer Attraktionen erlebbar: Mediengeschichte wird so gegenwärtig, anschaulich und für jedermann nachvollziehbar. „Ich habe in meinem Leben das hingekriegt, was möglich war“, sagt Günther Holzhey, „wir haben von der Nördlingen vor fünfundzwanzig Jahren dieses wunderbare Haus als Spielstätte und Heimat zur Verfügung gestellt bekommen. Dafür bin ich der Stadt und vor allem Alt-Oberbürgermeister Kling auch heute noch dankbar. Doch der Tod meiner Frau hat die Axt an die Wurzeln unseres Schaffensbaumes gelegt.“

Es gibt noch Vorstellungen im Museum Augenblick

Dennoch ist die Kunst sein Leben und es will weitermachen und noch so lange spielen, wie es ihm möglich ist. „Als Ein-Mann-Museum genügt es, ein Mal in 14 Tagen eine Vorstellung zu geben, mehr ist im Moment nicht drin. Aber das, was ich gebe, darin steckt meine ganze Leidenschaft.“ Wer einmal in einer seiner Vorstellungen war, weiß, wovon der Künstler spricht.

Museum Augenblick: „Wer soll das nach mir machen?“

Und welches Kleinod Nördlingen verloren geht, sollte auch Holzhey eines Tages mal nicht mehr sein, kann das nur bestätigen. Alleine die noch immer erreichbare – und herrlich altmodisch wirkende – Webseite aus dem Jahr 2002 www.musicamagica.de zeigt, welche Faszination hinter der so nostalgisch-schönen Technik steckt, die aus einer Zeit kommt, noch bevor die Bilder laufen lernten.

Was es im Museum Augenblick zu sehen gibt, beschreibt Martina Bachmann hier: Gesucht: Fans der Zauberlaterne

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