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Ederheim

14.01.2015

Musikalische Bilder des Nordens

Sie wurden geehrt (von links): Philipp Kaiser, Hermann Ferner, Fritz Steinmeyer, Alexander Huska, Carina Weidner und Jutta Baumann.
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Sie wurden geehrt (von links): Philipp Kaiser, Hermann Ferner, Fritz Steinmeyer, Alexander Huska, Carina Weidner und Jutta Baumann.

„Skandinavische Impressionen“ zu einem Konzert mit besonderer Note arrangiert

Die Faszination Skandinaviens, das sind die weiten und teils atemberaubenden Landschaften, das ist die Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises, das sind die spektakulären, tief eingeschnittenen Fjorde. Einen tiefen Einschnitt mussten die Ederheimer Musikanten schon vor Beginn des diesjährigen Jahresabschlusskonzertes hinnehmen: ihr gewohnter und bewährter Dirigent Klaus Klimek fiel aufgrund einer Verletzung sowohl für die letzten Proben als auch für das Jahr abschließende und die hohe musikalische Qualität des Musikvereins Ederheim – auch jenseits der traditionellen Blasmusik – widerspiegelnde Konzert aus. Dankenswerterweise konnte in Martin Götz aus Fremdingen ein adäquater Ersatz gefunden werden, der durch sein unaufgeregtes Dirigat den Musikern die nötige Ruhe und Souveränität vermitteln konnte, sodass diese in der Lage waren, die angekündigte „musikalische Leidenschaft der Sinne“, so der Untertitel des diesjährigen Programms „Skandinavische Impressionen“, auch Wirklichkeit werden zu lassen.

Gerade durch die gekonnte musikalische Umsetzung der Verknüpfung markanter Landschaften mit kulturellen Besonderheiten Skandinaviens vermochten es die Ederheimer Musikanten in den zentralen Stücken des Themenblocks, diese musikalische Emotionalität gefühlvoll zu transportieren und in mitreißende Klänge zu transponieren. Der hymnische Rahmen der „Norway Impressions“, der die Zuhörer in Norwegen und dessen Hauptstadt Oslo begrüßt, die sanften, die weite Seenlandschaft abbildenden Holzbläser wurden gekonnt kontrastiert von wild und ausdrucksstark tanzenden Registern. Aber auch die Verbindung und Unterschiede der einzelnen Länder Skandinaviens wurden vollmundig und in voller Ausschöpfung der Klangfülle dieses Blasorchesters farbenprächtig illustriert. Im Stück „Skandinavia“ konnten sowohl die einzelnen Register als auch der gesamte Klangkörper das jeweilige Können mit Leidenschaft untermalen: Von einem vorwärts schreitenden Festmarsch über fein ziselierte Holzbläser und schwere Akkorde des tiefen Blechs bis hin zu einer kontrapunktisch eng geführten Stimmenvielfalt im Schlussteil reichte die musikalische Farbpalette.

Eine tragende Rolle hatten die Tenorhörner in der sinfonischen Rockoverture „Stockholm Waterfestival“ wie auch im ganzen Themenblock inne. Während zum Beispiel die Bässe, die in der letzten Ausgabe der „Böhmischen Perlen“ noch mit einem beachtenswerten Solo-Part aufwarten konnten, sich wieder in ihre angestammte Rolle als solide und zuverlässige Basis zurückziehen konnten, durften und konnten jene mit musikalischem Witz und wohldosiertem Pomp die Ausgelassenheit und Lebensfreude dieses Festes in der Schwedischen Hauptstadt spürbar machen.

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Dass Skandinavien aber mehr ist, als nur die eingangs erwähnten spektakulären Landschaften, sondern dass in Stockholm und Oslo auch die alljährlichen Verleihungen der Nobelpreise stattfinden, das thematisierte der gespielte Marsch „Marsch der Medici“ für den Nobelpreis für Medizin. Weder versäumte es der wie immer mit einem Augenzwinkern das Jahresabschlusskonzert moderierende Rudolf Lauda darauf hinzuweisen, dass mit dem Titel nicht das gleichnamige italienische Adelsgeschlecht, sondern die den Komponisten Johan Wichers während eines langen Krankenhausaufenthaltes behandelnden Ärzte geehrt werden sollen, noch versäumten es die Hörner und Klarinetten, den diesem Konzertmarsch innewohnenden musikalischen Verflechtungen und dynamischen Wechseln gekonnt Ausdruck zu verleihen.

Nicht mit Nobelpreisen, dafür aber mit Ehrungen des Allgäu-Schwäbischen-Musikbundes (ASM) und des Musikvereins, vertreten durch den stellvertretenden Präsidenten Theo Keller und dem 1. Vorstand des Musikvereins Philipp Kaiser wurden eine Anzahl von Mitgliedern geehrt (siehe separaten Kasten). Gerade die große Anzahl an bestandenen Leistungsprüfungen im Jugendbereich mache deutlich, dass der Musikverein Ederheim nicht nur musikalisch, sondern auch in der Vereinsarbeit nicht bei Traditionellem stehen bleibt, sondern das Augenmerk auch auf Gegenwart und Zukunft richtet, wurde betont. Den musikalischen Beweis für den Erfolg dieser Ausrichtung konnte die Jugendgruppe unter der Leitung von Elke Ruf gleich zu Beginn des Konzertes erbringen: der Community Pop „Music is My World“ wurde so flott und poppig dargeboten, dass er eine wohltuende Distanz zur leider oft genug durch Bierzeltdunst vernebelten traditionellen Spielart der Blasmusik auftat; das rhythmisch anspruchsvolle Medley „Highlights from Brother Bear“ ließ manchen Fuß mitwippen, und mit der Pop-Ballade „Never forget your Friends“ zauberten die Jungmusiker durch ihr gefühlvolles Spiel zumindest auf die Gesichter der aufmerksamen Zuhörer manches Lächeln. Einzig der Teil des Publikums, der durch einen störenden, aus diversen Unterhaltungen resultierenden Geräuschteppich von sich hören machte, sich aber zumindest durch die Zugabe mit dem Titel „Aus ganzem Herzen Blasmusik“ wieder zu mehr Aufmerksamkeit motivieren ließ, muss wohl noch nachhaltiger auf diesem Weg zu anspruchsvoller Blasmusik mitgenommen werden. Stefan Nagel

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