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Gala

30.12.2017

Musikgeschichten erwärmen Herzen

Bei Bottensinis „Elegy“ spielte Alexandra Hengstebeck innige und ergreifende Soli. Das elfköpfige Klenze-Ensemble aus München verbreitete Weihnachtsstimmung in der ausverkauften Raiffeisen-Volksbank Ries.
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Bei Bottensinis „Elegy“ spielte Alexandra Hengstebeck innige und ergreifende Soli. Das elfköpfige Klenze-Ensemble aus München verbreitete Weihnachtsstimmung in der ausverkauften Raiffeisen-Volksbank Ries.

Wie das Klenze-Ensemble in der Raiffeisen-Volksbank Ries weihnachtliche Stimmung verbreitete – und welche besondere Rolle ein Kontrabass an diesem Abend spielte

In der Weihnachtszeit lauscht man gerne Geschichten. Schöne Musik vertreibt depressive Gedanken und die Dunkelheit rund um die Wintersonnwende. Schon immer spielen Musik und Geschichten eine große Rolle an Weihnachten. Beides hat beim Fest der Liebe Tradition.

Dem elfköpfigen Klenze-Ensemble aus München ist es auf ganz hervorragende Weise gelungen, mit schöner Streicher-Musik und „Geschichten“ die Herzen zu öffnen und das Gemüt zu wärmen. In der ausverkauften Schalterhalle der Raiffeisen-Volksbank Ries war das Weihnachts-Galakonzert am zweiten Feiertag wieder einmal ein Höhepunkt der Reihe „Klassik im Ries“: Das lag sicherlich auch an der festlich geschmückten Halle. Es lag aber vor allem an diesen elf gut gelaunten, aber hoch konzentrierten Musikprofis auf der Bühne.

Alle Mitglieder des Klenze-Ensembles spielen hauptberuflich im Bayerischen Staatsorchester oder bei den Münchner Philharmonikern. Primarius der Gruppe ist der österreichische Violinist David Frühwirth. Alle Mitglieder des Ensembles nutzen die Möglichkeit, in diesem Zusammenschluss auch solistisch mit Kammerorchester zu musizieren. Deshalb wurde der Konzertabend kurzweilig. Stücke von überschaubarer Länge mit verschiedenen Solisten boten Abwechslung, ohne dass die Auswahl beliebig war. Ohrwürmer der klassischen Musik wechselten sich mit weniger bekannten Stücken ab – und doch passte alles zusammen.

Mit dem Weihnachtskonzert von Giuseppe Torelli eröffnete das Klenze Ensemble weihnachtlich-barock den Abend. Vier knackige Sätze und zwei sehr harmonische Violin-Solisten (David Frühwirth und Christian Zahlten) zogen das Publikum sofort in ihren Bann. Beim Adagio in g-Moll, das Tomaso Albinoni zugeschrieben wird, konnte Geigerin Susanne Gargerle als Solistin sofort nachlegen. Die Melodie zählt wohl zu den bekanntesten und populärsten Stücken klassischer Musik, sie wurde in zahlreichen Film-Soundtracks von „Flashdance“ bis „The Doors“ verwendet. Susanne Gargerle gibt dem Stück eine ganz persönliche Note, besonders in den Piano-Stellen umwerfend und bei den düsteren Takten, die wehklagend an Klezmer-Musik erinnern, sehr ergreifend. Am Schluss wurde sie auffallend von ihrem Kollegen am Cello, Rupert Buchner, unterstützt, der im folgenden „Nocturno“ in d-Moll von Peter Tschaikowsky seinen Solo-Part hatte.

Der Sprung ins 19. Jahrhundert passte gut, Solist und Orchester überzeugten mit großer Harmonie. Hüpfend und spielerisch begann das „Adagio und Fuge“ in g-Moll von Franz Xaver Richter, im zweiten Teil wurde es dramatisch. Das Ensemble nutzte die Wechsel in der Dynamik, um das Publikum immer wieder zu fesseln. Auch im Forte war die Melodie stets weich und singend. Ein Wohlklang, der schwärmen ließ. Chronologisch wieder zurück auf Anfang: Antonio Vivaldis „Winter“ aus den Vier Jahreszeiten ist auch eines der bekanntesten Instrumental-Werke und war absolut passend für einen dunklen Weihnachtsabend. Wollte man unter den hervorragenden Solisten eine hervorheben, so ist das So-Young Kim. Die Vorspielerin der Ersten Violinen am Bayerischen Staatsorchester war der Wind und die Sturmböen im „Allegro“, während die Kollegen die klirrende Kälte in die Schalterhalle transportierten. Der Kontrast der behaglichen Winterstube und der Wetterkapriolen draußen, die Freuden und Gefahren des Winters – das alles war greifbar. In den Solo-Passagen spielte So-Young Kim die Zuhörer schwindelig, im zweiten Satz dann so ergreifend, dass man einen Kloß im Hals hatte.

So war es nicht verwunderlich, dass das Ensemble schon nach der Pause mit rhythmischem Klatschen wieder begrüßt wurde. Beim Weihnachtskonzert von Francesco Manfredini hatten Rita Rozsa und Michele Torresetti ihre Violin-Solo-Auftritte. Bei Giovanni Bottensinis Elegy in d-Moll ging Kontrabassistin Alexandra Hengstebeck nach vorne, eine große Frau mit einem noch größeren Instrument. Die Finger greifen in Sekundenbruchteilen mehrere Dezimeter auf den Saiten entlang, sie umarmt ihr Instrument, es sah aus wie ein inniger Tanz. Und das hörte man auch: ein Bass-Solo auf höchstem Niveau mit Seltenheitswert in Nördlingen.

Zum Schluss sprangen die Klenze-Mitglieder in modernere Zeiten: Ottorino Respighi gilt als führender Vertreter neuerer italienischer Instrumentalmusik. Gleichwohl bedient er sich bei „Antiche dance ed arie per liuto“ der barocken Musiksprache. Ein gelungener Abschluss für ein begeistertes Publikum, das sich zwei Zugaben erklatschte. (pm)

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