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Verdienstorden für Nördlinger Medizinprofessor

24.08.2020

Mutmacher und Vorbild

Der Nördlinger Mediziner Professor Dr. Dieter Häussinger (rechts) bei der Übergabe des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen durch den Ministerpräsidenten Armin Laschet. Der Festakt fand gestern Nachmittag in Köln statt.
Bild: Mark Hermenau

Der Nördlinger Arzt Professor Dr. Dieter Häussinger wird in Köln mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Überreicht wird vom Ministerpräsidenten höchstpersönlich.

Am gestrigen Sonntag, dem Tag des 74. Geburtstages des Landes Nordrhein-Westfalen, hat Ministerpräsident Armin Laschet 13 Persönlichkeiten für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Übergabe der Landesorden fand in der Flora Köln, Palais im Park, statt. Mit dem Landesverdienstorden ehrt die Landesregierung traditionell gesellschaftlich besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger für ihre herausragenden Verdienste am Ge-meinwohl und am Land. Unter den 13 Empfängern der hohen Auszeichnung war auch der Nördlinger Medizinprofessor Dr. Dieter Häussinger.

„Am Tag des 74. Geburtstags unseres Landes danken wir verdienten Frauen und Männern mit dem Landesverdienstorden. Mit diesem Orden ehren wir besondere Verdienste um ein Land, das seit über sieben Jahrzehnten auf dem festen Fundament seiner Verfassung steht. Unsere Verfassung ist Garant für Freiheit, Demokratie und starken Zusammenhalt. Das zu gewährleisten, bleibt eine Verpflichtung für uns alle und ist in heutigen Zeiten wichtiger denn je“, so Ministerpräsident Armin Laschet.

Der Ministerpräsident weiter: „Mein besonderer Dank gilt heute den 13 Bürgerinnen und Bürgern für ihren herausragenden Einsatz für unser Land. In einer Zeit, die von Unsicherheit und Polarisierung gezeichnet ist, stehen die Ordensempfängerinnen und -empfänger für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für wissenschaftlichen Fortschritt, der allen zugute kommt, für wirtschaftlichen Wohlstand, für eine liebenswerte Heimat und für eine starke und lebendige Demokratie.“ Der Ministerpräsident hob die besondere Bedeutung des Ehrenamts hervor: Die 13 Bürgerinnen und Bürger seien Menschen, die andere zum Mitmachen bewegen. Sie alle seien Mutmacher und Vorbilder für das Land.

In seiner ausführlichen Würdigung der Verdienste von Professor Dr. Dieter Häussinger führte der Ministerpräsident unter anderem aus: „Dass uns seit Monaten das Corona-Virus intensiv beschäftigt, darf nicht davon ablenken, dass es viele andere, sehr schwere Erkrankungen gibt – und exzellente Medizinerinnen und Mediziner, die alles tun, damit diese Erkrankungen schnell und wirksam bekämpft werden können. Dieter Häussinger ist einer von ihnen.“

Sein Fachgebiet seien Erkrankungen der Leber, die überaus tückisch verlaufen können, so der Ministerpräsient weiter. Lebererkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu be-kämpfen, das sei seit vielen Jahren eine große Herausforderung in der medizinischen Forschung. Dieter Häussinger sei auf diesem Gebiet als Forscher, akademischer Lehrer und praktizierender Mediziner international hochgeschätzt.

Laschet zeichnete dann den medizinischen Lebenslauf Häussingers nach: „Zwischen 1979 und 1994 ist Dieter Häussinger als Arzt an der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg tätig, wo er habilitiert. Anschließend wird er Direktor der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Hepatoogie und Infektiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und baut dort den Forschungsschwerpunkt Hepatologie aus. Dass Menschen mit einer Leberzirrhose heute deutlich länger leben können als noch vor 20 Jahren, das haben sie nicht zuletzt Dieter Häussinger zu verdanken.“

Ein dramatisches Krankheitsbild eingehend erforscht

„Hepatische Enzephalopatie“ – für Betroffene sei die Diagnose dramatisch, da eine gestörte Entgiftungsfunktion der Leber Gehirnschäden verursachen könne. Dieses Krankheitsbild sei von niemand anderem als Dieter Häussinger erforscht worden und inzwischen fester Bestandteil medizinischer Lehrbücher. Auch von ihm entwickelte neuartige Mess- und Diagnoseverfahren hätten Einzug in die Kliniken gehalten.

Und auch bei der Behandlung von Aids habe Dieter Häussinger Maß-stäbe gesetzt. Eigens für die Behandlung von Aids, HIV und Tuberkulose sei das hochmoderne Leber- und Infektionszentrum an der Düsseldorfer Uniklinik errichtet und unter seine Leitung gestellt worden. Außerdem würden Patientinnen und Patienten, die an Lassafieber und Ebola erkrankt sind, in der tropenmedizinischen Ambulanz versorgt. Eine besondere Herzensangelegenheit sei für ihn die Kooperation mit der Adama-Universität in Äthiopien, die 2013 das Hirsch-Institut für Tropenmedizin als Au-ßenstelle der Klinik von Professor Häussinger eröffnen konnte.

Dass sich Dieter Häussinger in unzähligen hochrangigen Gremien engagiere, sei fast schon selbstverständlich. Der Minsterpräsident: „Genannt seien hier nur die Deut-sche Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Akademie der Naturfor-scher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste sowie die Leibniz-Gemeinschaft in Berlin.“ Dass die Medizin immer wieder große Fortschritte erziele, liege nicht allein am technologischen und pharmazeutischen Fortschritt, sondern immer auch an Menschen wie Dieter Häussinger.

Der Chef der Landesregierung zog am Ende seiner Laudatio folgendes Fazit: „Ihre außergewöhnlichen Leistungen verleihen dem Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen eine besondere Strahlkraft. Lange Jahre haben Sie in Düsseldorf gelebt und geforscht und große Erfolge erzielt, die das Leben unzähliger Menschen verbessert oder ihr Weiterleben überhaupt erst möglich gemacht haben.“

Aus dem Tagesgeschäft weitgehend zurückgezogen

Häussinger, 1951 in Nördlingen geboren, hat sich mittlerweile aus dem medizinischen Tagesgeschäft weitgehend zurückgezogen und lebt wieder überwiegend in seiner Heimatstadt. Seine wissenschaftliche Tätigkeit als Ordinarius für Innere Medizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf übt er allerdings nach wie vor aus.

Neben Professor Dr. Dieter Häussinger zählten zum Kreis der gestern Geehrten unter anderem der Physik-Nobelpreisträger Dr. Johannes Georg Bednorz, der sozial sehr engagierte Fußball-Weltmeister Mario Götze und das Prinzenpaar Maria und Stephan zur Lippe, das sich vor allem für das Deutsche Rote Kreuz einsetzt. (pm/rom)

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