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Hund beißt Achtjährigen

25.09.2019

Nach Hundebiss in Hainsfarth: Jagdtrieb ist „keine Entschuldigung“

Ein Dobermann steht auf dem Rasen. (Symbolbild)
Bild: Horst von Weitershausen

In Hainsfarth ist ein Kind von einem Hund angegriffen worden. Wieder einmal wird eine emotionale Debatte über die Schuldfrage geführt. Was Fälle aus der Vergangenheit zeigen.

Der Konflikt steht wieder so groß wie der sprichwörtliche Elefant im Raum: In Hainsfarth ist ein achtjähriger Bub von einem Hund gebissen worden und wieder – wie bereits im Frühjahr in Megesheim – keimt eine emotionale Debatte über die Schuldfrage auf. Also wer trägt Schuld daran, wenn ein Hund zubeißt? Wurde das Tier provoziert? War das Tier nicht richtig erzogen? Ist gar die Rasse schuld?

Der Elefant, also das Problem, lässt sich aber in dieser komplexen Angelegenheit nicht so einfach benennen, wie ein Experte später noch erklären wird. Zunächst zum Hintergrund: Wie berichtet, ist das Kind am Sonntag von einem Dobermann-Mischling in Hainsfarth in den Oberschenkel gebissen worden. Das Kind wurde ambulant im Krankenhaus versorgt. Wie die Polizei Nördlingen bekannt gab, war der Junge mit seinem Fahrrad unterwegs und fuhr durch den Hof zu einem anderen Anwesen. Der stellvertretende Dienststellenleiter der Nördlinger Polizei, Robert Schmitt, sagte auf RN-Nachfrage, dass der Hund bislang nicht auffällig gewesen sei, es handle sich auch nicht um einen Kampfhund. Das Tier sei nicht angeleint gewesen, als das Kind am Haus vorbeiradelte. Der Besitzer pfiff seinen Hund noch zurück, hieß es weiter, doch der Mischling reagierte nicht.

Hund beißt Kind: Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung

Die Beamten ermitteln wegen fahrlässiger Körperverletzung. Mehr könne man derzeit noch nicht sagen, teilt Schmitt weiter mit. Die Staatsanwaltschaft müsse entscheiden, was mit dem Hund geschehe, oft werde ein Diensthundeführer oder unabhängiger Sachverständiger eingesetzt.

Nach Hundebiss in Hainsfarth: Jagdtrieb ist „keine Entschuldigung“

So geschehen ist es nach dem Vorfall in Megesheim im Mai dieses Jahres. Ein Australian Shepherd hatte ein eineinhalb Jahre altes Kind ins Gesicht gebissen. In einer anderen Version hieß es, die beiden seien beim Spielen zusammengestoßen – zumindest hatte das Kind einen Zahnabdruck und Kratzspuren im Gesicht. Der Halter wurde angewiesen, seinen Hund nur noch mit Maulkorb und schlupfsicherem Halsband sowie einer einen Meter langen Leine zu führen. Die Gemeinde Megesheim hat dem Besitzer außerdem zur Auflage gemacht, eine Hundeschule mit dem Australian Shepherd zu besuchen und ein hundepsychologisches Gutachten anzufertigen. Wie Bürgermeister Karl Kolb sagt, sei der Besitzer dem sofort nachgekommen.

Kommunen können Auflagen zum Schutz der Bevölkerung erlassen

Amtstierarzt Thomas Kellner ist der Ansicht, dass die Rasse eines Hundes weniger Rückschlüsse auf dessen Verhalten zulasse als Ausbildung und Erziehung. Aber gerade Schutz- oder Wachhunde hätten grundsätzlich einen ausgeprägten Jagdtrieb. Ein rennendes Kind, oder auch ein Fahrrad fahrendes Kind, würde also diesen Jagdtrieb ansprechen. Egal, „ob das nun ein Dobermann oder ein Schäferhund ist“, sagt Kellner. Er meint aber auch: „Das ist keine Entschuldigung, das ist eine Erklärung“. Der Besitzer sei in der Pflicht, seinen Hund so zu halten, dass nichts passieren könne, beispielsweise durch eine Leine. Die Kommunen können zudem durch das Bayerische Landesstraf- und Verordnungsgesetz Auflagen zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden erlassen, erklärt Kellner, so wie es in Megesheim geschehen ist.

Klaus Engelhardt, der Bürgermeister von Hainsfarth, ist entsetzt über den Vorfall. In der Gemeinde gelte seit Jahrzehnten eine Leinenpflicht für Hunde. Engelhardt ist zudem der Meinung, ein Hund auf einem Grundstück, das öffentlich zugänglich sei, müsse unter Kontrolle sein. „Sowas darf nicht passieren“, sagt er. Er schließt nicht aus, dass auch er Auflagen machen werde, ähnlich wie in Megesheim geschehen. Bislang haben sich aber weder Staatsanwaltschaft noch Polizei an ihn gewandt.

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