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Naturschutz

28.11.2018

Nachruf: Reimut Kayser war ein engagierter Anwalt der Natur

Mit Nachdruck setzte sich Reimut Kayser (hier mit einem präparierten Rotmilan) für den Vogelschutz ein.
Bild: Yvonne Salvamoser (Archiv)

Reimut Kayser ist überraschend gestorben. Der Biologe hat den Naturschutz in der Region geprägt.

Den Anfang für eine lebenslange Leidenschaft hat ein Geschenk gemacht. Als Bub erhielt Reimut Kayser ein Fernglas. Mit der Folge, dass der Schüler die Wälder in Regensburg durchstöberte und dort den Reichtum der Pflanzen- und Vogelwelt entdeckte. Diese Faszination ließ Kayser nicht mehr los. Er studierte Chemie und Biologie, wurde Lehrer am Dillinger Sailer-Gymnasium und prägte seit 1978 fast ein Vierteljahrhundert lang als Kreisvorsitzender den Bund Naturschutz (BN) im Landkreis Dillingen. Am Samstag ist Reimut Kayser nun nach einer Krankheit überraschend gestorben. Die Nachricht hat nicht nur bei Naturschützern in der Region Betroffenheit ausgelöst.

Kayser gründete zahlreiche Bürgerinitiativen

Kayser war ein streitbarer und engagierter Anwalt für die Natur. „Zusammen mit anderen habe ich in meiner Amtszeit bestimmt ein gutes Dutzend Bürgerinitiativen gegründet“, sagte der Dillinger einmal in einem Interview. Kayser machte gegen ein Atomkraftwerk in Pfaffenhofen ebenso mobil wie gegen einen Golfplatz am Fuchsberg oder Müllverbrennungsanlagen in Burgmagerbein und Lauingen. Immer wieder kritisierte der Pädagoge einen „exzessiven Straßenbau“ im Nachbarlandkreis. Und als Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz wetterte der Naturschützer zuletzt öfters gegen Standorte von Windrädern, wenn er dadurch den Rotmilan und andere Großvögel in Gefahr sah, wie beispielsweise in Amerdingen.

Um die heimische Vogelwelt hat sich Kayser nachhaltig verdient gemacht. Der Lehrer, der etwa dreieinhalb Jahrzehnte am Sailer unterrichtete, hatte sich schon früh den Schutz von Rotmilan, Falke, Rohr- und Wiesenweihe auf die Fahnen geschrieben. Seit 1966 erfasste der Biologe die Vorkommen von Wanderfalke und Uhu in weiten Teilen Bayerns. Im Landkreis Dillingen war Kayser an der Erstellung des Wiesenweihen-Schutzprogramms beteiligt. Und von 1981 bis ins Jahr 2000 arbeitete der Biologe an der Ausweisung der 26000 Hektar großen „Important-bird-area – Nördliches Donautal und südliche Riesalb“, die nun zum EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000 gehört.

Der Naturschützer engagierte sich auch in der Politik 

Bei seinem Einsatz für die Natur nutzte Kayser auch die politische Bühne. 1984 kandidierte er als Mitbegründer der „Wähler für Heimat, Landwirtschaft und Umwelt“ (WHLU) erfolgreich für den Dillinger Kreistag. 1990, in der zweiten Wahlperiode, wurde der eloquente Lehrer WHLU-Fraktionsvorsitzender. 2008 sah die WHLU ihre Ziele erreicht und zog sich zurück.

Das Engagement Kaysers wurde mehrfach gewürdigt. Der frühere Dillinger Landrat Anton Dietrich ehrte ihn mit der Verdienstmedaille des Landkreises und nannte ihn „eine Art grünes Gewissen“ in der Region. Betroffen zeigte sich die Dillinger BN-Kreisvorsitzende Heidi Terpoorten über die Nachricht vom Tod Kaysers. „Wir haben einen starken politischen Kämpfer für den Naturschutz verloren.“ Um den Naturschützer trauern auch seine beiden Töchter. Kaysers Frau Ulrike ist bereits 1999 gestorben – ein Schicksalsschlag für den Dillinger.

Traurig sind auch die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) in Zöschingen, den Kayser ins Leben gerufen hatte, wie Helmut Weber und Georg Holzheu mitteilen. Der Tod des Umweltschützers habe „eine kaum auffüllbare Lücke in den Kreis derer gerissen, die sich verantwortungsvoll für unsere Natur einsetzen“.

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