Gaudiwurm

08.02.2018

Närrische Wagenbauer

Das Bild zeigt einen von vier Faschingswagen, die derzeit in den Maschinenhallen neben dem Megesheimer Sportplatz gebaut werden. Die Faschingsbegeisterten sind jedes Jahr mehrere Wochen mit ihren Kunstwerken auf Rädern beschäftigt. Die fertigen Wagen können am Sonntag beim Umzug bewundert werden.
Bild: Leonie Junghanns

Fünf bis acht Wochen arbeiten die Faschingsfreunde Megesheim an ihren Kunstwerken auf Rädern. Wie die Beteiligten vorgehen und wer sie beim Bauen unterstützt

Es ist ein kalter Vormittag, wenige Autos stehen vor den Lagerhallen neben dem Megesheimer Sportplatz. Die Tore zweier Abteile sind leicht geöffnet. Dumpfe Töne klingen aus den großen Maschinenhallen. War das nicht ein Akkuschrauber?

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Megesheimer wissen, was diese Geräusche bedeuten: Der Faschingsumzug steht vor der Tür. In wenigen Tagen rollt der wohl größte Gaudiwurm der Gegend durch die Straßen der Gemeinde. Tausende Zuschauer erfreuen sich jedes Jahr am Faschingssonntag an zahlreichen Fuß- und Musikgruppen, Gardemädchen und verkleideten Schaulustigen. Besonders freuen sich die Besucher wohl auf die unterschiedlichen Faschingswagen, die an diesem Tag an ihnen vorbeiziehen und den Umzug zu dem machen, was er ist: einzigartig.

Seit Generationen werden diese Faschingswagen für den Megesheimer Umzug gebaut. Bereits im November beginnen die einzelnen Gruppen mit der Ideensammlung. Sie überlegen sich nicht nur die Themen ihrer Wagen, sondern auch, wie sie diese gestalten wollen. Traditionell sollen die Gruppen politische, regionale oder weltweite Schlagzeilen aufgreifen und sich kritisch darüber lustig machen. Dabei spricht man vom sogenannten Narrenspiegel, erklärt Thomas Aust, Vorsitzender der Faschingsfreunde Megesheim. Die Botschaften der Wagen sind in Form von Reimen an deren Seiten angebracht. Trotz vieler Auflagen durch das Landratsamt würden die Wagenbauer bei ihren fahrenden „Kunstwerken künstlerische Freiheit“ genießen. Unterstützt werden sie mit Farben, Holz, Schrauben und weiteren Materialien, die vom Verein bezahlt werden und die Mühe der Arbeiter würdigen sollen.

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Ganz nach alter Tradition legen die Faschingsbegeisterten im Alter von 15 bis 60 Jahren bereits im Januar mit ihrer Arbeit los: Es wird gesägt, gehämmert, gekleistert und geschraubt – und das bei jeder Temperatur. Fünf bis acht Wochen sind die Faschingsbegeisterten mit ihren Wagen beschäftigt. Etwa zehn bis 15 Leute teilen sich die Aufgaben dabei untereinander auf: „Wer handwerklich nicht so begabt ist, streicht dann halt“, sagt einer der Wagenbauer. Gearbeitet wird unter der Woche nach Feierabend, zusätzlich benötigen sie am Wochenende jede helfende Hand. Auch auf die entsprechenden Kostüme zu ihren Wagen legen die Beteiligten einen großen Wert. Weit mehr als 100 Euro werden teilweise für diese individuell gestalteten Verkleidungen ausgegeben.

All die Mühe, Arbeit, die dahinter steckt, und die Liebe, mit der die Beteiligten ihre Wagen bauen, machen den Umzug für Aust zu einem Unikat. Das Besondere an den Megesheimer Faschingswagen: Sie sind nur am eigenen Gaudiwurm zu sehen. Bereits am nächsten Tag werden die Fahrzeuge komplett abgebaut.

Neben dem tollen Erlebnis für die Betrachter des Gaudiwurms, spielt für Aust ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle: „Es sind alte Werte, die man beim Wagenbauen aufrecht erhält“, betont der Vorsitzende. Nicht nur die Tradition werde Jahr für Jahr an die jüngere Generation weitergegeben, sondern auch die Gemeinschaft der Wagenbauer werde verstärkt. Durch Arbeiten verbringen die Gruppen viel Zeit miteinander. Zusammen überlegen sie sich lustige Reime und Sprüche, erlernen den Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen und arbeiten sich Stück für Stück zu ihrem Ziel: dem perfekten Faschingswagen.

Eines steht für Aust fest: „Es wird immer einen Umzug geben – Gesetze hin, Auflagen her.“ Auf der Homepage der Faschingsfreunde Megesheim sind die Themen der diesjährigen Wagen und Fußgruppen seit einiger Zeit bekannt. Wie sie ihre Pläne in die Tat umsetzen und mit welchen Besonderheiten die Besucher in diesem Jahr überrascht werden, zeigt sich am kommenden Sonntag ab 14 Uhr.

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