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Konzert

21.10.2016

Neue dynamische Dimensionen

Das Bild zeigt den Kammerchor, die Solisten (rechts Klaus Ortler, links vor dem Chor Friederike Mauß) und in der Mitte den Dirigenten Udo Knauer
Bild: Friedrich Wörlen

Nördlinger Kammerchor bricht bei überzeugendem Auftritt mit Hörgewohnheiten

Unter dem Titel „Comfort and Joy – Freude und Trost“, hat der Nördlinger Kammerchor St. Georg unter der Leitung von Udo Knauer die Jahreslosung der Evangelischen Kirche „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“, nicht nur in protestantische Kirchenmusik aus dem „üblichen“ Repertoire umgesetzt, sondern in Musik aus verschiedenen Stilrichtungen und Regionen.

Die große Motette zu Psalm 22 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) deutet zuerst, prophetisch vorweggenommen, Erniedrigung und Kreuzesqual an, aber am tiefsten Punkt bricht der achtstimmige Doppelchor in Rettungs- und Heilsgewissheit und schließlich in strahlenden Jubel aus.

In den Drei Motetten des Ungarn Zsoltán Gárdonyi (1906-1986) steigt die Spannung von Stück zu Stück: „Singet dem Herren ein neues Lied“ nach Psalm 96 folgt der herkömmlichen Chorpraxis, im Finnischen Bußlied hören wir einen zu Herzen gehenden Text, und die Vertonung des klassischen Trost- und Geborgenheitspsalms 23 bricht in expressionistischer Manier mit den heutigen Hörgewohnheiten ebenso wie mit denen des Entstehungsjahres 1948. Von Charles Villiers Stanford (1852-1924) erklang ein Magnificat in G, bei dem die drei jungen Chormitglieder Anne-Kathrin Schäfer, Marina Haimböck und Katharina Knauer als Soloteam mit schönen Kantilenen ihr Debüt gaben.

Neue dynamische Dimensionen

Mit dem Satz „Ihr habt nun Traurigkeit“ aus dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms begegnete das Publikum einer der anrührendsten Passagen eines wiederholt gehörten Werks. Hier wird der Trost, den Gott wie eine Mutter spendet, wörtlich zitiert. Friederike Mauß gestaltete die Solopartie überzeugend.

Aus der besinnlich und getröstet ausklingenden Trauer nahm der Kammerchor sein Publikum mitten hinein in den unbändigen Wirbel einer rhythmusbetonten Vertonung des 150. Psalms „Lobet den Herrn in seinem Heiligtum“ des Brasilianers Ernani Aguiar (geb. 1950).

Zum Abschluss gab es ein Wiederhören mit zwei norwegischen Komponisten, vor Kurzem in dem Konzert von „Sonat Vox“ vertreten gewesen waren: Knut Nystedt (1915-2014) gestaltet in der vier- bis sechsstimmigen Motette „Sing and Rejoice“ die überwältigende Freude über das Ende der Babylonischen Gefangenschaft, und Ola Gjeilo (geb. 1968) vertonte den ehrwürdigen, heute als „Taizé-Lied“ bekannten lateinischen Text „Ubi caritas et amor, deus ibi est“. Einen Blick über den kirchlichen Tellerrand hinaus wagte der Kammerchor mit dem meditativen Stück des Schweden Sven-David Sandström.

Die Sänger des Kammerchors bewiesen hohe Musikalität, große Homogenität und Disziplin im Eingehen auf den Dirigenten. Diesem kann bescheinigt werden, dass die Auswahl der Werke und die Probenarbeit, aber auch die personelle Verstärkung des Chores zu neuen dynamischen Dimensionen und zu einem großartigen Konzerterlebnis geführt haben.

Klaus Ortler machte mit seinem bravourösen Orgelspiel wieder bewusst, wie glücklich Nördlingen sein kann, dass die Kirchenmusik beider großen Konfessionen in vier so guten Händen liegt.

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