1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Neuer Vorwurf gegen Erber

Debatte

24.11.2017

Neuer Vorwurf gegen Erber

Der katholische Dekan Paul Erber wurde am Montag in den Ruhestand versetzt. Er war auch Stadtpfarrer in Nördlingen.
Bild: Philipp Wehrmann

Ein ehemaliger Nördlinger meldet sich bei den Rieser Nachrichten. Er schreibt, dass der Geistliche sexuell übergriffig wurde. Der katholische Dekan bestreitet das.

Seine Familie versorgt Hermann Keßler mit Nachrichten aus der Heimat. Wichtige Artikel oder teils ganze Seiten der Rieser Nachrichten erreichen den gebürtigen Nördlinger in der Ferne per Post. In den vergangenen Jahren hat Keßler immer wieder die Berichte über den katholischen Dekan Paul Erber gelesen – und sich gewundert, dass nie ein ähnlicher Fall öffentlich wurde, wie der, der am Sonntag zur Sprache kam: Dass der Geistliche einen Jungen sexuell missbraucht hat. In einer Email an unsere Redaktion berichtet Hermann Keßler detailliert, dass der Pfarrer auch ihm gegenüber sexuell übergriffig geworden sei.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

17 Jahre sei er zu diesem Zeitpunkt alt gewesen, sagt der Familienvater am Telefon, damals habe er gerade die Realschule Nördlingen-Wemding abgeschlossen. Nach einer Klassenfeier auf der Alten Bürg sei er mit Erber, der damals Kaplan in Nördlingen war, nachts auf dem Weg zum Parkplatz gewesen. Völlig abrupt und unvorhersehbar habe der Geistliche Keßlers Hand genommen und sie sich selbst in den Hosenbund gesteckt. Keßler sagt, er habe seine Hand sofort weggezogen. Die ganze Szene habe sich in Sekunden abgespielt. Mit Erber habe er danach nicht mehr gesprochen, sich auch an niemand anderen gewandt: „Ich habe das einfach verdrängt.“ Doch der Moment habe ihn lange beschäftigt. Auch andere hätten den Kontakt mit dem Kaplan plötzlich abgebrochen, Keßler vermutet: „Ich kann nicht ausschließen, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt.“

Eine Vermutung, die allerdings andere, die Erber als Kaplan in Nördlingen erlebt haben, als abwegig bezeichnen. Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre wurde kein Fall öffentlich, berichten mehrere Zeitzeugen übereinstimmend, es habe damals auch keine Gerüchte gegeben. Doch die Zeiten seien auch andere gewesen, meint einer. Der Sprecher der Diözese, Dr. Karl-Georg Michel, schreibt in einer Email an die Rieser Nachrichten: „Seit der am vergangenen Sonntag erfolgten Information der Pfarreiengemeinschaft Nördlingen haben sich weder beim Diözesanbischof, noch bei der Missbrauchsbeauftragten weitere Betroffene gemeldet.“ Sollte es weitere Opfer geben, bitte man sie, sich an den Bischof, die Missbrauchsbeauftragte, die Staatsanwaltschaft oder die Polizei zu wenden.

Paul Erber ist seit Montag im Ruhestand. Wo er sich genau befindet, wissen nur seine Vertrauten. Sie berichten ihm auch vom neuen Vorwurf gegen ihn. Daraufhin meldet sich der Pfarrer per Telefon bei den RN. Man habe sich damals üblicherweise umarmt, sagt er über seine Zeit als Kaplan in Nördlingen. Doch an eine Szene, wie sie Keßler schildert, könne er sich nicht erinnern: „Da war nichts.“ Zudem sei ihm auch kein Hermann Keßler in diesem Alter bekannt.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren