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Reimlingen

02.06.2020

Neues Baugebiet in Reimlingen: Reithallen-Besitzerin fürchtet um ihre Existenz

Ramona Ziegler, die Besitzerin der Reithalle (links im Bild) befürchtet, dass sie wegen dem auf der Wiese geplanten Mehrfamilienhaus nicht mehr so mit den Pferden arbeiten kann, wie sie das bisher konnte.
Bild: Matthias Link

Plus Gemeinderat beschließt Bebauungsplan für Areal neben der Reithalle. Die Eigentümerin ist besorgt.

Der Gemeinderat Reimlingen traf sich vergangenen Donnerstagabend zur Sitzung in der Kulturetage des Schlosses. Dabei wurde der Bebauungsplan „’Walserhaus’, 1. Änderung und Erweiterung“ diskutiert und anschließend mit einer Mehrheit von zwölf Stimmen und einer Gegenstimme beschlossen. Der Baugrund befindet sich, wenn man auf dem Radweg von Nördlingen her kommt, am Ortseingang auf der rechten Seite, hinter den Pferdekoppeln und zwischen Reiterhof und Dorfrand gelegen. Bürgermeister Jürgen Leberle erklärte zur Änderung des Bebauungsplans, dass ein Mindestabstand zum benachbarten Reiterhof eingehalten werden müsse und deshalb das Baufenster zusätzlich um zwei Meter wegrücken müsse. Die Baufläche der Erweiterung betrage 7675 Quadratmeter, es sei dort ein Mischgebiet geplant, wenngleich es keine konkreten Pläne für eine Gewerbeansiedlung gebe. Überhaupt wisse man noch nicht, wer diese Baufenster einmal kaufen werde, so Leberle.

Gemeinderat Michael Künzler äußerte Bedenken, dass das 300 Jahre alte und denkmalgeschützte Walserhaus von den Neubauten überragt werden könnte. Er wolle nicht, dass diese altgewohnte Dorfansicht verloren gehe. Bürgermeister Leberle gab hierzu Entwarnung: Die Neubauten würden nicht an die Firsthöhe des Walserhauses heranreichen, die Bauvorgaben stünden dem entgegen.

Zwanzig Meter liegen zwischen Reithalle und neuer Bebauung

Konkret sieht der Bebauungsplan Folgendes vor: Im mittleren Teil sind sechs oder sieben Einfamilienhäuser geplant, daneben ein bis zwei Doppelhäuser und in dem Bereich, der an die Reithalle angrenzt, ein etwa 16 Meter breites, zweigeschossiges Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen und Tiefgarage. Der Abstand zwischen dem Mehrfamilienhaus und der Reithalle betrage schätzungsweise zwanzig Meter, eventuell auch mehr, je nach tatsächlicher späterer Bebauung, sagt Leberle. Er verweist auf eine vorab eingeholte Stellungnahme des Landratsamts, wonach der Bebauungsplan den Vorgaben des Emissionsschutzes entsprechen würde.

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Die Besitzerin der Reithalle ist jedoch in großer Sorge. Ramona Ziegler, 30 Jahre alt, hat den Reitstall erst letztes Jahr gekauft, im August ist sie nach Reimlingen zugezogen. „Ich mache mir Sorgen um meine Existenz, dass ich weiterhin so arbeiten kann wie bisher.“ Sie befürchtet konkret, dass der Lärm der Bauarbeiten und später der Lärm der Bewohner des Mehrfamilienhauses dazu führen werde, dass ihre Pferde scheuen und vermehrt Unfälle passieren könnten. Pferde seien schließlich Fluchttiere, sagt sie. „Ich gebe Kindern Reitunterricht und arbeite selber mit Jungpferden, die noch leichter scheuen. Ich habe Angst, dass den Kindern oder mir etwas passieren könnte, wenn die Pferde scheuen, und dass die Jungpferde schlechte Erfahrungen machen könnten“, sagt Ziegler. Hinzu komme, dass sie auch an Sonn- und Feiertagen bis 20 Uhr arbeite – gelegentlich auch länger, auch mit ihrem Traktor. Sie sorgt sich um das nachbarschaftliche Verhältnis; dass die späteren Bewohner das auch als störend empfinden könnten und Ärger womöglich vorprogrammiert sei.

Der Investor verteidigt sein Projekt

Der Investor, der das Grundstück bebaut, ist die Firma Beyhl aus Auhausen. Geschäftsführer Georg Beyhl sagt, verdichtet zu bauen, werde heutzutage zwar von vielen gefordert, um nicht soviel Fläche zu verbrauchen, aber wenn es dann vor der eigenen Haustür wäre, seien die Leute dagegen. Das sei so ähnlich wie mit den Windkrafträdern, meint er. Bezüglich des Emissionsschutzes verweist auch er auf das Landratsamt: „Wir halten alle gesetzlichen Vorgaben ein.“ Da der Gemeinderat die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen und ihn gebilligt hat, wird er zur Öffentlichkeitsbeteiligung ausgelegt, sodass die Anwohner und die Träger öffentlicher Belange Einwände vorbringen können.

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