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Nördlingen

27.11.2017

Nichts als die Wahrheit

Michael Altinger gastierte mit seinem Programm „Hell“ im Nördlinger Klösterle.
Bild: Kutscherauer

Michael Altinger zeigt in seinem Programm „Hell“ im Klösterle, wie man „alternative Fakten“ schafft.

Der „Kategorische Imperativ“ nach Immanuel Kant soll den Menschen zu gutem und edlem Handeln bewegen – so jedenfalls haben wir es in der Schule gelernt. Der Kabarettist Michael Altinger, der mit seinem aktuellen Programm „Hell“ am vergangenen Wochenende im Nördlinger Stadtsaal Klösterle gastierte, sieht bei vielen Zeitgenossen stattdessen einen gewissen Egoismus ausgeprägt: „Handle so, dass dein Thailand-Urlaub dabei rausspringt!“

Zunächst geht Altinger mit den Auswüchsen unserer modernen Gesellschaft ins Gericht: Wer heutzutage was auf sich hält, leistet sich eine Putzfrau – auch wenn er dafür selber putzen gehen muss. Besaß man früher einen Fernsehschrank, ist heute der Fernseher so groß wie ein Schrank. Auch ist es zwar schwer zu verstehen, wenn die Menschen mit Stangen auf Surfbrettern balancieren oder ausgepresste Gartenabfälle trinken – doch Stand-Up-Paddling und grüne Smoothies stehen einfach hoch im Kurs. Messerscharf schließt der Kabarettist, dass so viel Dummheit kein Zufall sein kann und wittert dahinter die Weltverschwörung einer Geheimloge. Rädelsführer ist ein gewisser Helmut Lux, der „Erfinder der Gabionen“, der bereits vor einiger Zeit „Leute dazu gebracht hat, mit Skistecken durch den Wald zu laufen“. Beispiele für die Entgleisungen des Zeitgeists findet Altinger gerade genug: Bachblütentherapie und Tantra-Sex, intimrasierte Väter und Toiletten mit Glasschiebetüren.

Als roter Faden zieht sich die Abwicklung eines simplen Autounfalls mit Blechschaden durchs Programm. „Nichts als die Wahrheit“, lautet sein Motto, denn selbstverständlich gilt der Kant’sche Imperativ auch für einen Unfallbericht: „Von nichts und niemandem lasse ich mich zu Niederem verleiten!“ Doch was ist, wenn sich der Unfallgegner einen Ferrari als Leihwagen nimmt? Und wenn unter günstigen Umständen auch auf dem eigenen Konto ein hübsches Sümmchen landen könnte? Da lassen sich bestimmt Zeugen und Gutachter finden – es müssen eben „alternative Fakten“ geschaffen werden …

Altinger: „Hell“ ist ein spritziges, humorvolles und trotzdem kritisches Programm

Michael Altinger präsentiert mit „Hell“ ein spritziges, humorvolles und trotzdem kritisches Programm, in dem er Gesellschaft und Zeitgeist ordentlich auf die Finger klopft. Dabei profitiert der sympathische Temperamentsbolzen mit dem lustigen Knautschgesicht von seiner positiven Ausstrahlung, seinem jugendlichen Charme und seinem komödiantischen Talent – etwa wenn er einen Prolo nachäfft („Ey Alder“) oder einen reservierten Tisch beim Thailänder abbestellt. Und so manche politisch inkorrekte Pointe ist wohl gesetzt: „Prometheus hat das Feuer geschaffen, obwohl er Grieche war – und ohne einen Cent von der EU!“

Allerdings neigt Altinger mitunter dazu, satirische Überhöhungen zu überziehen, was diesen ihre Schärfe nimmt oder sie gar auf Comedy-Niveau abgleiten lässt. Und bisweilen erschweren rasante inhaltliche Sprünge es auch dem konzentrierten Besucher, die verschiedenen Themenstränge zu verknüpfen. Was jedoch das insgesamt gute und sehenswerte Programm – man muss es leider so deutlich sagen – regelrecht abwertet, sind die zahlreichen Gesangsnummern. Davon sind nur wenige wirklich originell, der Rest ist inhaltlich unpassend und/oder musikalisch schwach.

Davon abgesehen hatten die gut 150 Zuschauer im Klösterle ihren Spaß bei einem unterhaltsamen Kabarett-Abend. So gab es reichlich Beifall am Ende der Show, sodass Michael Altinger noch zwei Nummern als Zugabe draufpackte.

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