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Ehrenamt

03.08.2019

Nie wieder Autocross Ziswingen?

Im vergangenen Jahr hat der Auto Cross Club Ries noch ein Rennen veranstaltet. Dieses Jahr gibt es keines.
Bild: ACCR

Weil die Helfer fehlen, wird es heuer keine Rennveranstaltung im Ries geben. Auch Fußballvereine haben immer größere Probleme, Ehrenamtliche zu finden.

Im vergangenen August sind noch 75 Fahrzeuge beim Autocross in Ziswingen an den Start gegangen. Die Fahrer boten den Zuschauern ein spannendes Spektakel. Dieses Jahr fällt das Rennen aus. Der Grund: Es fehlen die Helfer. Stefan Clausner, der Vorsitzende des veranstaltenden Auto Cross Club Ries (ACCR), sagt, dass der Verein bereits in den vergangenen zwei Jahren Probleme hatte, Ehrenamtliche zu finden.

Man habe auch schon Listen herumgegeben, damit sich die Mitglieder für Helferdienste eintragen können. Das habe ein Jahr funktioniert, dann nicht mehr. Der Verein habe rund 100 Mitglieder, bei der Autocross–Veranstaltung mithelfen würden jedoch nur 15.

Zu wenige Helfer machen die Organisation beinahe unmöglich

Clausner organisiert die Rennen seit fünf Jahren. Im Autocross-Sport ist er seit 18 Jahren aktiv. Vor dem Heimrennen in Ziswingen hat er sich immer zwei Wochen Urlaub genommen, um zum Beispiel Termine beim Landratsamt oder mit der Feuerwehr wahrnehmen zu können. „Das macht mir nichts aus, ich mache das gerne“, sagt er. Er erwarte auch nicht, dass sich andere Helfer ebenfalls so lange Urlaub nehmen. Nur sei es unmöglich, am Montag nach der Veranstaltung mit nur fünf Helfern abzubauen. Es müssten zum Beispiel das Zelt, aber auch Kabel und Strohballen abgebaut werden. Dafür seien mehr Ehrenamtliche nötig. Viele ältere Vereinsmitglieder, die das Rennen vor mehr als 30 Jahren ins Leben gerufen haben, würden außerdem fragen, warum sie immer noch die Veranstaltung mitorganisieren müssen und sich jüngere Mitglieder nicht engagieren. Es gebe einige Fahrer, die zwar am Rennen teilnehmen, jedoch nicht mithelfen wollen, sagt der Vorsitzende. Das Argument „keine Zeit“ lässt er dabei nicht gelten: Wer helfen möchte, schaffe das auch, sagt er. Der Termin für das Autocross-Rennen – normalerweise das dritte Wochenende im August – werde immer Anfang des Jahres bekannt gegeben. Somit könne man einen Tag mithelfen eigentlich einplanen. Wenn pro Tag 20 Mitglieder mithelfen würden, sei das Rennen gut durchführbar.

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Ein weiteres Problem sei, dass der Verein wenig Nachwuchs habe, so der Vorsitzende. Das läge vor allem daran, dass Autocross – zum Beispiel im Vergleich zu Fußball – ein sehr teurer Sport sei. Ein Auto koste mehrere tausend Euro. Wenn die Familie nicht schon beim Autocross aktiv sei, sei es deshalb schwieriger dort einzusteigen, meint Clausner. Zudem habe der Verein keine feste Strecke. Somit können Mitglieder meist nur zwei Mal im Jahr im Umkreis von 50 Kilometer ein Training oder ein Rennen fahren. Für die Autocross-Veranstaltungen nutzt der Verein immer ein abgeerntetes Feld, das von einem Bauern gepachtet wird.

Für Clausner ist die fehlende Hilfsbereitschaft kein Gesellschaftsproblem. Es gebe schon Leute, die zum Beispiel immer mit zu Rennen fahren. „Es fehlt einfach die Muse zu sagen: Komm wir packen das wieder an und ziehen das jetzt durch“, sagt er.

Der TSV Hainsfarth sucht nach Freiwilligen

Nicht nur im Autosport, auch im Fußball fehlen immer mehr Ehrenamtliche. Diese Erfahrung macht unter anderem der TSV Hainsfarth. In den vergangenen fünf bis sechs Jahren sei erkennbar gewesen, dass es sowohl weniger Mitglieder gebe, aber auch, dass die Bereitschaft zu helfen zurückgehe, sagt ein Vorstandsmitglied. Das mache sich unter anderem bei den Jugendmannschaften bemerkbar.

Auch bei Festen sei es immer schwerer, Menschen zu finden, die mithelfen, berichtet das Vorstandsmitglied. Im Schnitt gebe es einen „harten Kern“ von rund zwölf Menschen und zusätzlich noch 20 bis 30 freiwillige Helfer. Der Verein habe die Feier zum 70-jährigen Bestehen im Juli deshalb eher kleiner und familiärer geplant.

Der Grund: Man habe den ehrenamtlichen Helfern nicht so viele Stunden Arbeit auflasten wollen. Der Trend gehe dahin, dass die Menschen zwar gerne zum feiern kommen, aber nicht die Verantwortung übernehmen wollen. Das Vorstandsmitglied rechnet deshalb damit, dass sich in Zukunft immer mehr Vereine bei Feiern einschränken müssen.

Und wie geht es beim Auto Cross Club Ries weiter? War das 30. Rennen im vergangenen Jahr die letzte Autocross-Veranstaltung im Ries? Clausner ist skeptisch, ob es 2020 eine Fortsetzung gibt. Die Vorbereitungen für das Rennen müssten schon bald beginnen. Der Verein werde deshalb demnächst über ein mögliches Rennen sprechen.

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