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Gedenkfeier

24.02.2015

Noch immer sprachlos

Bürgermeisterin Petra Wagner und Vertreter der Oettinger Reservistenkameradschaft legten auf dem Ehrenfeld des Friedhofes einen Kranz zum Gedenken an die vielen Oettinger, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen, nieder. Zuvor hatte man in der Kapelle der schrecklichen Geschehnisse vor 70 Jahren gedacht.
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Bürgermeisterin Petra Wagner und Vertreter der Oettinger Reservistenkameradschaft legten auf dem Ehrenfeld des Friedhofes einen Kranz zum Gedenken an die vielen Oettinger, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen, nieder. Zuvor hatte man in der Kapelle der schrecklichen Geschehnisse vor 70 Jahren gedacht.
Bild: Jim Benninger

Oettingen fragt sich 70 Jahre nach dem verheerenden Bombenangriff, wann die Menschen lernen, in Frieden zu leben

Von Jim Benninger

Oettingen Am Montagabend war der Weg durch den Oettinger Friedhof zur Kapelle mit vielen roten Kerzen beleuchtet und auf dem Ehrenfeld standen Fahnenabordnungen im Fackelschein. Die örtliche Soldaten- und Reservistenkameradschaft gestaltete eine beeindruckende Gedenkfeier, zur Erinnerung an die schrecklichste Katastrophe, die das kleine Städtchen getroffen hatte.

Zum 70. Male jährte sich der Angriff 48 alliierter Bomber, die am 23. Februar 1945 mit rund 500 Bomben 300 Gebäude der Stadt zerstörten, wobei nahezu 200 Menschen, vor allem Ältere, Frauen und Kinder ums Leben kamen (wir berichteten). Bei mehreren Veranstaltungen wurde am Montag daran erinnert, angefangen mit einer Mittagsmesse der katholischen Kirchengemeinde mit Stadtpfarrer Ulrich Manz in der Leonhardskapelle an der Wörnitzbrücke. Zudem läuteten von 12.30 bis 12.45 Uhr, der Zeit des damaligen Angriffs, die Glocken von St. Sebastian und St. Jakob. Und nach der Feier im Friedhof kamen noch viele Teilnehmer ins Heimatmuseum um sich bei einem heißen Getränk die eindrucksvolle Ausstellung „1945 – Oettingen vor 70 Jahren“ anzuschauen. Diese ist bis zum 23. März zu sehen.

In der Friedhofkapelle hielt Dekan Armin Diener einen Gedenkgottesdienst mit ergreifender Musik und Liedern der vielen Gedenkenden. „Wir sind immer noch sprachlos, was Menschen sich antun können“, so der Dekan über damals wie heute. Bilder der Zerstörung, 1945 aufgenommen vom Fotografen Josef Fischer, und Augenzeugenberichte, gesprochen von Oettinger Bürgern, riefen die schlimmen Ereignisse ins Gedächtnis. 1945 war der „totale“ Krieg der Nazis nach Deutschland zurückgekehrt und alliierte Bomber legten große und kleinere Städte in Schutt und Asche. Waren dabei die meisten Zerstörungen geplant, so war die Bombardierung Oettingens mehr oder weniger Zufall. Denn nachdem sich damals Bamberg und weitere Städte unter einer dichten Wolkendecke versteckten, entschlossen sich die Flugzeugführer spontan, in Richtung Süden abzudrehen und ihre todbringende Fracht auf besser zu sehende Städte abzuladen. Das waren neben der alten Fürstenstadt auch kleinere Nachbarstädte wie Crailsheim oder Treuchtlingen, wo sogar noch mehr Menschen starben.

Josef Ruhland, Vorsitzender der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, übergab an Dekan Diener ein Kreuz, geschweißt aus damaligen Bombensplittern. Die hatte Werner Paa in der Vorstadt gesammelt, damals vor allem Ziel des schrecklichen Angriffs. Das außergewöhnliche Kunstwerk soll nun in der Kapelle seinen festen Platz erhalten.

Abschließend gedachte Bürgermeisterin Petra Wagner bei einer Kranzniederlegung auf dem Ehrenfeld der Toten des Fliegerangriffs, aber auch der vielen weiteren Toten des Zweiten Weltkriegs. „Es ist ein Tag des Erinnerns an das, was Menschen in Oettingen erleiden mussten“, so die Bürgermeisterin, und weil auch in der heutigen Zeit noch viele Kriege tobten, müsse man weiter lernen, miteinander in Frieden leben zu können, so Petra Wagner.

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