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Literatur

29.01.2020

Nördlingen soll einen Stadtschreiber bekommen

Im Rathaus befindet sich ein Stipendiatenzimmer.

Plus Ein Autor soll eine Zeit lang in der Stadt leben. Warum ein Stadtrat ein Zimmer im Rathausturm vorschlägt.

Vor knapp 500 Jahren, in der Zeit nach der Reformation, schuf die Stadt Nördlingen die Stipendiatenpflege. Man brauchte Theologen, erklärt Dr. Wilfried Sponsel, und evangelisch predigen sollten sie noch dazu – schließlich war das die neue Konfession der Stadt. Also schickte man junge Studenten von Nördlingen nach Tübingen, Wittenberg oder Jena, damit sie als Theologen zurückkehrten. Die Unterlagen verstaute man in einem Raum im höchsten Turm des Nördlinger Rathauses: im Stipendiatenzimmer.

Fast ein halbes Jahrtausend später kam man im Nördlinger Rathaus auf diesen Raum zu sprechen, und wieder machte man sich im weiteren Sinne Gedanken über junge Leute und deren Bildung. Die Stadt will einen Stadtschreiber engagieren, wie der Hauptausschuss am Dienstagabend einstimmig beschloss. Der soll für eine gewisse Zeit, möglichst drei Monate, in Nördlingen wohnen, Schulen und Kindergärten besuchen, Kindern und Jugendlichen das Lesen und Schreiben näherbringen – und vielleicht fließt Nördlingen ja auch schließlich in ein Buch ein, so erhofft man sich.

1000 bis 1500 Silbermünzen, äh, Euro soll er monatlich erhalten. Und eine Wohnung: Da schlug eines der Ausschussmitglieder scherzhaft vor, dafür könne man doch das Stipendiatenzimmer hernehmen.

Nördlingen soll einen Stadtschreiber bekommen

Eine interessante Idee, sagt Buchhändler Ralf Lehmann, der den Einfall für das Projekt hatte und es mit Rudi Scherer von der Stadt Nördlingen umsetzen will. Aber natürlich müsse man sich nach den Bedürfnissen des Autoren richten – auch ein Besuch seiner Familie müsse möglich sein, sofern er denn eine habe.

Eine originelle Unterkunft sei aber wünschenswert, schließlich wolle man sich ja grundsätzlich von den Stadtschreibern anderer Städte abheben und öffentliches Interesse erregen. Nach Lehmanns Kenntnis wäre das Projekt in Nördlingen das einzige, das sich auf Kinder- und Jugendbuchautoren beschränkt.

Lehmann sieht das Projekt als Möglichkeit, Kinder und Jugendliche in der Kernstadt und den Ortsteilen zum Lesen anzuregen. Das große Nachfrage bestehe, habe er bei den drei Rieser Sommer-Lesefesten erlebt, die er ebenfalls organisierte. Mit dem Stadtschreiber könnten die Kinder und Jugendlichen mehr über den Alltag eines Schriftstellers erfahren und in Schreibwerkstätten vielleicht eigene Texte gestalten – die wiederum veröffentlicht werden könnten.

Als nächsten Schritt möchten Lehmann und Scherer an Verlage herantreten, um mögliche Autoren eine Bewerbung anzubieten. „Wir wollen das Projekt nicht ausschreiben, weil uns wohl eine Welle von Bewerbungen erwarten würde.“ Eine solche Zusammenarbeite biete der Stadt nicht nur ein kulturelles Angebot und könne überregionales Interesse erregen, es sei auch eine Möglichkeit für Autoren, einen neuen Ort kennenzulernen und neben den geplanten Aktivitäten in Ruhe an einem Buch weiterzuarbeiten – also auch eine Art Stipendium, wie es die angehenden Theologen vor hunderten Jahren erhielten.

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