1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Nördlinger Dekan missbrauchte jahrelang einen Jungen

Nördlingen

20.11.2017

Nördlinger Dekan missbrauchte jahrelang einen Jungen

Die Kirche St. Salvator in Nördlingen: Der Nördlinger Stadtpfarrer und Dekan Paul Erber hat zugegeben, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben.
Bild: Dieter Mack (Symbolbild)

Der Nördlinger Stadtpfarrer und Dekan Paul Erber hat gestanden, einen Jungen über Jahre missbraucht zu haben. Nun wurden weitere Einzelheiten zu dem Fall bekannt.

Die schockierende Nachricht dieses Sonntags können viele Rieser und Weggefährten des in den Ruhestand versetzten Stadtpfarrers Paul Erber noch immer nicht begreifen. Erber hat zugegeben, einen Minderjährigen in einer seiner früheren Wirkungsstätten sexuell missbraucht zu haben. Die Tat ist einem Brief des Bischofs Dr. Konrad Zdarsa zufolge erst im November bekannt geworden. All das ist den Gläubigen in Nördlingen vor dem Sonntagsgottesdienst aus dem Brief des Bischofs vorgelesen worden.

Nun ist bekannt, was konkret vorgefallen sein soll. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen, Thomas Hörmann, auf Nachfrage unserer Redaktion sagt, hat das Opfer angegeben, dass Erber ihn zwischen 1983 und 1988 mehrfach "oberhalb der Kleidung" berührt haben soll, so die Formulierung der Staatsanwaltschaft. Soll heißen, der Junge war bekleidet.

Es handelt sich nach weiteren Angaben der Staatsanwaltschaft nicht um schweren sexuellen Missbrauch, also nicht um Geschlechtsverkehr, sondern um sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Ob Erber den Jungen in den Räumen des Maristenkollegs in Mindelheim angefasst haben soll oder außerhalb der Schule und des Internats, ist nach Auskunft des Bistums bislang nicht bekannt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Nördlinger Dekan missbrauchte Jungen: Tat ist mittlerweile verjährt

Der Bub soll im Tatzeitraum über 14 Jahre alt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die Straftat inzwischen verjährt ist. Die Frist liege in diesem Fall bei zehn Jahren. Von Amtswegen her kann die Staatsanwaltschaft den Fall also nicht mehr verfolgen. Wie Sprecher Thomas Hörmann aber mitteilt, wird es allerdings Umfeldermittlungen geben.

Seit Montag ist Erber von seinem Amt entpflichtet. Der Wallersteiner Pfarrer Jürgen Eichler, bis Sonntag Prodekan, übernimmt kommissarisch die Stelle des Dekans. Der Oettinger Stadtpfarrer, Dr. Ulrich Manz, soll die vakante Stelle besetzen, die Eichler zurücklässt.

Welche Strafe den 68-Jährigen damals erwartet hätte, lässt sich unter den noch teilweise unklaren Umständen nicht genau sagen. Klar ist aber, und das sagt Gerhard Schamann, stellvertretender Direktor am Amtsgericht Nördlingen: „Solche Handlungen werden heute wesentlich gravierender gesehen als damals.“

Opfer fasste erst nach Jahrzehnten den Mut zur Anzeige

Wie die Rieser Nachrichten erfahren haben, soll das Opfer den Fall erst nach Jahrzehnten angezeigt haben, weil es erst jetzt den Mut gefunden habe, um über den Missbrauch zu reden.

Die Diözese plant einen Gesprächsabend, bei dem sich die Gläubigen im Ries austauschen können. Kirchenrechtliche Schritte sollen nach Angaben des Bistums eingeleitet werden. Der Vatikan ist demnach ebenfalls informiert.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren