Newsticker

Donald Trump verkündet Ende der Zusammenarbeit mit der WHO
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Nördlinger Unternehmen schließt

Wirtschaft

07.04.2020

Nördlinger Unternehmen schließt

Den Mitarbeitern von Thermo Natur wurde Ende März gekündigt. Der Ritter-Sport-Eigentümer Alfred Ritter ist Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens.

Plus Die Mitarbeiter von Thermo-Natur bekommen mitten in der Corona-Krise die Kündigung.

Der Mitarbeiter der Firma Thermo Natur war geschockt, als er am letzten Märzwochenende ein Schreiben seines Arbeitgebers aus dem Briefkasten holte und öffnete. Es war eine Kündigung. Diejenigen der 50 Mitarbeiter, die noch im Betrieb arbeiteten, erhielten sie vor Ort, der Rest ebenfalls per Post.

Nach Angaben des Mitarbeiters kam der Schritt völlig unerwartet. Keine Kurzarbeit, keine Insolvenz, eher zu viele als zu wenige Aufträge. Die Firma stellt hauptsächlich Dämmstoffe aus Naturprodukten her. Probleme habe es hier und da gegeben, aber dass das Unternehmen an der Industriestraße schließt und der Arbeitsplatz verloren ist, mitten in der Corona-Krise, damit habe niemand gerechnet.

Derjenige, der die Briefe hat verschicken lassen, ringt am Telefon hörbar um Fassung. „Das ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt“, sagt Kurt Hogh, Geschäftsführer der Firma Thermo Natur. Aber dass das Ende der Firma klar wird, während ein Virus die ganze Welt heimsucht, das habe man nicht ahnen können. „Wir haben mit allen Mitteln versucht, das zu verhindern.“

Nördlinger Unternehmen schließt

Eigentümer von Ritter Sport stieg ein

Der Geschäftsführer kam vor etwa sieben Jahren nach Nördlingen. Einige Zeit zuvor war Alfred Theodor Ritter, Eigentümer des gleichnamigen Schokoladenherstellers, als Gesellschafter in die Firma eingestiegen. Mittlerweile hält er die Mehrheit daran, immer wieder hat er Geld zugeschossen. „Sonst hätten wir schon vor Jahren schließen müssen“, sagt Hogh. Er hatte schon vorher für Ritter-Sport im baden-württembergischen Waldenbuch gearbeitet. Die Nördlinger Firma war hoch verschuldet. Eigentlich habe er nicht kommen wollen, aber Ritter habe darauf bestanden. Eine Insolvenz, um die Schulden loszuwerden, habe der Unternehmer abgelehnt. Hogh und seine Nördlinger Mitarbeiter mussten sie abbezahlen.

Der Geschäftsführer entwickelte ein neues Produkt: Jutesäcke, in denen Kakaobohnen von den Ursprungsländern nach Europa verschifft werden, wurden neben Hanf fortan im Nördlinger Werk zu Dämmmaterial verarbeitet. Knapp 3000 Tonnen waren es bislang. Normalerweise werden sie verbrannt. 2017 sei das erste gute Jahr gewesen, die Gesellschafter hätten sogar 300 000 Euro investiert. 2018 aber begannen die großen Probleme.

„Unsere Anlage stammt aus den 1990er-Jahren und ist ständig ausgefallen, teilweise wochenlang.“ Der Krankenstand sei hoch und steige nun noch weiter, häufig hätten selbst die Fachleute gefehlt, sodass externe Spezialisten sich um die Maschinen kümmern mussten. Kunden konnten nicht rechtzeitig beliefert werden, Ende des Jahres 2018 war das Geld bereits knapp.

Kurz vor Weihnachten nochmal investiert

2019 ging so weiter. Kurz vor Weihnachten investierten die Eigentümer Hogh zufolge 250 000 Euro in das Werk. Eigentlich bräuchte man aber ein neues, um wirtschaftlich arbeiten zu können. „Alfred Ritter hat mir gesagt, dass er das nicht alleine bezahlen kann.“ Ein Experte sollte einen weiteren Investor finden. Doch es fand sich niemand. Der Preisdruck sei enorm. Ein mächtiger Wettbewerber produziere in Osteuropa mit einem Drittel der Lohnkosten. Im Januar und Februar habe sich keine Besserung gezeigt, sodass Hogh Anfang März die Anweisung erhalten habe, den Betrieb zu schließen. „Außendienst und Produktion stellen Ende April, Logistik und Verwaltung Ende Mai den Betrieb ein.“

Keine Abfindung für die Mitarbeiter

Ein weiterer Mitarbeiter ist empört vom Vorgehen des Unternehmens. Die Belegschaft habe nichts von den Problemen des Unternehmens gewusst. Die Mitarbeiter hätten oft gewechselt, größere Industriebetriebe würden besser zahlen. Aber dass die Firma schließt, sei völlig überraschend. Einen Betriebsrat gebe es nicht. „Ich hoffe, dass sich irgendjemand für uns Mitarbeiter einsetzt.“ Die Mitarbeiter bekämen keine Abfindung.

Hogh sieht dafür keinen Anlass. „Alle Löhne und Gehälter werden entsprechend den Kündigungsfristen weiterbezahlt. Das ist bei manchen Mitarbeitern bis September“, sagt er. Rückblickend wäre es vielleicht besser gewesen, den Betrieb früher zu schließen, sagt er. Dann wären die Chancen seiner Mitarbeiter besser gewesen, schnell einen Arbeitsplatz zu finden, sagt Hogh. „Wir konnten uns nicht vorstellen, dass sich unser Produkt nicht durchsetzt. Wir haben uns getäuscht und das tut furchtbar weh.“


Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren