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Stadtentwicklung

21.01.2020

Nördlinger kritisieren geplantes Egerviertel

Alle Plätze waren belegt, viele Besucher mussten stehen: Die Bürgerinformationsveranstaltung in der Alten Schranne zum geplanten Egerviertel stieß auf großes Interesse. Zahlreiche Nördlinger kritisierten die Planungen.
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Alle Plätze waren belegt, viele Besucher mussten stehen: Die Bürgerinformationsveranstaltung in der Alten Schranne zum geplanten Egerviertel stieß auf großes Interesse. Zahlreiche Nördlinger kritisierten die Planungen.
Foto: Szilvia Izsò

Plus Bei einer Bürgerinformationsveranstaltung in der Alten Schranne stellen Reiner Schlientz und Stephan Deurer das Projekt vor. Die Anwohner ärgern sich massiv. Was ein Gutachter zur Stadtmauer sagt.

Die Diskussion um das geplante Egerviertel war schon in vollem Gange und Werner Luther hatte sich gedulden müssen, bevor er endlich das Mikrofon überreicht bekam. Als er zu sprechen begann, wurde es ruhig im proppenvollen Saal der Alten Schranne. Er sei ein direkter Anwohner des geplanten Egerviertels, zudem seit 35 Jahren Bauunternehmer, stellte sich Luther vor. Und grundsätzlich begrüße er auch, dass sich auf der Brachfläche – dem ehemaligen Ankergelände – etwas tue. Doch einige Punkte seien ihm aufgefallen.

Da wäre zum einen die Tiefgarage, mit der man gravierend in die Grundwasserverhältnisse eingreife. Noch nach Jahren könnten Schäden auftreten, das habe man in Nördlingen beim Klösterle und beim Finanzamt gesehen. Die Kindertageseinrichtung sei zudem völlig deplatziert, meinte Luther. Sie bedeute eine Verdoppelung des Verkehrsaufkommens – und das bei einer Ein-Bahn-Situation an der Baldinger Mauer. Und nicht zuletzt sei die Bebauung extrem verdichtet, man benötige Ausnahmen von der erst kürzlich neu beschlossenen Altstadtsatzung: „Gilt hier ein anderes Recht als für andere Bürger?“

Lob gab es für das Nördlinger Egerviertel nur am Rande

Mehr oder minder fasste Luther damit die Kritik zusammen, die seine Vorredner bereits formuliert hatten. Denn Lob gab es für das geplante Egerviertel bei der Bürgerinformationsveranstaltung am Montagabend nur am Rande. Stattdessen fiel sogar die Bezeichnung „Getto“ für das neue Quartier. Bauunternehmer Dieter Arlt kritisierte die geplanten drei hohen Giebel an der Stadtmauer. Anwohner monierten, dass an ihrem Haus noch keine Beweissicherung durchgeführt worden sei.

Diese Grafik zeigt das geplante Egerviertel aus der Vogelperspektive. Gut zu sehen ist links der Spielplatz im Graben, den sowohl die Kinder der Kita und des Hortes, als auch Bürger nutzen können.

Mehrfach wurde die Verkehrssituation angesprochen: Ein Besucher wollte wissen, wo die Eltern parken sollen, die ihre Kinder in die auf dem Gelände geplante Kindertageseinrichtung bringen. Stephan Deurer – er leitet das Unternehmen Eco Residential, das das Egerviertel mit der Familie Haag realisieren will – antwortete, dass beim ihm, in Augsburg, ein Großteil der Eltern den Nachwuchs zu Fuß oder mit dem Fahrrad in solche Einrichtungen bringe.

Faul rechnet mit 75 Fahrzeugen am Tag

In der Alten Schranne erntete er für diese Aussage Gelächter. Deurer blieb dabei – zumal es, als die Brauerei noch betrieben worden sei, Schwerlastverkehr in diesem Bereich gegeben habe. Oberbürgermeister Hermann Faul betonte, die Hortkinder würden von der Grundschule zum Egerviertel laufen. In der Krippe seien 24 Kinder, dazu die Kindergartenkinder – er rechne mit 75 Fahrzeugen am Tag. Auch eine Vertreterin der geplanten Kindertageseinrichtung meldet sich zu Wort. Dass Luther vorgeschlagen hatte, die Kita in der „Peripherie“ anzusiedeln, treffe sie. Die Diskussion, ob die Einrichtung an dieser Stelle sein dürfe, sei falsch: „Was wir überlegen müssen, sind ordentliche Strategien für ein Hol- und Bringkonzept.“

Begonnen hatte die Veranstaltung mit einer Einführung von Oberbürgermeister Faul. Eine Brache in der Stadt wiederzubeleben, sei im Sinne aller. Nördlingen brauche bis 2030 rund 700 zusätzliche Wohnungen, sagte er. Faul erwähnte auch die Kritik an dem Projekt, jetzt müsse man abwägen. Architekt Reiner Schlientz stellte die Planungen vor (wir berichteten). Die Einfahrt in die Tiefgarage soll sich an der Baldinger Mauer befinden, die Ausfahrt an der Ankergasse. Schlientz verwies darauf, dass es bereits neun Tiefgaragen in der Innenstadt gebe.

Mehrere Gutachter stellen ihre Ergebnisse vor

Anschließend stellten mehrere Gutachter ihre Ergebnisse vor: Beate Herz vom Ingenieurbüro Godts hatte sich um Natur- beziehungsweise Artenschutz gekümmert. Eine große Fichte im Eingangsbereich zum Stadtgraben-Grundstück, auf dem ein Spielplatz entstehen soll, müsse stehen bleiben – dort sei ein Horst entdeckt worden. Jennifer Hartl vom TÜV Süd referierte zum Thema Lärm. Dirk Kopperschläger vom Ingenieurbüro Brenner stellte das Verkehrsgutachten vor. Demnach steigt die Zahl der Fahrten im nördlichen Bereich der Baldinger Mauer um rund 400, im südlichen nur um 20, in der Ankergasse um 390.

Die Baugrunduntersuchung hatte das Büro HPC übernommen. Dr. Oliver Kemmesies sagte, das Grundwasser komme nach 2,20 bis drei Metern. Deshalb müsse man eine Baugrube mittels einer versetzten Bohrpfahlwand bauen, die dicht sei. Sofern diese Wand im Boden bleibe, könne man das Grundwasser mit einem System umleiten.

Die Stadtmauer in Nördlingen könne sich laut Weingart senken oder neigen

Klaus Weingart von Kempfert und Partner widmete sich der Stadtmauer. Gebaut werde die Tiefgarage in einem Abstand von acht bis zehn Metern zum historischen Bauwerk. Detailliert erläuterte Weingart, wie die Mauer beim Bau geschützt werde. Weingart sagte aber auch: Eine „Beeinflussung“ der Stadtmauer lasse sich nicht „gänzlich vermeiden“. Laut seinen Berechnungen könnte sich das Bauwerk um 1,2 Zentimeter senken und um 0,8 Zentimeter neigen.

Deurer betonte, man wolle alle Informationen transparent zur Verfügung stellen – auch auf der eigenen Homepage. Ein siebenstelliger Betrag sei bereits investiert worden. Man sei in Vorlage gegangen, im Vertrauen, „dass die Politik und die Nördlinger uns folgen“. Eine „tolle Mannschaft“ aus Fachleuten kümmere sich um das Projekt, darunter der Nördlinger Reiner Schlientz. Das Ganze habe aber auch eine wirtschaftliche Seite: „Wir müssen vernünftig klarkommen.“

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