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Geschichte

08.01.2019

Oettingen: Als der Friedhof in der Stadt lag

Petra Ostenrieder

Beim Neujahrsempfang in der Fürstenstadt referiert Dr. Petra Ostenrieder

Nach einer recht optimistischen Neujahrsrede von Bürgermeisterin Petra Wagner konnte man den Festvortrag beim Oettinger Neujahrsempfang nicht gerade in diese Kategorie einordnen. Im Gegenteil: Dr. Petra Ostenrieder, die Leiterin des Heimatmuseums, sprach über die Geschichte der Friedhöfe in der Fürstenstadt. Möglicherweise hat die aktuell anstehende Neugestaltung der städtischen Ruhestätte etwas mit der Themenauswahl zu tun.

Nachfolgend einige Auszüge aus dem Vortrag: In der fürstlich-oetting’schen Leichenordnung aus dem Jahr 1780 ist von zwei Kirchhöfen innerhalb der Stadt die Rede. Einer davon war bei der Sankt Jakobskirche. Die unmittelbare Nähe zum Schloss störte seinerzeit ebenso wenig, wie die nahe Lateinschule. Der Kirchhof war Teil des Alltagslebens und diente gleichzeitig als Schulhof der Lateinschüler – heutzutage undenkbar. Noch drastischer erscheint, dass es keinerlei Berührungsängste gab, wie die Notiz aus dem Jahr 1720 beweist, wonach „Brennholz auf Wägen hineingeführet und abgeworfen und auch öfters von allerhand Leuten Wäsch aufgehängt werde“.

Die Suche nach dem zweiten Kirchhof in der Stadt stellte sich laut Petra Ostenrieder weitaus schwieriger dar. Mit der Erhebung der Wallfahrtskirche Sankt Sebastian an der Hofgasse zur katholischen Pfarrkirche war auch ein neu anzulegender Kirchhof im Gespräch. Ob seinerzeit etwas daraus geworden ist, blieb unklar. Es hieß allerdings, dass ein kleinerer Kirchhof in der unmittelbaren Nähe zur Kirche vorhanden gewesen sei. 1785 war es nach den Recherchen von Petra Ostenrieder allerdings vorbei mit Beisetzungen innerhalb der Stadt. Die Umstellung erschien jedoch weniger problematisch, gab es doch außerhalb der Stadt jenseits der Wörnitz an der damaligen Gunzenhäusener Landstraße einen weiteren Kirchhof. Dieser lag nahe des Kirchleins Sankt Anna, war unter städtischer Verwaltung und wurde von beiden Konfessionen genutzt. Doch auch dieser Friedhof wurde eines Tages zu klein.

Ein neuer musste her. Die israelitische Kultusgemeinde Oettingen machte es vor: Mitte des 19. Jahrhunderts ließ sie an der Straße nach Lehmingen, kurz vor der Abzweigung nach Hundswinkel (heute Siegenhofen), einen eigenen Friedhof bauen. Die letzte Beerdigung dort fand 1940 während des Zweiten Weltkrieges statt.

Das Streben nach einem neuen städtischen Friedhof nahm im Laufe des 19. Jahrhunderts zu. Zur Finanzierung des Vorhabens nutzte man Kredite, weil die finanzielle Lage der Stadt damals schon nicht gerade rosig war. Schließlich gelang es, einen Friedhof in einer „einfachen Version“ in Backsteinarchitektur zwischen dem Hopfengarten und der ehemaligen Ziegelei Dischinger zu realisieren – dem heutigen Standort. Im Laufe der Zeit wurde dieser dann immer wieder erweitert. Heute verfügt er über knapp 1900 Gräber.

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