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Hintergrund

22.11.2018

Oettingen: Die Krone mit Geld vom Bund sanieren?

Was kommt nach der Notsicherung der Krone? Eine Chance will die Stadt Oettingen jetzt wahrnehmen.
Bild: Werner Rensing

Plus Oettingen könnte von einem Förderprogramm profitieren. Die Stadt zieht den Kauf des historischen Gebäudes in Erwägung.

Vor Herausforderungen sind schon viele Eigentümer der Krone gestanden. Vor Harald Seebauer war es die Stadt Oettingen selbst, die mit den anspruchsvollen Sanierungen und Instandhaltungen dieses denkmalgeschützten Gebäudes zu tun hatte. Viele Pächter versuchten es mit der Krone, nicht immer erfolgreich. Sie war nicht immer nur Gasthaus, Hotel und Veranstaltungssaal. Wie in der Chronik (siehe Infokasten) aufgelistet, arbeiteten in dem Haus bereits die Angestellten eines Notariats und eines Gendarmeriepostens. 1989 wurde die Krone sogar geschlossen, nachdem der vierte Pächter in Folge kein Glück hatte. Das Aufatmen war groß, als die Stadt mit Harald Seebauer einen motivierten Wirt finden konnte, der das Gebäude kaufte und als Gasthaus und Hotel fortführte. Die Auflagen des Denkmalschutzes sollten aber auch ihn an seine Grenzen bringen – wie berichtet, ist die Krone geschlossen. Nun aber scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Eine Entscheidung dazu könnte in der heutigen Oettinger Stadtratssitzung ab 18.30 Uhr fallen. Das offene Fenster, von dem Bürgermeisterin Petra Wagner noch vor einigen Tagen bei der Bürgerversammlung in der Kernstadt gesprochen hat, hat sich tatsächlich aufgetan. Einen Investor gibt es zwar noch nicht, dafür aber ein Förderprogramm des Bundes, das im besten Fall die Sanierungskosten des Gebäudes in Höhe von bis zu 90 Prozent bezahlt.

Das Bundesprogramm heißt „Nationale Projekte des Städtebaus“ und wurde 2014 erstmals zur „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ aufgelegt. Für den aktuellen Projektaufruf stehen laut CSU-Bundestagsabgeordnetem Ulrich Lange rund 150 Millionen Euro zur Verfügung. Doch überhaupt den Zuschlag für solch ein Förderprogramm zu erhalten, ist mit komplexen Hürden verbunden. Lange selbst hat das spezielle Programm, für das eine Jury theoretisch auch die Oettinger Krone auswählen könnte, entdeckt. Die Chancen für Oettingen sind ihm zufolge schlecht einzuschätzen. Theoretisch lägen viele Sachverhalte vor, die mit dem Projekt übereinstimmen würden. Voraussetzung ist beispielsweise, dass es einen besonderen städtebaulichen Bezug hat. Die Krone ist das wohl älteste, bürgerliche Gebäude der Stadt (nur kirchliche Bauten sind älter). Mit der Schließung des Kronensaals hat die Stadt auch ihren Stadtsaal verloren.

Außerdem muss das Investitionsvolumen überschritten sein. Wie das Innenministerium im Projektaufruf schreibt, sind „Nationale Projekte des Städtebaus Projekte, mit denen in der Regel Aufgaben und Probleme von erheblicher finanzieller Dimension gelöst werden“. Für die Sanierung der gesamten Krone könnten zehn bis zwölf Millionen Euro veranschlagt werden, sagen Insider. Zudem muss eine Impulswirkung für das Quartier und das Umfeld des Gebäudes ausgehen. Die Krone als stadtprägendes Gebäude mit dem Stadtsaal neben dem Rathaus spricht in diesem Punkt theoretisch für sich.

Laut Lange hat Oettingen gute Chancen

Es gibt also durchaus gute Chancen für Oettingen, wie Lange meint. Euphorie sei aber noch fehl am Platz. Im Bundesvergleich zähle Oettingen nicht zu einer Kommune in finanzieller Notlage, auch wenn es um die Finanzen nicht gerade gut bestellt ist. Bei wichtigen Kriterien wie Machbarkeit, zügige Umsetzbarkeit und Innovationspotenzial müsse man in der Argumentation weit ausholen. Wie Bürgermeisterin Petra Wagner sagt, sei das Förderprogramm eine Chance für Oettingen. Ulrich Lange meint: „Abseits der privaten Investoren muss man diesen Weg jetzt einfach mal versuchen.“ Sollte der Stadtrat in seiner heutigen Sitzung beschließen, dass sich die Stadt für das Förderprogramm bewerben soll, ist Eile geboten. Bewerbungsende ist am 30. November. Weil im Antragsverfahren für das Förderprogramm keine Fehler erlaubt sind und die Bewerbung viel Expertise fordert, ist damit ein Experte beauftragt.

Zu den Gebäuden, die bereits durch den Fonds saniert worden sind, zählt beispielsweise die Sanierung der Klosteranlage St. Michael. Aus statischen Gründen war die Klosterkirche gesperrt. Durch die Sanierung (Förderfähige Kosten bei knapp elf Millionen, Bundesmittel bei rund 5,4 Millionen) wurde die Kirche wieder zugänglich gemacht. Die Klosteranlage zählt zum Unesco-Welterbe und ist mehr als 1000 Jahre alt.

Doch kann ein Gebäude gefördert werden, das gar nicht dem Antragsteller gehört? Oettingens Bürgermeisterin Petra Wagner sagte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: In der ersten Phase müsse die Kommune nicht zwingend der Eigentümer sein. Je nachdem, wie sich die Dinge entwickeln, könne man sich jedoch vorstellen, das Objekt zu erwerben: „Wir ziehen in Erwägung, die Krone zu kaufen.“ Auch, um den „Missstand am Marktplatz“ zu beseitigen. Doch jetzt müsse man erst einmal den ersten Schritt schaffen, dann sehe man weiter.

Besitzer der Krone ist derzeit Harald Seebauer. Er habe noch kein Kaufangebot von der Stadt, sagte er gestern. Seit 1999 habe er nachweislich rund 1,7 Millionen Euro in die Krone gesteckt: „Wir werden nicht um jeden Preis verkaufen.“ Für eine vernetzte Kommune, die Verbindungen beispielsweise in die Staatsregierung habe, gebe es immer Mittel und Wege, um an eine Förderung zu kommen.

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