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Oettingen

04.07.2020

Oettingen: Einwände gegen die Musterhaus-Siedlung

Zwischen der Firma Taglieber (im Hintergrund zu sehen) und dem Wohnviertel am Bahnhofweg in Oettingen entsteht der „Wohn- und Gewerbepark Oettingen“, ein sogenanntes Urbanes Gebiet. Die Firma Taglieber plant auf der Fläche unter anderem eine Musterhaussiedlung.
Bild: Verena Mörzl

Plus In Oettingen entsteht in den nächsten Jahren ein neues Wohn- und Gewerbegebiet. Doch es gibt einige Bedenken von Anliegern zum Großprojekt.

Noch wächst der Mais rund um die Wohnhäuser im Süden der Oettinger Straße „Bahnhofweg“. In nicht allzu weiter Zukunft soll dort in der Nachbarschaft aber unter anderem eine Musterhaussiedlung der Firma Taglieber entstehen. Für die neuartige Städtebauform „Urbanes Gebiet“ – laut Planer im Landkreis bislang einzigartig – hat die Stadt Oettingen einen Bebauungsplan aufgestellt (wir berichteten). Der Satzungsbeschluss ließ allerdings auf sich warten. Denn die Anlieger haben einige Einwände gegen das Projekt vorgebracht.

Bürgermeister Thomas Heydecker informierte den Oettinger Stadtrat in der Sitzung am Donnerstagabend darüber, dass acht Bürger Einwände erhoben hätten. Die meisten von ihnen seien Anlieger der geplanten Musterhaussiedlung, er habe sich bereits zweimal mit ihnen ausgetauscht. Er fasste zusammen, welche Bedenken sich unter den Anwohnern häuften, bevor Geschäftsstellenleiter Günther Schwab auf die Lösungs-Maßnahmen einging.

Verkehrsgutachten: 275 Autos und zwei Lastwagen pro Tag

Ein Verkehrsgutachten errechnete in der maximalen Auslastung, dass pro Tag 275 Autos und zwei Lastwagen zur Siedlung fahren würden, weshalb die Bürger Lärm befürchteten. Günther Schwab relativierte die Angaben, er sagte, es handle sich nicht um einen Mittelwert, sondern einen „maximal frequentierten Tag“. Im Jahresmittel sei mit niedrigeren Zahlen zu rechnen.

Der Bahnhofweg in Oettingen ist schmal und die Parkplatzsituation schon jetzt für die Anlieger nicht optimal. Sie sehen die Gefahr, dass sich die Parksituation verschärft. Um das zu vermeiden, will die Stadt laut Schwab mit dem Vorhabensträger, also der Firma Taglieber, einen städtebaulichen Vertrag ausarbeiten. Zu den Maßnahmen gegen ein Park-Chaos, die dann in dem Schriftwerk festgehalten werden sollen, zählt unter anderem ein Besucherparkplatz für die Musterhaussiedlung. Außerdem soll als Adresse der Firmen-Sitz in der Georg-Schwab-Straße auf der anderen Seite der Gleise angegeben werden. Der Geschäftsstellenleiter erklärt, dass die Kunden dann über einen Fußgängerüberweg zur Musterhaussiedlung gelangen sollen. Schwab: „So versucht man, den Druck aus dem Bahnhofweg, der sicher nicht optimal ausgebaut ist, zu nehmen.“

Auch Ausfahrt auf den Bahnhofweg wird mitunter kritisch gesehen

Ebenfalls kritisch gesehen wird die Ausfahrt aus dem Bahnhofweg auf die B466. Sie sei unübersichtlich. Sollte der Verkehr zunehmen, so könne auch die Unfallgefahr an dieser Stelle steigen, so die Vermutung der Bürger. Auch Fußgänger könnten durch die Zunahme des Verkehrs einem Risiko ausgesetzt sein, vor allem wenn die Fahrzeuge schnell unterwegs seien. Dazu sagte Schwab, dass das Gutachten nicht zu diesem Schluss komme. Im Wohngebiet gelte zum einen bereits Tempo 30. Zum anderen sei die Kreuzung gut einsehbar. Bürgermeister Heydecker merkte allerdings an, dass mittelfristig versucht werde, mit dem staatlichen Bauamt in Augsburg eine Lösung für eine weitere Abzweigung von der Bundesstraße zum „Wohn- und Gewerbepark Oettingen“ zu finden.

Die maximal zulässige Firsthöhe beträgt 18 Meter. „Zu hoch“, meinen einige Bürger. Dazu führt die Verwaltung aus, dass der Anstieg stufenweise erfolgt. Stadträtin Martina Krommrei (SPD) fragte, ob die Häuser nicht doch höher wirken würden, weil das Gelände nach Süden noch um bis zu vier Meter ansteigen würde. Dazu führte Stadtplaner Joost Godts aus, dass der Abstand zwischen den Häusern im Bahnhofweg und den Musterhäusern mit 100 Metern groß genug sei, sodass die Höhe „kaum auffalle“.

Erwin Taglieber nahm nicht an Sitzung teil

Ein weiterer Einwand der Bürger betrifft einen möglichen Anstieg des Grundwassers durch das Baugebiet und damit einhergehend Schäden an den Häusern. Schwab sagte, dass das Baugrundgutachten ergeben habe, dass sich die Grundwassersituation nicht verschlechtere, da keine Keller geplant seien. „Nichtsdestotrotz empfehlen wir eine Beweissicherung vor Ort.“ Das bedeutet, dass der Zustand der Häuser vor Baubeginn aufgenommen werden soll.

Die Würdigung dieser und weiterer Einwände wurden vom Stadtrat je einstimmig abgesegnet, die Satzung schließlich ohne Gegenstimme beschlossen. Nicht an der Beratung und an der Abstimmung teilgenommen hat Stadtrat Erwin Taglieber (CSU/FWG), Geschäftsführer der gleichnamigen Firma, die die Musterhaussiedlung bauen wird.

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