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Comedy

13.11.2018

Oettinger Lachnacht: Bis das Zwerchfell streikt

Ein gelungener Comedy-Abend war die „Oettinger Lachnacht“. Die Komiker wurden mit Standing Ovations gefeiert (von links): Henning Schmidtke, Michi Dietmayr, Roberto Capitoni und Moderator Atze Bauer.
Bild: Toni Kutscherauer

Vier Komiker überzeugen in der Aula der Mittelschule. Sie bieten ein qualitativ hochwertiges Repertoire.

Monika Gruber, Günter Grünwald, Michl Müller – wer kennt sie nicht, die klangvollen Namen der bayerischen Comedy-Szene, die problemlos jede Halle füllen. Dass es auch eine Nummer kleiner geht und trotzdem ein begeisternder Abend herauskommen kann, bewies die „Oettinger Lachnacht. Mit Roberto Capitoni, Michi Dietmayr, Henning Schmidtke und Moderator Atze Bauer bereiteten vier Komiker „aus der zweiten Reihe“ den rund 200 Besuchern in der Aula der Oettinger Mittelschule einen amüsanten Abend voller Spaß und Gaudi – mitunter wurde gelacht, bis das Zwerchfell streikte.

Mit seinem Rock’n’Roll-Song „Eigentlich“ sorgt der selbst ernannte fränkische Liederchaot Atze Bauer für einen forschen Einstieg – schon nach wenigen Minuten sind die Besucher auf Betriebstemperatur und klatschen munter mit. Ihm folgt Roberto Capitoni, ein klassischer Stand-up-Comedian, der bereits Auftritte in „Ottis Schlachthof“, dem „Quatsch-Comedy-Club“ und bei „Nightwash“ aufweisen kann. Der Deutsch-Italiener stellt sofort klar, dass er zu seinen zweierlei Wurzeln steht: Als gebürtiger Allgäuer habe er erst mit einem Bausparvertrag aus dem Mutterleib gelockt werden können.

Seine zahlreichen italienischen Vornamen hätten dazu geführt, dass er „bereits im Taufbecken das Seepferdchen“ gemacht habe. Auch im weiteren Verlauf seines schwungvollen Auftritts geht es um die zwei Seelen in seiner Brust. Der Geizhals in ihm liebt seine schwäbische Tomatensuppe („heißes Wasser in rotem Teller“), bei der Erinnerung an Onkel Luigi wiederum kommt der Mafioso durch.

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Der Münchner Liedermacher Michi Dietmayr bringt das Publikum im Nu auf seine Seite. In klangvollem bayerischem Dialekt besingt er zur Gitarre außer Rand und Band geratene „Mamis beim Fuaßboi“, ehe er ein Weihnachtslieder-Medley für Wiesnwirte vorstellt („In der Ochsenbraterei“). Beim Song „Schatz, bitte nicht jetzt!“ müssen die Zuhörer aufmerksam mitdenken, um den Rollentausch zu entschlüsseln („Warum denken Frauen nicht nur mit dem Hirn?“). Dietmayr ist zusammen mit Roland Hefter und dem Keller Steff auch mit dem Projekt „3 Männer – nur mit Gitarre“ erfolgreich unterwegs und beherrscht das Wechselspiel mit dem Publikum perfekt: Beim Gender-Wettbewerb singen Frauen („Hunger, Pipi, kalt“) und Männer („Fuaßboi, Schweinsbro’n, Bier“) lauthals mit.

Nach der Pause und einem umgetexteten Toten-Hosen-Song („Ich fahr ‘nen Diesel“ für „An Tagen wie diesen“) von Atze Bauer geht Henning Schmidtke an den Start. Auch der Niedersachse ist bietet traditionelle Stand-up-Comedy und begleitet sich dabei auf dem Keyboard. Dazu ist er ein hervorragender Parodist, der aufzeigt, warum Westernhagen, Udo Lindenberg und Grönemeyer bei den modernen Casting-Shows allesamt in der ersten Runde rausfliegen würden. Hart geht Schmidtke mit den Esoterikerinnen ins Gericht und untersucht satirisch die Geschlechterfrage, egal ob es um Sprachentwicklung, den Orientierungssinn oder Robbie Williams geht. Am Ende hat Schmidkte noch eine Hommage an alle Handwerker im Gepäck, beim Hip-Hop „Kreuz-Schlitz-Schraubenzieher“ macht der ganze Saal ausgelassen mit. Die „Oettinger Lachnacht“ zeigt, dass es nicht immer die großen Stars sein müssen, die einen gelungenen Comedy-Abend garantieren. Auch weniger bekannte Protagonisten haben in Sachen Kabarett, Satire und Humor ein umfangreiches, abwechslungsreiches und qualitativ hochwertiges Repertoire zu bieten. Dies wurde überzeugend von den Besuchern bestätigt: Beim abschließenden „Oettinger-Lachnacht-Blues“ hielt es niemanden mehr auf den Sitzen, mit Standing Ovations wurden die Künstler verabschiedet.

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