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22.07.2018

Ohne Wirtshaus, mit Treffpunkt

Das „Gemeinschaftshaus am Glockenturm“ in Schrattenhofen befindet sich in einem ehemaligen, sehr schön umgebauten und renovierten, bäuerlichen Anwesen. 

 Als die Gasthäuser in Rohrbach, Schrattenhofen, Wörnitzostheim und anderen Orten endgültig schließen mussten, haben sich die Dorfgemeinschaften Alternativen geschaffen.

Selbst im kleinsten Dorf gab es früher ein Wirtshaus. Meist inmitten des Ortes gelegen, waren die oft herausragenden, weil zweistöckigen Gebäude mit Gaststube und Saal die „Zentrale“ des Dorflebens. Hier wurden am regelmäßigen Stammtisch Meinungen und Neuigkeiten ausgetauscht, sowie natürlich auch Dorfpolitik betrieben. Neben den Versammlungen der Gemeinde und der Dorfvereine wurden im örtlichen Wirtshaus auch Feste und Feiern im Jahres- sowie im Lebenslauf der Dorfbewohner ausgerichtet. Die Kirchweih war dabei sicher der Höhepunkt. Auch wenn die Staatsregierung neuerdings (wieder einmal) die Dorfgasthäuser retten will: Das „Wirtshaussterben“ traf unsere Dörfer schon vor Jahrzehnten. Besonders in den kleineren Orten konnte sich meist kein Gastwirt mehr halten, die Gründe dafür sind neben der fehlenden Nachfolge auch strukturelle Veränderungen auf dem Land.

Man musste sich also selbst helfen und hat oft in hunderten von freiwilligen Arbeitsstunden mit ungeheurem Engagement, welches so wohl nur in der dörflichen Gemeinschaft möglich ist, Alternativen geschaffen. Drei Beispiele, nämlich die Gemeindehäuser der drei kleinen Ortschaften Rohrbach, Schrattenhofen und Wörnitzostheim, werden nachfolgend kurz beschrieben.

In Wörnitzostheim, wo das Gasthaus Engel bereits im Jahr 1973 abgebrochen wurde, befindet sich nicht weit davon, an Stelle des ehemaligen Armenhauses seit 1987/88 als neuer gesellschaftlicher Mittelpunkt des Dorfes das Gemeindehaus, liebevoll „die Kneipe“ genannt. Diese hat mehrmals in der Woche geöffnet und wird im Wechsel von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr bewirtet. Außerdem finden diverse dörfliche Veranstaltungen und Versammlungen aller Vereine, private Feiern sowie das samstägliche „Drui-Bier“ statt. Höhepunkt des Jahres ist unzweifelhaft die „Kirbe“ im Oktober, die auch stets viele Gäste aus den Nachbardörfern anzieht. Auch die Dorfjugend hat ihre „Bude“ im gleichen Gebäude.

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In Schrattenhofen gab es nach der endgültigen Schließung der ortsbildprägenden Gastwirtschaft vom „Metzger-Fritz“ Friedrich Kirchgasser im Dorf zwar noch eine kleine Gaststube, das „Wörnitzstüble“, im Volksmund „Ranch“ genannt. Außerdem trafen sich die geselligen Schrattenhofener bei schönem Wetter gerne allabendlich an der Dorflinde. Trotzdem war ein großer Traum der Dorfgemeinschaft ein eigenes Haus, was mit Umbau und Sanierung eines ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens verwirklicht werden konnte. In Bauträgerschaft der Stadt Harburg wurden von den Dorfbewohnern weitgehend in Eigenregie unzählige Arbeitsstunden eingebracht. Das „Gemeinschaftshaus am Glockenturm“ wurde im Jahr 2004 eingeweiht und bietet Raum für alle Veranstaltungen der dörflichen Gemeinschaft.

In Rohrbach, eingemeindet nach Mönchsdeggingen und kirchlich zum Nachbardorf Schaffhausen gehörig, wurde auf dem Anwesen mit der Hausnummer 20 mehr als 320 Jahre lang eine Gastwirtschaft betrieben. Das „Gasthaus zum Stern“ von Konrad Haller wurde zum Jahresende 1994 endgültig geschlossen. Ein schönes Beispiel für vorausschauende Planung ist die Tatsache, dass gleich am 1. Januar 1995 der erste Frühschoppen im neu umgebauten „Gmoidhaus“ stattfinden konnten. Das „Gmoidhaus“ war bereits 1969 von der Gemeinde Rohrbach als Feuerwehrgerätehaus und für sonstige gemeindliche Zwecke erbaut worden. Der vom Schützenverein betriebene Gastraum ist nun gesellschaftlicher Treffpunkt für die Vereine und alle Einwohner von Rohrbach und Thurneck.

Einige weitere Beispiele könnten hier genannt werden, zum Beispiel das Dorfzentrum „Doze“ in Bühl, das „Bürgerhaus“ im ehemaligen Schulhaus in Lehmingen, und viele mehr. Möglich waren diese Projekte stets durch viel ehrenamtliches Engagement und vor allem das Bedürfnis, einen zentralen Versammlungsort und ein kulturelles Zentrum zur Pflege des Dorflebens zu haben.

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