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07.11.2019

Organspende: Was sagen die Kirchen?

In Nördlingen gibt es einen Informations- und Diskussionsabend zu diesem Thema. Eine Frage brennt den Zuhörern auf den Nägeln

Die doppelte Widerspruchslösung von Gesundheitsminister Jens Spahn schafft bei vielen Menschen Druck. Sie müssen sich entscheiden, ob sie Organspender werden wollen oder nicht. Der Ökumenische Besuchsdienst am Nördlinger Stiftungskrankenhaus lud deshalb zu einem Informations- und Diskussionsabend mit einem Forum aus Pfarrern, einem Mediziner und einem Organempfänger ein, um eine Entscheidungshilfe zu bieten. Vor allem die Kirchenvertreter arbeiteten klare ethische Standpunkte heraus.

Diakon Michael Jahnz moderierte die Veranstaltung, die kurzfristig vom kleinen in den großen Saal verlegt wurde, weil mehr als 70 Zuhörer gekommen waren. Zunächst gab der Transplantationsbeauftragte am Stift, Dr. Thomas Handschuh, einen Abriss aus medizinischer Sicht. Im Zentrum stand dabei der Hirntod als entscheidendes Kriterium für die Organentnahme. Er sei eindeutig festzulegen und müsse von zwei Fachärzten unabhängig voneinander attestiert werden. Grundsätzlich könne dies alles nur auf einer Intensivstation geschehen, wo auch nach dem Hirntod unter anderem noch beatmet werden kann, um die Organe funktionsfähig zu halten. Die Frage, was passiere, wenn man zu Hause sterbe, war damit beantwortet – dann komme eine Organspende nicht infrage.

Auf der Intensivstation werde auf jeden Fall mit den Angehörigen zusammen entschieden, ob gespendet werden soll oder nicht. Das finde in einer extremen Stresssituation statt, doch es seien einige Tage Zeit bis zur Entnahme, zu der es in Nördlingen übrigens noch nie kam. Zur kritischen Frage, inwieweit eine Transplantation von den Kassen finanziert werde, sagte Dr. Handschuh, dass die Kosten keinesfalls auch nur annähernd beglichen werden. Allerdings trete der Fall in einem betroffenen Krankenhaus maximal einmal pro Jahr auf, sodass die Gesamtbilanz der Klinik nicht entscheidend darunter leide.

Der katholische Stadtpfarrer Benjamin Beck und der evangelische Pfarrer Dr. Philipp Beyhl unterstrichen, dass beide Konfessionen aus theologischer Sicht das Thema gleichermaßen angehen – beispielsweise, dass Gott ein Gott des Lebens sei, der jeden Schutz und jede Rettung von Leben befürworte. Beck bestätigte aus praktischer Erfahrung, dass der Hirntod tatsächlich das deutlichste Zeichen für den endgültigen Tod sei und erfüllte damit einen vom Publikum geforderten Ansatz, dass alle beteiligten Institutionen klare gemeinsame Positionen vertreten sollen. Dem stimmte auch Dr. Handschuh zu; so sei in Nördlingen festgelegt, dass religiöse Bestattungsriten bei Organspendern, wie die Aufbahrung zur Abschiednahme in der Palliativstation, auch vonseiten der Mediziner festgelegt wurden.

Den Zuhörern brannte die theologische Frage nach der Einheit von Leib und Seele auf den Nägeln, die durch eine Organentnahme ja als gestört angesehen werden könne. Hier gab Pfarrer Beyhl eine überraschend klare Antwort: Gemäß dem Apostel Paulus bekommt jeder für die Auferstehung einen verwandelten zweiten, vollkommenen Leib. Laut Pfarrer Beck sei damit auch beispielsweise die Frage der Einäscherung geklärt. Eine Frau aus dem Publikum hob hervor, dass eine Organspende für sie in erster Linie als Akt der Nächstenliebe gelte.

Die Kirchenvertreter unterstrichen, dass dies völlige Freiwilligkeit und Freiheit von politischem Druck voraussetze. Allerdings brächte möglicherweise eine Ausgangslage, die jeden Bürger per se als Organspender definiere, mehr Klarheit in den ethischen Standpunkt. Organempfänger Herbert Faaß, über den unsere Zeitung berichtet hatte, wurde gefragt, was er empfunden hat, als ihm das Spenderherz zugeteilt wurde. „Großes Glück und große Dankbarkeit gegenüber dem Spender und den Ärzten“, antwortete er.

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