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27.11.2017

Ortsnamen, die mit Wald zu tun haben

Der Ortsname Steinhart ist versinnbildlicht in diesem Foto: Mehrere Bäume des Waldes (ahd. „hard“) bemächtigen sich des großen Steins und zersprengen ihn langsam. Im Hintergrund sind die Mauern der Burgruine Steinhart zu sehen.
Bild: Dettweiler

Dornstadt, Steinhart, Hesselberg – die Natur war ein beliebter Namensgeber

Über 100 Seiten hat das 2002 im Reprintverfahren vom Steinmeier-Verlag wieder aufgelegte Originalwerk von Christian Mayer „Über die Ortsnamen im Ries und seinen nächsten Angrenzungen“ aus dem Jahr 1887. Der Autor war zunächst für zehn Jahre Pfarrer an der Spitalkirche in Nördlingen, gab diesen Beruf allerdings aus gesundheitlichen Gründen wieder auf und wurde 1869 Lehrer an der dortigen Gewerbeschule. Aus dieser entwickelte sich die Realschule, deren Leitung er dann bis 1895 innehatte. Mayer wollte „seinen bescheidenen Teil beitragen, Herkunft und Bedeutung der Rieser Ortsnamen zu erklären“, mit der Einschränkung, dass mancher Name strittig sei und später einmal auf Grund neuer Erkenntnisse vielleicht besser erklärt werden könne. So blieb es tatsächlich erst dem 20. Jahrhundert vorbehalten, das von Mayer mit Oettingen verknüpfte römische Losodica dem heutigen Munningen zuzuordnen.

Im heutigen Beitrag zu den Ortsnamen im Ries soll es um alles gehen, was mit Wald zu tun hat: wald, hart, härt, hard, loh, loch; busch, dorn, rode, reuth, schlag, hau, heu, brenn und alle Art von Bäumen. Lohe: Dieses Wort bedeutet heute noch „Glut, Flamme“, und so wird wohl der heutige Weiler von seinen ersten Bewohnern aus dem Oettinger Forst „herausgebrannt“, also gerodet worden sein. Ähnlich verhält es sich mit Schopf- und Breitenlohe, Pflaumloch und Lochenbach, wobei bei letzterem der „Bach“ die Wörnitz sein könnte wie auch der Bach, der von Dornstadt kommend bei Lochenbach in die Wörnitz mündet.

Auch dieses Dornstadt hat mit dem Wald zu tun und meint sicher, dass hier bei den Dornenbüschen eine (Heim)Statt – eben Dornstadt - gegründet wurde. Und der Forst wurde dort in zahlreiche „Schläge“ aufgeteilt, meist quadratische Waldflächen mit Namen wie Tiefenschlag, Pfarrschlag, Hirschbrunner Schlag usw.

Ein altes Wort für Wald ist das bis in unsere Zeit überkommene ahd. „hard“. Das Wort „Herde“ hängt etymologisch damit zusammen, also mit den Tieren, die früher zum Futtersparen in den Wald getrieben wurden. Zahlreich sind die „hard/hart-Ortsnamen“ im waldreichen Nordries: Schlittenhart, Sachsenhart, Pagenhard, Freihardt, Hartschuster oder Steinhart, um nur die wichtigsten Orte und Flurnamen zu nennen. Steinhart besteht aus zwei Begriffen, dem Grundwort „hart“ (Wald) und dem Bestimmungswort „stein“, also bezugnehmend vielleicht auf den steinigen Boden der Fränkischen Alb oder aber auch auf einen großen, etwa drei Meter hohen Findling aus der Auswurfmasse bei der Riesentstehung vor 14,8 Millionen Jahren. Auch die Einzelhöfe wie der Heuhof bei Hüssingen, der Brennhof bei Heroldingen, der Harthof bei Harburg, Waldstetten bei Wemding haben im weitesten Sinne ebenfalls mit dem Wald zu tun.

Im Ortsnamen Hafenreuth (bei Donauwörth) steckt das Wort „roden“; auch im Rotenbergerhof bei Wemding und in Mönchsroth.

Ortschaften mit Baum-Namen: Bleiben in diesem Kapitel noch alle Ortsnamen, die mit den Namen von Bäumen gebildet wurden und sich meist selbst erklären: Birkhausen, Birkenbühl bei Schweindorf, Erlsbach bei Oettingen, Buchdorf bei Monheim, Fürnheim (von Föhre), der Hesselberg (von Haselnuss), aber auch Alerheim, das Mayer 1887 noch im Zusammenhang mit einer Person erklärt, nämlich mit „Alaher“ (= der Allherrliche).

Neueste Forschungen (von Reitzenstein, 2015) aber gehen davon aus, dass das Bestimmungswort „alar, aler“ (Erle) ist, Alerheim also „Wohnstätte bei den Erlen“ bedeutet.

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