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Goldene Gans in Oettingen

10.11.2019

Poetry Slam füllt das Kinokabarett in Oettingen

Die Finalisten (von links): Michi Malcherek (3. Platz), May Luchs (1. Platz), Moderator Jens Hoffmann, Maximilian Schulle (2. Platz).
Foto: Toni Kutscherauer

Der Dichter-Wettstreit begeistert auch in Oettingen viele Fans. Die Wortakrobatin May Luchs aus Rehau gewinnt das spannende Finale.

Es war bereits die dritte Auflage des „Rieser Poetry Slams“ im laufenden Jahr, die diesmal im Kinosaal der „Goldenen Gans“ in Oettingen stattfand. Dieser war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Moderator Jens Hoffmann neben den Besuchern die Wortakrobaten begrüßte.

Vorab wurden die wenigen Regeln bei diesem „Dichter-Wettstreit“ vorgestellt: Die Probanden tragen bei einem Zeitlimit von sieben Minuten ausschließlich selbst verfasste Texte ohne jegliche Hilfsmittel vor. Der Sieger wird am Ende vom Publikum gekürt, denn Dauer und Intensität des Beifalls sind die entscheidenden Gradmesser.

Elf Kandidaten aus ganz Süddeutschland hatten sich für den Wettbewerb in Oettingen gemeldet, die in drei Gruppen gegeneinander antraten – die jeweiligen Gewinner bestritten am Ende das Finale. Als „Opferlamm“ – in der Slam-Szene eine Art Aufwärmer – trug Jens Hoffmann mit „Ich atme ein, ich atme aus“ ein nachdenkliches Stück zu den Fragen der Zeit vor.

Den Wettstreit eröffnete Oliver Walter aus Spalt mit „Breaking Dad“, einem lustigen Text über die Erlebnisse eines jungen Vaters. Die Jury hatte für jede Gruppe einen „Lokalmatador“ gesetzt, im ersten Durchgang war dies der Herblinger Hubert Faußner, der drei empathische Gedichte über seine Rieser Heimat vortrug. Mit hauchdünnem Vorsprung qualifizierte sich May Luchs aus Rehau für das Finale, die in ihrem berührenden Beitrag „362“ den Tod des geliebten Vaters verarbeitete.

Im der zweiten Staffel präsentierte „Sunny“ aus Bad Endorf mit „Weil du so wunderbar bist“ eine Liebeserklärung im Rap-Style, bei der auch das Publikum mitmachen durfte. Die humorvolle Schiene bedienten der Harburger Thomas Schichl mit dem jahreszeitlichen Gedicht „Wenn’s meine Frau friert“ und Martin Geier aus Fürth mit Erinnerungen an seine Bundeswehrzeit. Der Gruppensieg ging an den Nürnberger Michi Malcherek, der mit „Ich bin ein Hochleistungsrechner“ die Perspektive seines PCs einnahm.

Zum Auftakt der dritten Gruppe gewährte Enora Le Corre aus Nürnberg mit „Das Leben ist wie eine Sinfonie“ einen Einblick in ihre Gedankenwelt, ehe der Nördlinger Christian Lindermeier mit fünf launigen Kurzgedichten aufwartete. Claus Gansloser aus Geislingen zog in „Splitter im Auge“ gegen nervige Besserwisser zu Felde, bevor der Erlanger Maximilian Schulle mit einem Erlebnisbericht als Betreuer einer Kinderfreizeit – im „Stechapplaus“ gegen Enora Le Corre – das Finalticket löste.

Schon vor der Schlussrunde wurde deutlich, wieso der Poetry-Slam auch „Rock ‘n’ Roll der Literatur“ genannt wird. So unterschiedlich die Teilnehmer auch agierten, ob frei vortragend oder vom Blatt, ob im Fließtext, in Reimform oder als Rap-Performance, ob Newcomer oder „alter Hase“ - alle sprachen das Publikum auf ihre ganz eigene Weise an und wurden mit reichlich Beifall bedacht. Beachtlich war auch fast durchwegs die Qualität der Beiträge, die allesamt eine Botschaft trugen - egal ob die Texte witzig-ironisch oder kritisch-nachdenklich gehalten waren.

Im Finale kam es zu einer äußerst knappen Entscheidung. Platz drei ging an Michi Malcherek, der die Besucher mit irrwitzigen Szenen aus seinen 202 Tagen als Kindergärtner zum Lachen brachte. Knapp am Sieg vorbei schrammte Maximilian Schulle, der bei „Sie ist da“ seine Gefühle während der Schwangerschaft seiner Frau offenlegte. Den ersten Platz sicherte sich May Luchs, die in „Feen, Seifenblasen und ein Pappkarton“ an die Zuhörer appellierte, „die Welt öfter mal mit den Augen eines Kindes zu sehen“. Das knappe Ergebnis wurde vom begeisterten Publikum bestätigt, das die versammelte Kleinkünstler-Truppe mit Beifall verabschiedete.

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