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Dichterwettkampf

18.03.2019

Poetry Slam in Nördlingen: Von Prosa bis Slapstick

Dorothee Mügge aus Zirndorf gewann den ersten Poetry Slam in Nördlingen.

Beim Poetry Slam in Nördlingen feiert das Publikum die Teilnehmer. Was der Höhepunkt des Abends war.

Es ist schon erstaunlich, was die Fladen-Piraten in Nördlingen immer wieder auf die Beine stellen. Jüngstes Beispiel: Poetry Slam in der Alten Schranne. Konzipiert und organisiert als „Poesie-Therapie-Texte mit Niewoh“ in Zusammenarbeit mit Jens Hoffmann, der auch die Reimnacht Weißenburg initiiert hat. Poetry Slam ist ein moderner Dichterwettkampf, bei dem Poeten mit selbst verfassten Texten auf einer Bühne gegeneinander antreten. Egal ob Prosa oder Lyrik, ob lustige oder ernste Texte, ob Slapstick oder Philosophie. Und auch egal, ob frei vorgetragen oder vom Blatt gelesen wird oder mit vollem Körpereinsatz präsentiert: Am Ende entscheidet das Publikum durch Abstimmung, wer nach zwei Runden und dem anschließenden Finale die Bühne als Sieger verlässt.

Der erste Poetry-Slam bei den Fladen-Piraten gelang in beeindruckender Weise: ein zum Bersten voller Saal, ein überaus klatschfreudiges Publikum. Wie zu hören war, gab es an der Abendkasse keine Karten mehr. Ab 20 Uhr moderierte Jens Hoffmann den Abend, erklärte das Prinzip, heizte das Publikum mit Klatsch-Tests an. Und präsentierte als Warm-Up einen eigenen „Opferlamm-Text“ der mit tosendem Applaus gewürdigt wurde. Dann ließ er von einer Losfee die Reihenfolge der Auftretenden ziehen. Oliver Walter aus Spalt, Heider Roser aus Nürnberg, Cris Ortega aus Erlangen, Felix Kaden (Erlangen), Martin Geier (Fürth), Franziska Till (Weißenburg), Dorothee Mügge (Zirndorf) und das Duo „Pony & Kleid“, alias Rahel Be-nisch/Yannik Ambrusits aus Regensburg, zeigten anschließend den Nördlingern, wie Poetry Slam geht.

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Poesie-Therapie in Nördlingen
Bild: Szilvia Izsó

Mehr oder weniger originelle Texte beim Poetry Slam

Mit mehr oder weniger originellen Texten, mehr oder weniger anspruchsvoll. Aber meistens mit einer großen Portion Fäkalhumor gewürzt, was das Publikum allerdings nicht zu stören schien. So wunderte es nicht, dass ein origineller Text über Masturbation von Dorothee Mügge ins Endspiel kam. Der andere Endspiel-Teilnehmer, Cris Ortega, der einen Text über (s)ein Tourette-Syndrom mit dem Titel „Warum ich Busfahren liebe“, vortrug, wurde vom Moderator kurzerhand ins Endspiel gehievt, Hoffmann hatte den „unbestechlichen“ Dezibel-Messer im Ohr.

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Karl-Heinz Stippler aus Deiningen trug spontan einen Text vor.

Ganz offensichtlich war der etwas einseitig gepolt, aber das Publikums nahm’s ohne Widerspruch hin. Die „Goldene Ananas“ (Preis der Fladen-Piraten) und das Endspiel gewann schließlich Dorothee Mügge aus Zirndorf. Trotz aller Anlaufschwierigkeiten: es war ein toller Abend und ein voller Erfolg, das Publikum fühlte sich bestens unterhalten. Auch wenn die Start-Künstler fast alle „importiert“ waren, die Highlights kamen doch aus dem Ries: Karl-Heinz Stippler aus Deiningen traute sich, spontan einen Text vorzutragen, der – obwohl von ihm als „Tattergreis“ handelnd – blendend ankam.

Für einen wirklich berührenden Moment sorgte Isabel Sokolowski (außer Konkurrenz) in Form eines Geburtstagsgedichts für ihre Schwester Nadine, die im Publikum saß: „Mein Herz tanzt Farben“, eine anrührende Liebeserklärung, die zeigte, dass man auch ohne rotzigen Rapper-Jargon schönste Poetry „performen“ kann. Außer Konkurrenz und dennoch der Applaus-Lautstärke-Gewinner des Abends. Poetry Slam in Nördlingen: gerne bald wieder und mehr davon.

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