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Wettbewerb

07.01.2020

Poetry Slam in Nördlingen: Von Zug-Desastern und Tinder-Dates

Sie schafften es bis in das Finale des Rieser Poetry Slams: Tomas Eiwen, Theresa Conrady und Markus Riks, der spätere Sieger. Im Vordergrund auf dem Boden liegt Moderator Jens Hoffmann.
Bild: Toni Kutscherauer

Im Schrannensaal treten mehrere Kandidaten gegeneinander an. In den Runden entwickeln sich spannende Duelle. Mit welchem Thema Markus Riks am Ende gewinnt.

Von einem Strohfeuer kann man inzwischen wohl nicht mehr sprechen. Denn nachdem die ersten drei Veranstaltungen des „Rieser Poetry Slams“ im vergangenen Jahr bereits ein enormes Zuschauer-Echo hervorriefen, war auch die vierte Auflage ein voller Erfolg. Auch diesmal war der Schrannensaal bis auf den letzten Platz gefüllt, als Moderator Jens Hoffmann neben den Besuchern die insgesamt neun teilnehmenden Wortakrobaten begrüßte.

Vorab wurden die wenigen Regeln bei diesem „Dichter-Wettstreit“ erläutert: Die Probanden tragen bei einem Zeitlimit von sieben Minuten ausschließlich selbst verfasste Texte ohne jegliche Hilfsmittel vor. Der Sieger wird am Ende vom Publikum gekürt, denn Dauer und Intensität des Beifalls entscheiden beim Slam.

Drei Kandidaten treten in drei Runden gegeneinander an

In drei Spielrunden traten jeweils drei Kandidaten gegeneinander an – die jeweiligen Gewinner bestritten am Ende das Finale. Als „Opferlamm“ – die Szene-Bezeichnung für den „Aufwärmer“ – trug Jens Hoffmann mit „Gott bereut, dass er die Dinos ausgelöscht hat“ einen kritischen Text vor.

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Den eigentlichen Wettbewerb eröffnete dann Markus Riks aus Erlangen mit „Ich mag Züge“, einem überaus witzigen Erlebnisbericht über nervige Fahrgäste, der damit endete, dass der Erzähler „aus dem Zug geschmissen“ wird.

Der Günzburgerin Ela Wilwarin war ihre Nervosität beim Vortrag anzumerken, doch ihr hintersinniger Text besaß eine starke Schluss-pointe. Tommy aus Gundelfingen, alias „Kurierfah Rerstyle“, zeigte bei seinem Beitrag über eine „Zeitmaschine“ eine klasse Bühnenperformance, musste jedoch am Ende Markus Riks auf dem Weg ins Finale den Vortritt lassen.

Die zweite Staffel eröffnete „Lokalmatadorin“ Elisabeth Böhm aus Herblingen mit zwei empathisch vorgetragenen, kirchlich orientierten Gedichten.

Als wahrer Wortkünstler erwies sich der Münchner Bert Uschner, der sowohl bei seinem „Feuerwehrschlauch“ als auch bei seiner imaginären Vogelart, dem „Zilpzalp“, auf die aktive Mithilfe der Zuschauer setzte. Sehr knapp fiel am Ende die Entscheidung zugunsten von Theresa Conrady aus München aus, die das Publikum mit einem sehr persönlichen Text zu ihren beruflichen Erfahrungen überzeugte.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gab es in der dritten Runde. Claus Gansloser aus Geislingen beschrieb mit seinem satirischen Beitrag „Vergänglichkeit“ humorvoll, wie der Klimawandel mit Hilfe eines PS-starken Ami-Schlittens bekämpft werden kann, ehe Enora Le Corre aus Nürnberg mit ihrem eindrucksvoll vorgetragenen Text „Das Leben ist wie eine Sinfonie“ einen Einblick in ihre Gedankenwelt gewährte. Den Einzug in die Schlussrunde sicherte sich der junge Rosenheimer Thomas Eiwen, der in „Wenn es einen Gott gibt“ die biblische Geschichte als Rap präsentierte.

Die Qualität der Beiträge war beachtlich

Zu einer äußerst knappen Entscheidung kam es auch im Finale. Theresa Conrady brachte mit ihrem ergreifenden Text über ein Kind aus einem anderen Land, das ausgebeutet wird, Stille in den Saal, bevor Thomas Eiwen mit seiner Ode an das Bier („Oh du goldenes Gold“) für ausgelassene Gaudi in den Reihen sorgte. Den verdienten Sieg sicherte sich am Ende Markus Riks – die irrwitzigen Schilderungen seiner desaströsen Tinder-Dates brachten viele der Zuschauer im Saal zum Lachen.

„Texte mit Niewoh“ wurden in der Vorankündigung versprochen, der vierte „Rieser Poetry Slam“ bestätigte dies: Die Qualität der Beiträge war durchwegs beachtlich, egal ob die Texte witzig-ironisch oder kritisch-nachdenklich gehalten waren. Dies wurde auch von den 200 begeisterten Zuschauern bestätigt, welche die versammelte Kleinkünstler-Truppe mit ausgiebigem Beifall verabschiedeten.

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