Geburtstag

28.03.2017

Posaunenchor reloaded

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Der Posaunenchor Deiningen feiert sein 90-jähriges Jubiläum mit frischem Musizieren von alten Chorälen und neuer Musik. Als musikalische Gratulanten beteiligten sich Organist Werner Heinrich und der Kirchenchor der Gemeinde an dem Jubiläumskonzert.
Bild: Ernst Mayer

Das Deininger Ensemble feiert seinen 90. Geburtstag. Vom Vermeiden eines „anstößigen Lebenswandels“ und einer jungen, dynamischen Dirigentin

„Jeder Bläser verpflichtet sich, die Proben fleißig zu besuchen, die öffentlichen Wirtshäuser zu meiden sowie jeden anstößigen Lebenswandel zu lassen.“ So stand es in den ersten Statuten, als vor 90 Jahren neun Deininger Männer einen Posaunenchor gründeten. Davon erzählten Karl-Heinz Stippler und Dominik Schebesta im Deininger Dialekt und auch von weiteren Begebenheiten aus dem Posaunenchor-Leben. Sie waren sich sofort einig: „Wega deam Wirtshausverbot leba mr doch liabr in der heitiga Zeit.“ Zunächst ging das nur die ersten sechs Jahre gut, denn schon nach sechs Jahren – „des Chrischtliche hot dann nemme recht in d’ Zeit neipasst“ – , war eher Marschmusik gefragt. Nach dem Krieg fing es dann wieder an, mit dem Wurm Rudolf als Chorleiter, als auch die ersten Jungbläser, darunter der Stippler Karl-Heinz „beim Wurm auf’m Sofa in der Küche“ die ersten Töne übten und scheinbar oft noch so falsch, dass „der kloine Rudi – dear isch do grad geboara gwesa – in oiner Tour brellt hot“.

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Das konnte man sich aber nicht mehr vorstellen, als das erste Stück erklang, „Alles ist in Gottes Segen“ von Johannes Zahn, und man gleich spürte, dass der Deininger Posaunenchor eine junge dynamische Leitung bekommen hatte. Korbinian Schäfer vermittelte in seinem Dirigat, dass sich ein Posaunenchor alten Chorälen heute ein frisches Musizieren erlauben darf.

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Seeburg, der die Musik als Gottes Gabe hervorhob, gelang es Julia Gehring, als die eigentliche Chorleiterin, dem „Ännchen von Tharau“ ebenfalls den Staub der Jahrhunderte abzustreifen, was Organist Werner Heinrich in dem „Tuba Tune, D-Dur“ von Craig Seller Lang fortsetzte, ein schneidiges kleines Stück, das seinen Titel der stürmischen Melodie verdankt. Auch bei den traditionellen Stücken, J. S. Bachs Choral „Herzlich lieb hab ich dich“, Gottfried Reiches wunderbare „Sonatina“ und der reizenden „Courante“ von Johann Pezelius blieb Julia Gehring dieser Linie treu.

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Als Gratulant beteiligte sich der Kirchenchor der Gemeinde. Den wenigen wackeren Mitglieder war bei ihrem gut intonierten Gesang die Freude an ihren Liedern anzumerken, als sie mit ihrer Chorleiterin Evelyn Lechler den Choral J. S. Bachs „Lobe den Herren“ und den hübschen Chorsatz von Dieter Golombeck „Ich will dem Herren singen“ vortrugen. Dem schloss sich die ganze Gemeinde an mit dem Lied „Nun jauchzt dem Herren“ an, im Wechsel mit dem Chor.

Tiefes Blech bestimmte den Charakter von „Vergiss nicht zu danken“, die linke Hand des Organisten Heinrich die durchgehende Rhythmik des ungewöhnlichen „Herra, Kädelläsi“ (Herr, in deiner Hand) des Finnen Marko Hakanpää. Damit begann der Schlussteil mit modernen unterhaltsamen Kompositionen und erregte das Erstaunen der eingefleischten Posaunenchoristen, als ein Schlagzeuger (Werner Greiner jr.) in das Geschehen eingriff, zuerst mit großer und kleiner Trommel bei der schottischen Dudelsackmelodie „Highland Cathedral“, einem Slow-Rock mit Synkopen – sonst selten beim Posaunenchor – und schließlich vollem Schlagzeug „One Moment in Time“.

Die Ehrung des Posaunenbezirks von Pfarrer Reinhard Caesperlein, das Gebet und den Dank des Pfarrers Seeburg umrahmten der Kirchenchor mit „Herr, deine Liebe“ und der von den jungen Chorleitern aufgefrischte 90-jährige Posaunenchor mit einem jazzig, als Blues garnierten, „Singt Gott, dem Herrn“ und dem von Richard Roblee als Swing arrangierten „Ännchen von Tharau“.

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