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Debatte

26.09.2019

Premium-Krone: Bürger sind geteilter Meinung

Wie es um die Zukunft der Oettinger Krone steht, wollten am Mittwochabend rund 200 Bürger in der Aula der Oettinger Mittelschule wissen.
Bild: Verena Mörzl

Plus Zu einer Infoveranstaltung über die Zukunft des Oettinger Hotels kommen rund 200 Bürger in die Aula der Mittelschule. Viele haben Fragen, die nicht gänzlich beantwortet werden können. Die Stimmung schwankt zwischen Zweifeln und Mut.

Wie steht es um die Zukunft des denkmalgeschützten, derzeit notgesicherten und geschlossenen Hotels Krone in Oettingen? Am Mittwochabend hat die Stadt eine Infoveranstaltung für die Bürger in der Aula der Grund- und Mittelschule veranstaltet. Der Gesprächsbedarf war offensichtlich groß. Mehr als 200 Bürger wollten sich informieren und diskutieren.

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Zur Debatte stehen zwei Bauvarianten: ein großes Hotel mit 49 Zimmern und ein kleines mit 27 Zimmern, sagte der Ulmer Architekt Wolfgang Heisler. Wie bereits berichtet, soll in der XXL-Variante vieles überplant und das Zwischengebäude und der Müllerstadel neu gebaut werden. Die Erschließung erfolgt barrierefrei. Der Architekt führte aus, dass im Untergeschoss unter anderem Küche, Rittersaal, Bierkeller und die öffentlichen Toiletten der Stadt untergebracht werden sollen. In den Obergeschossen entstünden großzügige Zimmer, 98 Gäste sollen übernachten können. Die Stadtmauer werde in den Neubau integriert, der Kronensaal soll beheizbar sein und auch der Biergarten bleibt.

Die kleinere Variante sei mit großen Einschränkungen verbunden, könne aber später (mit großem Aufwand) erweitert werden. In dieser Planung falle unter anderem der Müllerstadel weg.

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Gunther Wild, Architekt und Geschäftsführer der Gesellschaft für Kommunalberatung Südbayern, sagte, dass die Krone „Leuchtturmcharakter“ haben und ein neuer Höhepunkt in der Stadtmitte entstehen könnte. Er plädierte für die große Lösung und sah das Hotelprojekt als Mittel, sich der „drohenden Abwärtsspirale entgegenzustellen“.

Kämmerin Birgit Mayer ging für das große Projekt von Gesamtkosten von 19,5 Millionen Euro aus, der Grunderwerb sei in dieser Rechnung (Sanierung 18,3 Millionen Euro brutto plus Ausstattungskosten von Hotel und Kronensaal mit 1,2 Millionen) nicht enthalten. Die Stadt kalkuliert mit den Nettokosten von 16,3 Millionen Euro, da durch einen Betrieb gewerblicher Art bei der Gesamtsanierung die Vorsteuer geltend gemacht werden könne. Das sei mit dem kommunalen Prüfungsverband abgeklärt. Abzüglich der Förderung des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ in Höhe von 9,76 Millionen Euro und Unterstützung aus weiteren Fördertöpfen (rund 350000 Euro) bleiben bei der Stadt 6,3 Millionen Euro. Die kleine Variante würde die Stadt 4,3 Millionen Euro kosten – die Gesamtsumme liege laut Mayer bei 12,3 Millionen.

Pachteinnahmen im „höheren fünfstelligen Bereich“

Die Haltungen der Bürger zum Hotel-Projekt hätten nicht unterschiedlicher sein können. Es kam unter anderem die Frage auf, wie hoch die Pachteinnahmen wären und ob andere Nutzungsmöglichkeiten bedacht worden seien. Wagner sagte zunächst, es handle sich um eine Summe im „höheren fünfstelligen Bereich“, die Kämmerin wurde später konkreter. Wagner teilte zudem mit, dass es Überlegungen zu einer „Kooperation im Behindertenbereich“ gab, bei einem Hotel auf die grüne Wiese hätte es die hohe Fördersumme nicht gegeben.

Die Frage nach den jährlichen Kosten für Zins und Tilgung beantwortete die Kämmerin: „Bei der großen Lösung 220000 Euro, bei der kleinen ist die Belastung bei 140.000 Euro.“ Sie ging davon aus, dass die Hälfte der Summe durch die Pacht gedeckt werden könne – die wurde von Experten auf rund 280.000 Euro geschätzt, die Stadt halte das aber laut Kämmerin für zu hoch und geht deshalb von der Hälfte aus. Denkbar seien auch umsatzabhängige Pachteinnahmen.

German Fall bezweifelet, dass dieses Projekt für die Stadt zu stemmen sei. Er kritisierte zudem, dass die Bürgerinfoveranstaltung einen Tag vor der Stadtratssitzung stattfand, in der die Kronen-Entscheidung erfolge, was bei den rund 200 Bürgern mit starkem Beifall quittiert wurde. Er wollte wissen, wie sich die Pro-Kopf-Verschuldung verändert. Die Kämmerin antwortete, dass die städtischen Schulden (rund 5500 Einwohner) bei 1727 Euro pro Kopf lägen, bei der großen Lösung stünde Oettingen bei 2427, mit der kleinen Lösung kämen 327 zur aktuellen Pro-Kopfverschuldung hinzu.

Einige Bürger kritisierten, dass die Krone mit den Geldern der nAllgemeinheit zurückgekauft und saniert werde. Wagner verteidigte die Entscheidung der Stadt. Die Kommune sei in der Pflicht, weil das Gebäude sonst an stadtprägender Stelle weiter verfallen würde.

Sonderstellung im Vergleich zu anderen Betrieben

Als unfair bezeichnet eine weitere Bürgerin die Sonderstellung der Krone im Vergleich zu anderen Betrieben wie der Goldenen Gans, dem Eis-Café Verdi oder dem Ochsen. „Die kämpfen, aber um sie kümmert sich kein Mensch“, ärgerte sie sich. Sie wies ausdrücklich darauf hin, dass nicht nur die Investitionen aus Steuergeldern gestemmt werden, auch die Fördergelder kämen von den Bürgern. Zweifel bestehen einem Oettinger zufolge auch dahingehend, ob die Stadt überhaupt ausreichend Touristen anziehe. Wagner meinte dazu, dass auch die Firmen in der Umgebung Mitarbeiter in Hotels unterbringen müssten.

Nach all den negativen Stimmen meldeten sich zwei Bürger zu Wort, die in der Premium-Krone eine wichtige Chance für Oettingen sehen. Günther Simon erinnerte daran, dass die Stadt nicht einmal mehr in der Übernachtungsstatistik auftauchte. Sie brauche ein Hotel, in dem mindestens 50 Leute übernachten können. Es gebe an den Residenzkonzerten oft das Problem, Gäste unterzubringen.

Eine ähnliche Haltung hat Ulla Hopf: „Das ist eine einzigartige Gelegenheit, die ich nie für möglich gehalten habe, das ist unsere Chance, aus Oettingen wieder etwas zu machen, es noch besser zu machen.“ Sie freue sich, dass die Stadt Mut aufbringe. „Das Donau-Ries ist ein Ferienland und momentan fährt alles an Oettingen vorbei“, sagte sie abschließend.


UPDATE:

Stadtrat beschließt das große Hotel-Projekt

Noch am Donnerstagabend hat der Oettinger Stadtrat den Rückkauf und die Gesamtsanierung des Hotels Krone beschlossen. Zwei Stadträte stimmten dagegen. Voraussetzung bleibt, dass die Stadt die Kaufverträge für Krone und Müller-Stadel abschließen kann. Ein ausführlicher Bericht folgt.

Lesen Sie dazu auch: Pläne für die Premium-Krone vorgestellt

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