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Oettingen

03.12.2020

Quarantäne-Ärger am Oettinger Gymnasium

Schüler-Eltern des Albrecht-Ernst-Gymnasiums in Oettingen haben sich über das Gesundheitsamt beschwert.
Bild: Werner Rensing

Plus Was nach einer Corona-Infektion geschieht, ist exakt geregelt – eigentlich. Am Oettinger Gymnasium üben Eltern und Schulleiter jedoch Kritik am Vorgehen des Gesundheitsamts.

Oft beginnt es damit, dass das Telefon klingelt. Ein Bub oder Mädchen aus der Schulklasse habe sich mit dem Coronavirus infiziert, heißt es dann, oder es bestehe zumindest der dringende Verdacht. Das Kind müsse nun zu Hause bleiben. Das Gesundheitsamt melde sich später, heißt es vielleicht noch. Was danach passiert, sorgt immer wieder für Ärger.

So etwa bei Harald und Judith Glöckner. In einem Leserbrief an unsere Zeitung beschweren sich die Eltern über das Vorgehen des Gesundheitsamts am Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen. Am Mittwoch vor drei Wochen erhielten die Glöckners abends eine E-Mail des Schulleiters. Ihr Kind, schrieb Günther Schmalisch dort, müsse auf Anweisung des Gesundheitsamts in Quarantäne, es habe einen positiven Fall in der Religionsklasse gegeben. Die Quarantäne laufe rückwirkend seit einer Woche.

Quarantäne trotz Wand zwischen den Schülern

Harald und Judith Glöckner sprechen in ihrem Leserbrief von „Pauschal-Quarantäne“, das Gesundheitsamt habe keine differenzierten Nachfragen zur Situation in der Klasse gestellt. „Es ging um eine Schuldoppelstunde, bei Einhaltung der Hygieneregeln.“ Außerdem, betonen die Eltern, hätten nicht einmal alle Schüler Kontakt zum infizierten Kind gehabt. „Zwischen manchen Kindern und dem Positiven befand sich sogar eine Wand.“ All das habe vom Gesundheitsamt niemanden interessiert.

Weiter kritisieren die Glöckners, es habe eine Reihentestung der betroffenen Schüler zu einem „sinnlosen Zeitpunkt“ gegeben – nämlich viel zu spät, erst zwei Tage vor Quarantäneende am Donnerstag, 26. November. Da die Testergebnisse bis dato fehlten und Schulleiter Schmalisch keine behördlichen Anweisungen vorlagen, konnten die Schüler – trotz Quarantäneende – am Freitag nicht zurück in den Unterricht. „Schulleitung und Eltern wurden im Regen stehen gelassen“, resümiert Judith Glöckner.

Eltern und Schüler sind verunsichert, sagt der Direktor

Wie viele Rektoren hat auch Günther Schmalisch in der Pandemie alle Hände voll zu tun. Eine fünf-Tage-Arbeitswoche? Er lacht. Daran sei für ihn aktuell nicht zu denken. Langwierige E-Mail-Korrespondenz mit dem Gesundheitsamt und Anrufe besorgter Eltern auch an den Wochenenden stünden bei ihm auf der Tagesordnung. „Es gibt aktuell vieles, was Eltern und Schüler verunsichert“, sagt der Schulleiter.

Auch Schmalisch übt Kritik am Vorgehen des Gesundheitsamts. Das Amt sei in dringenden Fällen kurzfristig teils schwer zu erreichen. Außerdem habe es teils „widersprüchliche Informationen“ gegeben. Etwa zur Frage, ob eine Reihentestung der Schüler verpflichtend sei. All das, sagt Schmalisch, koste unnötig Zeit. „Zeit, die ich eigentlich nicht habe im Moment.“

 

Für das Kind von Judith und Harald Glöckner ist die Quarantäne auf Anordnung des Gesundheitsamts seit vergangenem Montag vorbei. Ein Ergebnis des Coronatests hat die Familie eigenen Angaben zufolge jedoch immer noch nicht erhalten.

„Wir wollen das Gesundheitsamt nicht an den Pranger stellen, sondern sachlich Kritik äußern“, betont Harald Glöckner. „Aber jeder Tag grundlos in Quarantäne ist ein verlorener in der Schule.“ Denn fehlen würde neben dem Lernstoff auch der soziale Kontakt zu Mitschülern.

Gesundheitsamt Donau-Ries rechtfertigt sich und beklagt mangelnde Informationen

Eine Anfrage beim Landratsamt Donau-Ries. Zum Vorwurf der „Pauschal-Quarantäne“ beruft sich das Gesundheitsamt auf die einheitlichen Vorgaben des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie des Kultusministeriums. Diese würden für alle Schüler des Klassenverbands bei einem Infizierten eine Quarantäne vorsehen. Außerdem, heißt es weiter, sei die Behörde von keiner Stelle über eine Betonwand informiert worden.

Dazu, weshalb erst zwei Tage vor Quarantäneende eine Reihentestung durchgeführt worden sei, schreibt das Gesundheitsamt: „Der Testzeitpunkt ist aus Sicht des Infektionsschutzes sinnvoll.“ Denn die Inkubationszeit betrage 14 Tage, bei einem zu früh durchgeführten Test könne der Test negativ lauten und der Betroffene im Verlauf doch noch erkranken. Das Gesundheitsamt habe in betreffendem Fall unmittelbar, also noch am Meldetag (18. November) die Ermittlungen aufgenommen. Jedoch sei an diesem Tag schulfrei gewesen und die Informationsweiterleitung, die Ermittlungsgespräche und die Datenabfrage aller Betroffenen habe weiter Zeit benötigt, sodass das folgende Wochenende Anfragen für Reihentestung aufgrund fehlender Erreichbarkeiten nicht möglich gewesen seien.

Ticker: Die Corona-Lage im Landkreis Donau-Ries bleibt weiter angespannt 

Wie so oft in dieser Pandemie können sich die Dinge rasch ändern. Bayern ruft ab Mittwoch erneut den Katastrophenfall aus. Die Maßnahme betrifft auch die Rieser Schulen: Von der 8. Klasse an soll ein Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzunterricht stattfinden. Überschreitet der Landkreis Donau-Ries erneut eine Inzidenz von 200, sollen die Schüler ab der 8. Klasse zudem komplett in den Distanzunterricht gehen.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. Die Quarantäneregelungen für Schüler sind in Bayern seit 3. Dezember gelockert worden. Wer in Quarantäne ist, weil es in der Klasse einen Corona-Fall gegeben hat, kann diese bei Vorlage eines negativen Tests verlassen. Der Test darf jedoch frühestens am fünften Tag nach positivem Ergebnis des Mitschülers gemacht werden. So zumindest die Theorie.

Kommentar: Augenmerk auf die Schulfamilie

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