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Reimlingen

11.01.2019

Rathauschef soll weiter ehrenamtlich arbeiten

Jürgen Leberle ist ehrenamtlicher Bürgermeister in Reimlingen. Er sagt, als hauptamtlicher Amtschef könne man in der Gemeinde noch viel mehr gestalten.
Bild: Anja Ringel

Plus Der Reimlinger Gemeinderat hat sich gegen einen hauptamtlichen Bürgermeister entschieden. Was der amtierende Bürgermeister und zwei seiner Kollegen dazu sagen.

Sitzungen vorbereiten, Termine für die Gemeinde wahrnehmen, die Verwaltung leiten: Jürgen Leberle hat als Bürgermeister der Gemeinde Reimlingen viele Aufgaben. Die erledigt er halbtags neben seiner Arbeit bei der Stadtverwaltung Nördlingen. Leberle ist einer von mehr als 900 ehrenamtlichen Bürgermeistern in Bayern. Genau das wollte er ändern. Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend jedoch anders entschieden: Mit sieben zu sechs Stimmen hat er beschlossen, dass das Bürgermeisteramt in Reimlingen weiterhin ehrenamtlich bleibt.

„In meinen Augen war das ein Fehler“, sagt Leberle. Es gehe nicht um ihn als Person, sondern um das Amt. Er sehe bei der täglichen Arbeit, dass viel liegen bleibe und was noch möglich wäre. Denn Reimlingen wächst an Fläche: In der ersten Amtszeit unter Leberle wurden 30 neue Bauplätze geschaffen und ein Gewerbegebiet erschlossen. Das koste natürlich mehr Arbeit, sagt der Bürgermeister. Momentan verwalte er hauptsächlich. Mit mehr Zeit könnte er seiner Ansicht nach zusätzlich noch gestalten. Ein weiterer Punkt: Besprechungen, die vormittags sind, könne er aufgrund seines Jobs oft nicht wahrnehmen. „Ich kann mir nicht für jeden Termin Urlaub nehmen“, sagt Leberle.

Höhere Ausgaben bei einem hauptamtlichen Bürgermeister

Im Gemeinderat ging es vor allem um die höheren Ausgaben, die eine Vollzeitstelle mit sich bringen würde. Laut Leberle würde diese die Gemeinde 50.000 Euro pro Jahr mehr kosten. Davon seien 30.000 Euro eine Verwaltungsumlage, die für jeden hauptberuflichen Beamten gezahlt werden müsse. Die Umlage sei zum Beispiel für die Pension. Ein hauptamtlicher Bürgermeister würde als Beamter auf Zeit in der Besoldungsstufe A13 eingestuft werden. Das ist laut Leberle vergleichbar mit einem Sachgebietsleiter.

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Gemeinderat Dieter Hackenberg sagte, dass die Verwaltungskosten der Gemeinde dann auf circa eine Viertelmillion Euro ansteigen würden und fragte, ob die Gemeinde so viel zu tun habe. Sein Ratskollege Anton Lösch erklärte, dass ein ehrenamtlicher Bürgermeister auch entlohnt wird: „Das ist kein Trinkgeld, sondern eine ordentliche Bezahlung.“ Laut Leberle erhalten ehrenamtliche Rathauschefs eine Entschädigung. Die Höhe sei abhängig von der Einwohnerzahl. Für eine Größe von Reimlingen liegt sie zwischen 3000 und 4400 Euro im Monat.

Leberle lässt eine weitere Kandidatur offen

Ratsmitglied Lösch sagte außerdem, dass die Aufgaben einer Gemeindeverwaltung immer komplexer werden. Eine Einzelperson könne das nicht alles erledigen. Deshalb sei Reimlingen in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ries und zahle dafür. Joachim Ramisch entgegnete, dass das Bürgermeisteramt für ihn eine Außenstelle der VG Ries sei. Sollte in Reimlingen kein hauptamtlicher Bürgermeister arbeiten, dann müsse man mehr Geld an die VG Ries zahlen. Der Grund: Auch diese benötige Spezialisten.

Neben Leberle gibt es in der Region weitere ehrenamtliche Bürgermeister. Einer davon ist Martin Weiß, Bürgermeister aus Auhausen. In seiner Gemeinde gebe es keine Gespräche, die Stelle hauptamtlich zu machen. Aber auch er sieht, dass die Arbeit als Bürgermeister immer umfangreicher wird. „Es geht nicht nur um die Amtsstunden, man will ja auch vernünftig arbeiten“, sagt er. Sein Arbeitgeber toleriert die ehrenamtliche Stelle. Dennoch sei es oft schwierig, die Termine als Bürgermeister zu vereinbaren. In Alerheim gibt es seit 1996 einen Vollzeit-Bürgermeister. Das habe sein Vorgänger durchgekämpft, sagt Bürgermeister Christoph Schmid. Er sei froh darüber: „Ich hätte das Amt mit 31 Jahren ehrlich gesagt nicht gemacht, wenn es nur ehrenamtlich gewesen wäre.“

Ob Leberle für eine weitere Amtszeit kandidiert, weiß er noch nicht. Bei einer Entscheidung pro Hauptamt wäre er tendenziell noch einmal angetreten. Beim Ehrenamt müsse er nun in Ruhe darüber nachdenken und mit seinem Arbeitgeber und seiner Familie sprechen. Er habe immer gesagt „ich mache es gerne, aber ich muss es nicht machen“.

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