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15.09.2017

Ratlos bei der Namenssuche

Westlich der Schule soll ein Baugebiet entstehen. Noch überlegt der Gemeinderat, wie er die Straße benennen will.
Bild: Dieter Mack

Den Gemeinderäten fällt es schwer, eine neue Straße im Baugebiet zu benennen. Ob Alerheim Geld an die Opfer des Unwetters in Otting spenden soll, wird schnell entschieden

Liam und Laura sind derzeit die beliebtesten Vornamen in Deutschland, zumindest wenn es nach einem Vornamenportal im Internet geht. Nicht selten führt die Namenswahl beim Nachwuchs zu Uneinigkeit bei den Eltern, mancher Mal gar zum Streit. Dazu kam es bei einer Namenssuche im Alerheimer Gemeinderat am Dienstag nicht, dort herrschte nur Ratlosigkeit. Allerdings beratschlagten die Räte nicht den Namen eines Kindes, sondern um die Straße im zukünftigen Wohngebiet „Westlich der Schule“.

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Dort liegt ein Graben. Unklar ist, wie dieser heißt. In den Bestandsdaten des Vermessungsamtes wird er mit „Lohgraben“ bezeichnet. Bürgermeister Christoph Schmid wollte sichergehen und erkundigte sich bei Senioren seiner Gemeinde. Lohgraben? Das sei keinem ein Begriff gewesen. Jedem sei der Graben als „Molkegraben“ bekannt.

Am Molkegraben? Schmid und eine große Mehrheit des Gemeinderats waren sich einig, dass das wohl kein schöner Name für eine Straße in einem neuen Wohngebiet sei. „Die meisten jungen Leute wissen doch nicht einmal, was Molke ist“, gab einer der Räte zu bedenken. Claudia Wagner hakte nach: „Aber wenn er im Sprachgebrauch Molkegraben heißt, wieso nennen wir ihn nicht so?“ – „Weil’s deppert klingt“, entgegnete ein anderer Rat. Der Name Lohgraben stieß aber auch nicht auf Begeisterung – schließlich kenne ihn ja niemand als Lohgraben. Naheliegend wäre noch der schlichte Name „Am Graben“. Auch der überzeugte die Räte nicht. Ulrich Murr teilte mit, dass ihm „Am Graben“ nicht gefalle. Schmid stellte fest: Diesen Namen gebe es tausende Male in Deutschland.

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An die Wand des Versammlungsraumes warf ein Beamer die Karte des Vermessungsamts. Sie zeigt neben dem Baugebiet eine Flur namens Brühl. „Am Brühl?“, schlug einer vor. Schmid legte Einspruch ein – von Namen mit Brühl solle man in Alerheim die Finger lassen – zu hoch sei das Risiko, es mit Bühl zu verwechseln. Weil sich niemand so recht mit einem der Namen anfreunden konnte, wurde die Entscheidung vertagt. Schmid schlug vor, beim nächsten Treffen über neue Vorschläge abzustimmen.

Anschließend wurde die Stimmung etwas ernster: Schmid berichtete von einem Treffen des Bayerischen Gemeindetags in Otting. Vor einigen Jahren hätte Alerheim nach dem Unwetter in Niederbayern gespendet – jetzt sei ein Dorf in der Nachbarschaft verwüstet worden. Es sei eigens ein Spendenkonto für die Ottinger Bürger eingerichtet worden. Der dortige Gemeinderat verteile die Gelder dann auf Grundlage einer Satzung an die in Not geratenen Bürger. „Ich beneide die Kollegen in Otting nicht um diese Aufgabe“, sagte Schmid. Seinen Gemeinderäten schlug er vor, dass die Gemeinde Alerheim 2500 Euro an die Ottinger Bürger spende. Das sei aber freiwillig, der Rat könne den Vorschlag natürlich auch ablehnen.

Bei den Räten herrschte zunächst Ruhe – erst als Schmid seine Überlegungen weiter ausführte, war vereinzelt zustimmendes Nicken zu sehen. Otting sei seines Wissens nach die kleinste Gemeinde im Donau-Ries, die sich aktiv mit Hochwasserschutz beschäftige habe, sagte Schmid. Das mache das Schicksal der Gemeinde umso bitterer. Ihm sei klar, dass man die 2500 Euro selbst gebrauchen könnte, sagte er – weh tue es Alerheim aber nicht, das Geld abzugeben. In Otting werde das Geld dringend benötigt. Schließlich beschloss der Gemeinderat die Spende.

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