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Artenschutz

14.08.2019

Raubvögel: So werden Wiesenweihen im Ries gerettet

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Die Wiesenweihe liebt Getreide und kilometerweite Ebenen. Das Ries ist ideal für den Raubvogel.
Bild: Bauer

Konrad Bauer hat bei Landwirten und Behörden ein effektives Schutz-Projekt initiiert. Wie er die Nester der Raubvögel findet.

Von der Wiesenweihe gibt es rund 400 Brutpaare in ganz Deutschland, 30 davon allein im Ries. 1998 war der Raubvogel mit gut einem Meter Spannweite, aber nur 280 Gramm Gewicht im Ries nahezu ausgestorben. Da beschloss Konrad Bauer, Kraftfahrer aus Marktoffingen, sich persönlich für diese seltenen Vögel einzusetzen. Dazu hält er ab Mitte April Ausschau, wenn die Wiesenweihen von der Überwinterung am südlichen Rand der Sahara zurückkehren. Ins Auge fallen ihm dann die ausgeprägten Balzflüge der Männchen, die ihn zu möglichen Brutstellen führen.

Hilfe mit Drohne und Wärmebildkamera

Seit 2012 setzt er eine Octocopter-Drohne mit Wärmebildkamera ein, um die Nester zu finden – zunächst sind es erst fünf bis sieben „Rohbaunester“, die sich das Weibchen zur Probe vom Männchen bauen lässt. Das Männchen wird auch auf sein Jagdtalent getestet und muss dem Weibchen dazu Brautgeschenke in Form von erbeuteten Mäusen, Echsen oder Kleinvögeln machen. „Es gibt auch Heiratsschwindlerinnen“, lacht Bauer, „die fressen sich satt, ohne auch nur ans Brüten zu denken.“

Ist eines der 30 Zentimeter großen Nester dann endgültig als Brutstätte ausgewählt, kommt Marco Edenhofner zum Einsatz: Er hat eine professionell ausgestattete Drohne, mit der er Videos macht, Eier und Junge aufnimmt. Edenhofner setzt sein Gerät unter anderem auch zur Kitzrettung ein, allein heuer konnte er vor dem Mähen rechtzeitig auf 50 junge Rehe aufmerksam machen. Ist das Nest identifiziert, werden Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt und der Landwirt, in dessen Feld das Nest liegt, informiert. „Wenn er kommt, wissen wir schon Bescheid“, sagt Martin Bschor, Betreiber der Biogasanlage in Großelfingen. „Dann fragt man nur noch: ‚Wie viele Nester?’ und ‚Wo?’“ Konrad Bauer merkt dazu an: „Ohne die Mitwirkung der Landwirte ginge das Ganze nicht. In 22 Jahren hat sich noch niemals einer von ihnen geweigert, bei der Schutzaktion mitzumachen.“

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Wiesenweihen retten im Getreidefeld

Konrad Bauer markiert dann im Getreidefeld ein Quadrat von fünfzig Metern Seitenlänge um das Nest mit Fahnen; für jedes Nest in einer eigenen Farbe. Es gibt generell zwei Getreidearten, die früh und dicht genug wachsen, um den Wiesenweihen Schutz zu bieten: In selteneren Fällen Wintergerste, zumeist aber Triticale, eine Futtergetreide-Kreuzung aus Weizen und Roggen, was auch gerne für Biogasanlagen verwendet wird.

Ist davon genug vorhanden, gibt es nicht nur Schutz, sondern auch viele Mäuse als Nahrung. Wiesenweihen bestehen auf großräumige, kilometerweite Übersicht um ihr Gelege, damit sie Nesträuber wie Füchse erkennen. Eine flache Landschaft wie das Ries ist dafür ideal; sie darf keine Erhöhungen wie Bäume oder Heckensäume aufweisen. Deshalb würde eine Brücke über die B25 im Revier der Wiesenweihen bei Balgheim und Reimlingen die Vögel auch vertreiben.

Markierte Getreide-Quadrate werden nicht gemäht

Mähen und häckseln die Landwirte dann Ende Juni bis Anfang Juli, lassen sie die markierten Getreide-Quadrate stehen und ernten sie erst im August ab, wenn die Jungvögel flügge sind und das Nest verlassen haben. „Natürlich ist das ein zusätzlicher Aufwand, beim Häckseln nicht in Bahnen fahren zu können und dann noch einmal extra das Getreide aus den Schutzzonen einzubringen“, sagt Friedrich Bschor, Senior der Biogasanlage Großelfingen. „Aber wir Landwirte tun das gerne für die Vögel; trotz aller derzeitiger Schlagzeilen liegen uns Natur und Artenvielfalt sehr am Herzen.“

Eigentlich wären die Schutzmaßnahmen von vielen Vorschriften und Genehmigungen begleitet. Doch Konrad Bauer, der 2013 vom Bayerischen Umweltministerium mit dem „Grünen Engel“ ausgezeichnet wurde, konnte die Regierung von Schwaben sowie die Naturschutzbehörde des Landratsamtes überzeugen, die formelle Abwicklung sowie eine Entschädigung für den Arbeitsaufwand so unkompliziert wie möglich zu halten – so sind Bauer, Landwirte und Behörden im Einklang mit den Wiesenweihen, die keine Hindernisse gebrauchen können.

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