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Nördlingen

08.01.2021

Rieser Fitnessstudios warten auf eine Perspektive

Spinning in der Fitness World Nördlingen – daran ist in absehbarer Zeit nicht zu denken.
Bild: Richard Lechner (Archivbild)

Plus Sportstudios und Trainingshallen versuchen mit Online-Angeboten und allerlei Aktionen ihre Mitglieder bei Laune zu halten. Drei Betreiber berichten von ihren Problemen im erneuten Lockdown.

Einer der beliebtesten Vorsätze zu Neujahr: endlich mehr Sport machen. Oder: endlich fitter werden. Selten werden Fitnessstudios so überrannt wie in den ersten Januar-Tagen. Nur dieses Jahr nicht. Seit Monaten befinden sich die Trainier-Tempel im Lockdown. Bereits der erste hat vielen schwer zugesetzt. Und jetzt? Drei Betreiber berichten.

Das Rieser Kraftwerk in Nördlingen ist nach dem Eigentümerwechsel ein noch junges Unternehmen. Geschäftsführerin ist Fabiola Hopp, der Schwerpunkt im Studio liegt auf funktionellem Krafttraining im Einzel- sowie im Gruppenbereich. Angeboten werden auch Mobilitäts-, Yoga-, Deepwork- und Cyclingkurse. Selbst jetzt im Lockdown stemmen die Sportler in ihren Wohnzimmern gemeinsam Gewichte, zur Not sind es eben Wasserflaschen in einem Rucksack. Zum neuen Jahr hat das Team mit der Hilfe von GPS-Daten einen Crosslauf entworfen, den die Mitglieder absolvieren können. Die Ideen sind vielfältig.

Der Lockdown hat massive Konsequenzen

Dennoch hat der Lockdown massive Konsequenzen. Fabiola Hopp musste Trainerinnen und Trainer zu 100 Prozent in Kurzarbeit schicken, Minijobber erhalten kein Kurzarbeitergeld. Glücklich schätzt sie sich über den Zusammenhalt im Team und darüber hinaus: „Ein Großteil der Mitglieder hält uns die Stange“, sagt die Geschäftsführerin. Vertragskündigungen gebe es trotzdem, gerade diejenigen beenden die Mitgliedschaft, die sich ausschließlich selbstständig auf der Trainingsfläche fitgehalten haben.

Über die staatlichen Finanzhilfen ist sie geteilter Meinung. „Den Leuten wird suggeriert, jedem Unternehmen wird geholfen.“ Doch das sei nicht der Fall. Von den Novemberhilfen seien erst 50 Prozent Ende Dezember ausgezahlt worden. Das decke nicht einmal die Fixkosten von zwei Wochen.

Um die Mitglieder zu motivieren und ein Gefühl von Zusammenhalt zu vermitteln, wurde das Equipment gegen eine Kaution verliehen. Es gibt täglich zwei Online-Kurse, Online-Cycling auf den verliehenen Rädern zu Hause funktioniert mit gemeinsamen Playlists und Videoübertragung ebenfalls.

Hopp: "Mein Team hält zusammen wie Pech und Schwefel"

Fabiola Hopps Perspektive? „Schwierig“, sagt sie. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Branche verändert. Es ist nicht absehbar, wie wir zurückkehren können.“ Vielleicht, so meint sie, gehören zu den neuen Standards irgendwann Luftreiniger und teure Umbaumaßnahmen. Der Blick nach vorn sei frustrierend. Sie geht nicht davon aus, dass Fitnessstudios vor Februar oder März die Türen öffnen dürfen.

Was ihr helfe, sei die Kraftwerks-Gemeinschaft. Der Zuspruch sei riesig. „Aus heiterem Himmel kommen seitenlange E-Mails mit süßen Worten, mein Team hält zusammen wie Pech und Schwefel“, sagt Fabiola Hopp.

Warten auf das Licht am Ende des Tunnels

Ähnlich ist die Situation in der Fitness World im EGM-Center in Nördlingen, wo auch Michaela und Jürgen Faller vor allem auf das Licht am Ende des Tunnels warten. „Nach den monatelangen Schließungen im vergangenen Jahr wird auch 2021 nicht einfach“, befürchtet Michaela Faller. Die Fitness World versuche zwar mit vielen Ideen die Mitglieder bei der Stange zu halten, aber Neukunden könne man in diesen Zeiten nicht gewinnen und auf die Dauer werde es auch Kündigungen geben, ist sich die Geschäftsführerin im Klaren. Man habe Trainingspläne verschickt, Online-Kurse auf Instagram angeboten und einen Großteil der transportablen Fitness-Geräte verliehen – und auf der Gegenseite auf die Mitgliedsbeiträge verzichtet. „Wie lange wir das allerdings noch in dieser Form durchhalten können, steht in den Sternen“, sagt Michaela Faller, zumal die versprochenen Überbrückungshilfen für November und Dezember bislang ausgeblieben seien. „Unser Steuerberater hat gerade mal eine Eingangsbestätigung des Antrags erhalten, mehr nicht. Die Versprechungen, dass die staatlichen Unterstützungen schnell und unbürokratisch fließen werden, sind ein Witz“, ärgert sich die Studiobesitzerin.

Ärztlich verordneter Reha-Sport ist ab Montag wieder möglich

Einziger Lichtblick sei in dieser schwierigen Phase, dass der ärztlich verordnete Reha-Sport ab dem kommenden Montag wieder möglich sei, sagt das Inhaber-Ehepaar. Seit Ende Oktober sind auch diese Einheiten nicht möglich gewesen, nun sollen sie wieder anlaufen. „Einige Kursteilnehmer haben uns schon angerufen, dass es ihnen richtig schlecht geht“, weiß Michaela Faller. 15 dieser 45-minütigen Reha-Einheiten kann die Fitness World wöchentlich anbieten. Sie finden unter strengen Hygiene-Auflagen (Mund-Nase-Schutz, Abstand, keine Benutzung der Umkleideräume etc.) für 10 bis 15 Personen im 200 Quadratmeter großen Übungsraum des Studios statt. Seit fünf Jahren bietet die Fitness World diese medizinischen Kurse an, für die die Trainer eine spezielle Zusatzausbildung absolviert haben.

Ein Ersatz für den normalen Trainingsbetrieb sei das weder finanziell noch sozial. „Uns fehlen die persönlichen Kontakte, wir vermissen unsere Mitglieder sehr“, sagen die Fallers.

Dischinger: "Ein hartes Stück Arbeit, die Kunden wiederzugewinnen"

Das Cowabanga in Deiningen ist in der zweiten Corona-Welle seit dem 13. November geschlossen, insgesamt 63 Tage waren es im Frühjahr. Inhaber Hans Dischinger bietet in normalen Zeiten ein vielfältiges Programm an, neben Tennis, Badminton, Squash und Klettern auch ein Fitnessstudio mit rund 250 Mitgliedern, Aerobic und Zumba in Zusammenarbeit mit der VHS Nördlingen, Kletterkurse, Kindergeburtstage, Dart-Ligaspiele oder private Veranstaltungen. Nichts davon findet derzeit statt, allein 2020 habe der Umsatzrückgang 30 Prozent betragen, sagt Dischinger. Und 2021 sei ein Ende des Lockdowns nicht in Sicht.

Dischinger hat rechtzeitig mit den Banken gesprochen, um eine existenzbedrohende Krise zu vermeiden. Aber endlos könne er auch nicht von der Substanz leben, zumal die Finanzhilfen stocken: „Von den versprochenen 75 Prozent ist im Dezember gerade mal die Hälfte gekommen. Das reicht gerade so, dass der Diesel bezahlt ist.“

„Durch sich ständig ändernde gesetzlichen Regelungen ist das Publikum weggeblieben. Es wird ein hartes Stück Arbeit, nach dem Ende des Lockdowns die Kunden wiederzugewinnen“, fürchtet Dischinger. Einer wird ihm bestimmt bleiben: Ein zehnjähriger Bub aus Oettingen darf auch im Lockdown Tennis spielen, weil er Mitglied eines Auswahlkaders ist. Er kommt einmal in der Woche für zwei Stunden ...

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