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Fußball

03.09.2020

Rieser Fußballvereine: Der BFV gerät in die Kritik

Wann geht es für die Amateurfußballer in Bayern weiter? Diese Frage ist immer noch nicht geklärt.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Plus Wann beginnt die neue Fußball-Saison? Der BFV sieht zwar die bayerische Staatsregierung am Zug, aber in unserer aktuellen Vereinsumfrage werden auch Forderungen an die Verbandsfunktionäre laut. Ein Überblick.

Richtig daran geglaubt haben wohl die wenigsten, und sie sehen sich jetzt bestätigt. Eigentlich sollten die Amateurfußballer in Bayern am 5./6. September die Saison fortsetzen. Doch wenn überhaupt, muss derzeit von einem Neustart frühestens im Oktober ausgegangen werden.

Der Schlagabtausch zwischen dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) und der Staatsregierung wird womöglich vor Gericht ausgefochten. Nachdem die Amateurkicker in Bayern nach der Entscheidung der Staatsregierung erneut hingehalten wurden, sickerte durch, dass der BFV nun den Klageweg beschreiten möchte. Allerdings wollen Präsident Dr. Rainer Koch und sein Vorstandsteam diese Entscheidung nicht alleine fällen, sondern die Vereine sollen darüber abstimmen, ob juristisch vorgegangen wird.

Umfrage unter den Vereinen

Folgende drei Fragen werden in der Online-Umfrage zur Abstimmung gestellt:

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  1. Halten Sie diese Entscheidung der Staatsregierung, Wettkampfspiele im bayerischen Amateurfußball nach wie vor nicht zu erlauben und auch keine Zuschauer in begrenztem Umfang zuzulassen, für richtig?
  2. Wollen Sie, dass der Wettkampfspielbetrieb im Jahr 2020 baldmöglichst wieder aufgenommen wird und der BFV sich dafür einsetzt?
  3. Soll der BFV rechtlich gegen das Verbot des Wettkampfspielbetriebs im Amateurfußball vorgehen und gegebenenfalls gerichtlich Gleichbehandlung mit Freiluft-Kulturveranstaltungen analog § 21 Abs. 2 der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geltend machen?

Der BFV will die Umfrage am Montag auswerten, aufbereiten und noch rechtzeitig vor der nächsten Sitzung des Ministerrats am Dienstag, 8. September, veröffentlichen.

Vereinsvertreter- und Vereine über die Kontroversen

Was die Kontroverse für die Vereine bedeutet, darüber haben die Rieser Nachrichten mit Vereinsvertretern und Funktionären gesprochen.

Andreas Schröter, der Sportdirektor des TSV Nördlingen, sieht den Klageweg – in Übereinstimmung mit Abteilungsleiter Andreas Langer – sehr kritisch: „Das hätte sich der BFV früher überlegen müssen. Ich vermisse weiterhin eine klare Aussage, wie es für die Vereine weitergeht. Auch das angebliche Hygienekonzept des BFV liegt mir bis heute nicht vor.“ Man müsse sich auch Gedanken machen, wie es mit der Vorbereitung weitergehe: „Macht es Sinn, am kommenden Sonntag gegen Dittenheim zu spielen?“, fragt Schröter, der es auf einen kurzen Nenner bringt: „Wir fühlen uns vom BFV alleingelassen! Die Umfrage ist reiner Populismus.“ Für den Sportdirektor ist es auch schlichtweg undenkbar, ohne Zuschauer zu spielen: „Das sind für einen ordentlichen Haushalt unbedingt notwendige Einnahmen.“ Anders sieht Schröter die Situation im Jugendbereich, wo der Ausbildungsgedanke im Vordergrund stehe. „Wir werden weiterarbeiten, notfalls nur mit Freundschaftsspielen. Die Jugend darf uns auf keinen Fall wegbrechen“, so Schröter, der nicht nur Sportdirektor, sondern auch Trainer der U19 ist.

Andreas Schröter fühlt sich vom Verband alleingelassen.

Lars Rau, der Abteilungsleiter der SG Alerheim, muss sich wegen der Umfrage des BFV erst noch mit weiteren Vereinsfunktionären absprechen. Er berichtet von einer weiterhin guten Stimmung im Verein, die Trainingsbeteiligung sei gut. „Wir haben inzwischen neue Testspiele vereinbart. Ich gehe davon aus, dass vor Oktober nicht gespielt werden darf, aber eine weitere Verschiebung ist nicht hinnehmbar. Es ist ohnehin eine paradoxe Situation: Im wenige Kilometer entfernten Württemberg finden bereits Punkt- und Pokalspiele vor Zuschauern statt und in Bayern sind selbst bei Testspielen keine Zuschauer erlaubt.“

Lars Rau glaubt nicht an einen Punktspielstart vor Oktober.

Lösung in Württemberg besser als der bayerische Weg

Einer der in Württemberg (Utzmemmingen) wohnt, aber in Bayern spielt, ist Heiko Rieß, der Spielertrainer der SG Großsorheim/Hoppingen. Er findet die Lösung in Württemberg mit Abbruch der Saison 2019/2020 und regulärem Start der Saison 2020/2021 mit bis zu 499 Zuschauern optimal und besser als die bayerische Lösung. „Als Trainer ist die Situation schwierig, weil man nicht weiß, zu welchem Zeitpunkt die Mannschaft fit sein soll. Und Woche für Woche nur Freundschaftsspiele macht keinen Fußballer zufrieden“, meint Rieß, der gerne seinen prominenten Neuzugang (Robert Strauß vom 1. FC Heidenheim) einsetzen möchte, der nicht nur als Standby-Spieler agiert, aber nur am Freitag trainieren kann.

Heiko Rieß bezeichnet die Situation aus der Sicht des Trainers als schwierig.

Auch Stefan Röttinger, der 1. Vorstand des FSV Utzwingen und auch aktiver Fußballer in der Ersten, muss sich wegen des virtuellen Urnengangs erst noch mit seinen Vorstandskollegen absprechen. Er selber neigt dazu, dem BFV-Vorschlag auf eine Klage zuzustimmen. Auch er berichtet von einer guten Stimmungslage bei Trainer und Spielern. „Wir würden gerne wieder Punktspiele bestreiten. Die Hygienevorgaben sind schon ohne Zuschauer schwierig, aber sie sind richtig. Allerdings besteht ein Akzeptanzproblem in der Bevölkerung“, sagt Röttinger, der schon froh wäre, wenn man dieses Jahr überhaupt noch spielen darf.

Stefan Röttinger neigt dazu, den BFV zur Klage zu ermuntern.

Heiko Greiner, der Abteilungsleiter des SV Holzkirchen, ist für die Gleichbehandlung des Amateurfußballs mit anderen Freiluft-Kulturveranstaltungen: „Ich habe wenig Bedenken, wenn auf weitläufigen Sportplätzen bis zu 200 Zuschauer unter Einhaltung der Abstandsregeln anwesend sind.“ Ein Spielbetrieb mache nur Sinn, wenn auch Zuschauer da sind, zumal jeder Verein mit den Einnahmen plane, so Greiner. Die Stimmung in der Mannschaft sei gut, was sich aber schnell ändern könne, wenn weitere Verzögerungen eintreten. „Es fehlt ein fixer Zeitpunkt, wann es wieder losgeht“, hofft Greiner auf baldige Klarheit, notfalls durch eine Gerichtsentscheidung.

Heiko Greiner findet, dass ein Spielbetrieb nur mit Zuschauern Sinn macht.

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