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Nördlingen

08.12.2016

Rieserisch liegt im Trend

Der Dialekt hat in den letzten Jahren eine Aufwertung erfahren. Auch an Schulen in der Region darf mehr Mundart gesprochen werden.

Mundart war lange verpönt, Hochdeutsch erwünscht. Das hat sich geändert. Neuere Studien zeigen, dass Dialektsprecher manchmal sogar einen Vorteil in der Schule haben.

Das Ries ist eine interessante Region für Wissenschaftler, nicht nur wegen des Kraters. Für Sprachforscher Klaus Wolf ist die Region „ein Musterbeispiel“. Denn im Ries treffen Einflüsse des bayerischen, schwäbischen und fränkischen Dialekts aufeinander, wie der Professor Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit an der Universität Augsburg erläutert. Wolf setzt sich unter anderem mit dem Wettbewerb Mundart Wertvoll für den Erhalt von Dialekten ein.

So viel Wertschätzung für Mundart gab es nicht immer. In den Siebzigern musste der heutige Kreisheimatpfleger und damalige Grundschullehrer Herbert Dettweiler seine Schüler noch zum Hochdeutschsprechen erziehen, berichtet er. Das habe sich inzwischen geändert, sagt Wolf. Vom Kultusministerium kommt die Empfehlung, den Dialekt im Unterricht zu fördern. Denn Dialekt gilt heute nicht mehr als falsche Sprache, sondern als eine andere Sprache, die aber die gleiche Daseinsberechtigung hat, wie das Hochdeutsche, erklärt Wolf. Doch wie gehen die Schulen in der Region mit Schülern um, die Dialekt sprechen?

In Wemding freut man sich darüber. „Nach meiner Erfahrung tun sich diese Kinder leichter mit Fremdsprachen“, sagt die Konrektorin der Anton-Jaumann-Realschule, Alexandra Waschner-Probst. Der Augsburger Professor Wolf bestätigt diese Beobachtung. Eine Reihe von Studien habe gezeigt, dass der Dialekt einen ähnliche Einfluss hat, wie die zweite Sprache bei bilingual erzogenen Kindern. Die Unterrichtssprache darf in Wemding gerne eine regionale Färbung haben, bei Schülern wie bei Lehrern. Dass Hochdeutsch die Schriftsprache sei, müsse aber immer wieder geübt und klar gemacht werden. In ihrem Deutschunterricht ist Mundart immer wieder Thema. So hat es das Kultusministerium im Lehrplan festgelegt. Waschner-Probst hat die Beobachtung gemacht, dass der Dialekt immer mehr einer Umgangssprache mit dialektaler Färbung weicht.

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Eine ähnliche Strategie wird auch am Gymnasium in Nördlingen verfolgt. Der Dialekt in all seinen Varianten soll natürlich erhalten, gepflegt und gefördert werden, sagt Englisch- und Geografielehrer Marcus Aunkofer. Aber: „Es darf dem korrekten Gebrauch der Muttersprache in Wort und Schrift nicht allzu sehr entgegenstehen.“ In der Praxis bedeutet das, dass zum Beispiel in den mündlichen Abiturprüfungen und bei Präsentationen Hochdeutsch erwartet wird.

Die Kinder lernen Lieder und Gedichte in Mundart

In Amerdingen sprechen die meisten Grundschüler Dialekt. Und dürfen das auch, sagt Schulleiter Edmund Ratka. „Wir pflegen die Mundart, indem wir mit den Schülern Rieser Volkslieder und Gedichte einüben.“ Hochdeutsch lernen die Kinder dann automatisch, beispielsweise beim Lesen. Referate werden da unter Umständen zu eigentümlichen Mischungen aus Hochdeutsch und Dialekt. Die Kinder bemühen sich, Hochdeutsch zu sprechen, und doch rutscht immer wieder ein Dialektwort durch. Weil die Schüler Hochdeutsch lernen müssen, ist Ratka streng, wenn es um auswendig gelernte hochdeutsche Texte geht. Beispielsweise beim Krippenspiel. Da muss die Aussprache stimmen.

An der Hans-Schäuffelin-Grundschule in Nördlingen hört man kaum Dialekt. Das hat aber rein praktische Gründe. „Wir sind eine Stadtschule mit hohem Migrantenanteil“, sagt Schulleiterin Johanna Eberhardt. Damit alle Schüler dem Unterricht folgen können, muss Hochdeutsch gesprochen werden. Dennoch, ihr selbst liegt viel an der Rieser Sprechweise. Mit Mundartgedichten zu Weihnachten oder anderen Anlässen versucht Eberhardt, zumindest punktuell, den heimischen Dialekt in der Schule unterzubringen. Auch Dettweiler hat Gedichte verwendet, um seinen Schülern Dialekt nahezubringen: Denn wer versucht, ein Mundartgedicht auf Hochdeutsch wiederzugeben, wird schnell an seine Grenzen stoßen. Er freut sich darüber, dass der Dialekt an Schulen heute oft wieder offiziell gesprochen werden darf.

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