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Festtage

05.06.2018

Rosettis geistliche Musik

In der Klosterkirche der ehemaligen Abtei Kirchheim am Ries fand das geistliche Konzert der Internationalen Rosetti-Festtage statt – mit einer „Messe F-Dur“ von Antonio Rosetti, aufgeführt von dem Vokalensemble „Becker-Psalter“ und der „Musica obligata“ mit historischen Instrumenten. Der Leiter des Konzerts war Andreas Becker vom Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg.
Bild: Ernst Mayer

Begeisterter Beifall bei Konzert in der Klosterkirche in Kirchheim am Ries

Traditionsgemäß gehört zu den Rosetti-Festtagen ein Konzert mit geistlichen Werken Rosettis. Darum ist der Auftritt des Vokalensembles „Beckerpsalter“ aus Augsburg mit dem Ensemble „Musica obligata“ mit historischen Instrumenten in der Klosterkirche von Kirchheim ein unverzichtbares Ereignis.

Diese Zusammenarbeit bildet eine passende Verbindung für ihr gemeinsames Ziel, vergessene Werke zu entdecken und zur Wiederaufführung zu bringen. Sie sind damit ideale Partner für die Internationale Rosetti-Gesellschaft, die sich demselben Zweck verpflichtet sieht.

Darum hätte es kaum ein besseres Projekt geben können, als die „Messe F-Dur“ von Antonio Rosetti nach über 200 Jahren mit diesen Ensembles zur Wiederaufführung zu bringen. Von Naturhörnern gewichtig unterstützt begann es mit einem prächtigen „Kyrie“, dem die beiden exzellent gespielten Naturhörner entsprechenden Glanz gaben. Der Chor aus jeweils mit zwei Personen besetzten Stimmen bot einen kompakten Zusammenklang und überraschte mit einem Klangvolumen, das den Beweis liefert, dass ein Gesangsensemble mit acht geschulten Sängerinnen und Sängern einen Kirchenraum akustisch prächtig ausfüllen kann und den Gesang in Dynamik mit absolut sicherer Intonation kultiviert. Damit erfuhr der Lobgesang „Gloria in excelsis“ eine erhabene Wirkung, zumal er noch von den Naturtrompeten einfühlsam unterstützt wird.

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Der Verzicht auf die Oboen zugunsten der Traversflöten schaffte einen warmen Orchesterklang, der den Chorsolisten zugutekam und der Arie „Deus rex coelestis“ der Altistin Homogenität von Stimme und Instrumentenklang verhilft und beim Duo von Tenor und Alt deren schmückende Koloraturen begleitet. Der Klang der historischen Instrumente verlieh den Chorpassagen einen subtilen Klang, sodass die frischen, ungekünstelten Stimmen der jungen Choristen deutlich zur Geltung kamen, ob in Quartett, Duett oder einzeln in den Soloparts. Ein freudiges, fast tänzerisches „Dona nobis!“ rundete die Messe ab und wurde von den Zuhörern mit Beifall und Hochachtung vor Rosettis Kirchenmusik gewürdigt.

In Rosettis Zeit hat der böhmische Komponist Jan Koeluh in der geistlichen Musik in Prag eine bedeutende Rolle gespielt, was Andreas Becker, der Leiter des Konzerts, durch das ins Programm genommene „Justorum animae“ dokumentiert, ein Tenorsolo mit Choreinwürfen und einem aparten Spiel der hervorragenden Streichergruppe. Mit exaktem Dirigat gestaltet er die thematischen und musikalischen Inhalte.

Eine junge Hornistin glänzte in Mozarts „Et incarnatus“ damit, wie sie ihrem ventillosen Instrument durch „Stopfen“ (Hand in den Schalltrichter stecken!) die sonst unspielbaren Töne entlockt und im Wechsel mit der Altstimme raffiniert zusammenspielt. Vom Intendanten der Wallersteiner Hofkapelle, Ignaz von Beeke, stammte das folgende „Alma Redemptoris“, ein Duett für Sopran und Tenor, und ein behutsamer Choreinsatz.

Eine besondere Überraschung des Konzerts war die „Messe D-Dur“ des Wieners Leopold Hofmann. Wie auch alle übrigen Werke des Programms fiel auch sie fast 250 Jahre dem Vergessen anheim, was angesichts der interessanten Musik kaum verständlich ist, bei einem solch virtuosen Cello-Solo, tollen Flötensoli, wunderbar verinnerlichtem Violinsolo und farbigen Akzenten der Blechbläser, alles bestens zusammengehalten vom Organisten, Kontrabassisten und dem umsichtigen, souveränen Dirigenten Andreas Becker.

Das hält die Zuhörer in Bann, –trotz der stündlichen Glockenschläge, trotz eines Feuerfehlalarms und drohender Gewitterblitze –, und ließ sie in stehenden Ovationen ihren begeisterten Beifall spenden.

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