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17.07.2010

Rüscherl-Leichen und Weißwurst-Drink

Nördlingen "So schee kons Lebn sei" - so lautet der Titel des aktuellen Programms der Kabarettistin Martina Schwarzmann, der sich ohne Einschränkungen auch auf deren Auftritt beim Nördlinger Kleinkunst-Open-Air übertragen lässt. Jedenfalls servierte die Oberbayerin den mehr als 700 Besuchern auf dem Marktplatz ein deftiges Kabarett-Programm.

In Schwarzmanns Liedern, Gedichten und Texten - durchgängig in bayerischer Mundart - geht es um die lustigen und tragischen Dinge des Alltags, so richtig aus dem prallen Leben gegriffen. Wer hat, wie bei "Traurig, aber wahr", noch nicht festgestellt, dass die Partys früher einfach besser waren. Als man die "Rüscherl-Leichen" noch mit Edding-Botschaften verzierte oder mit ihnen "Erdnuss-Flip-Mikado" spielte.

Kritische Substanz

Dabei steckt durchaus kritische Substanz in den humorvollen Texten, etwa wenn der "Metzgerwirt von Koanamfing" in Existenznöte gerät. Weil er von den "Apfelschorle-Zuzzlern" allein nicht leben kann, zumal "der Trend eher weggeht vom Pressack als Lifestyle-Food". Also wird kurzerhand das Geschäftsmodell den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft angepasst: die Traditions-Wirtschaft mutiert zum Wellness-Hotel und den Gästen wird auf dem "Brotzeitteller Yin und Yang" der gewünschte "Tofu-Soja-Dreck" serviert.

Rüscherl-Leichen und Weißwurst-Drink

Reichlich Autobiographisches vom Leben auf dem Dorf ist verarbeitet, wenn Martina Schwarzmann von ihrer Jugend als "Bikerin der untersten Kategorie" (Automatik-Mofa) erzählt, vom falschen Vornamen als Ursache für erheblichen "Verdienstausfall", oder von der richtigen Berufswahl: "Ois Köchin konnst gor net so greislich sei, dass d' koan kriagst!"

Was macht die Texte der Kabarettistin so typisch? Viel bayerische Wesensart steckt darin: reichlich schwarzer Humor, häufig ein Schuss Anarchie und bisweilen ein Hauch Melancholie. Wundersam vereint etwa im zunächst nachdenklichen "Auswandererlied", in dem der despotische Vater den "Klezn-Sepp und sein Veverl" vertreibt, und die Zuhörer am Ende Glück haben, dass statt Martina Schwarzmann nicht Paris Hilton auf der Bühne steht.

Bekennende Wiesn-Gängerin

Mit Lässigkeit begegnet sie auch den Tücken einer Freiluftveranstaltung: Weder Storch noch Mofafahrer oder Türmer bringen sie aus dem Takt. So schwadroniert die bekennende Wiesn-Gängerin, wie man "Fischsemmel-Roulette" spielt und den Japanern im Bierzelt weismacht, dass es "guter bayerischer Brauch ist, das Weißwurst-Wasser mitzutrinken". Oder wie die Volksweisheit "Wos'd da daheirat'st, brauch'st da net daarbat'n" mit knallharter Konsequenz zu Ende gedacht wird: "Wo heart des Ehebett auf und wo fangt da Straß'nstrich o'?"

Martina Schwarzmann zeigt in Nördlingen Musik-Kabarett der besten Sorte: Mal respektlos, derb und krachend, mal hintersinnig und subtil. Eine Zugabe erklatschen sich die restlos begeisterten Besucher am Schluss. Dabei findet der "König vom Wertstoffhof" sein verdientes Ende - leider auch die Vorstellung, das aufziehende Sommergewitter verhindert weiteren Nachschlag.

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