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Nördlingen

13.02.2018

Russische Dimensionen im Ries

Ilona Then Bergh (Violine), Michael Schäfer (Piano) und Wen-Sinn Yang (Cello) präsentierten ihre individuelle Auswahl von Werken großer Künstler.
Bild: Zuber

Bei „Klassik im Ries“ war ein Tschaikowsky-Klaviertrio der Höhepunkt des Abends.

Mit Freude am Spiel und Leichtigkeit trotz anspruchsvollster Werke hat sich das Trio „Then-Bergh – Yang – Schäfer“ in Nördlingen präsentiert. Sperrig war an diesem Abend nur der Name des Künstler-Trios, denn mit ihrer sympathischen und natürlich-leichten Art hatten die drei Musikprofessoren an Violine, Violoncello und Piano das Publikum schnell für sich gewonnen.

Ilona Then-Bergh, Wen-Sinn Yang und Michael Schäfer haben alle drei eine Professur an der Hochschule für Musik und Theater in München inne. Alle drei sind hervorragende Solo-Künstler und haben sich in der Formation als Klaviertrio vorgenommen, gerade auch unbekanntere und selten gespielte Werke dieser Gattung aufzuführen. Dass diese drei Professoren und Solokünstler keine Einzelkämpfer sind und stattdessen einen einheitlichen Klangkörper bilden, war vom ersten Bogenstrich an klar. Bei Joseph Haydns Trio in C-Dur, einem seltener gespielten Trio eines bekannten Komponisten, arbeiteten sie die kompositorische Originalität sehr gut heraus: ein spritziger Auftakt, dann ein getragenes Andante, ohne wirklich traurig zu sein. Die dramatischen Streicher-Partien werden durch das perlende Piano immer wieder relativiert. Im abschließenden Presto geht das Piano voraus, die Streicher antworten. Es geht hin und her in hohem Tempo.

Auch bei Felix Mendelssohn-Bartholdy setzen sie wieder auf ihren persönlichen Favoriten. „Das zweite Trio gefällt uns besser als das bekannte erste Trio“, sagt Cellist Yang. Die individuelle Auswahl des Trio in C-moll kommt auch hier beim Publikum gut an. Der erste Satz „con fuoco“ ist sehr energisch und dramatisch, die Klänge strömen durch den Raum. Kaum zu glauben, dass nur drei Instrumente gespielt werden und diesen schwebenden Klang erzeugen. Im Andante zeigt Pianist Michael Schäfer sein volles Können, im Finale wechselt Mendelssohn Bartholdy nach C-Dur. Der Applaus zeigt, dass das Publikum mit der Auswahl und der Präsentation des Werkes mehr als zufrieden war.

Nach der Pause steht Tschaikowsky auf dem Programm: Das Trio in A-moll ist „lang für mitteleuropäische Verhältnisse“, kündigt Yang an. Die „slawische Dimension“ sei der großen russischen Seele geschuldet. Tschaikowsky hat das Trio nach dem Tod seines Freundes Nikolaj Rubinstein geschrieben, obwohl er diese Gattung zuvor kategorisch abgelehnt hatte. Das Trio in A-moll wurde jedoch ein monumentales Werk. Über 45 Minuten wechseln sich solistische Passagen mit Zusammenspiel ab. Es ist lang, aber definitiv nicht langweilig. Wie lange mag Tschaikowsky daran gearbeitet haben? Tage und Wochen? Verschiedenste Stimmungen fließen ein, elegische Passagen, aber auch schnelle und peitschende Rhythmen. Ein toller Auftakt im Tschaikowsky-Jahr – vor 125 Jahren starb der große russische Komponist. Mit langem Applaus verabschiedet das Nördlinger Publikum die drei Künstler.

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