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Nördlingen

24.01.2017

Schauspielmanufaktur: Sketche ohne feste Texte

Das Improvisationstheater „Kanonenfutter“ war in der Schauspielmanufaktur in Nördlingen und präsentierte dort großen Spieleifer.
Bild: aku

Das Improvisationstheater „Kanonenfutter“ gibt ein Gastspiel im Nördlinger Rotochsenkeller. Dabei fiel dem Publikum durchaus eine entscheidende Rolle zu.

Haben Sie schon mal versucht, beim Sprechen auf Adjektive zu verzichten? Oder auf alle Wörter, die mit dem Buchstaben D beginnen? Natürlich nicht, wozu auch? Vermutlich sind Sie nämlich nicht im Ensemble eines Improvisationstheaters, bei dem genau diese Fähigkeiten gefragt sein können. Die junge Stuttgarter Impro-Truppe „Kanonenfutter“ gastierte in der Nördlinger Schauspielmanufaktur und gab den zahlreichen Besuchern eine Kostprobe ihres darstellerischen und sprachlichen Könnens.

Das Improvisationstheater wird deshalb als solches bezeichnet, weil es für die Schauspieler keine festen Rollen und Texte gibt – vielmehr müssen diese spontan auf Stichwörter und Vorgaben reagieren und dies unmittelbar auf der Bühne umsetzen. Eine entscheidende Rolle fällt dabei dem Publikum zu, so wie beim ersten Spiel: Ein Zuschauer gibt den Buchstaben C vor, woraus die anderen den Titel „Cäcilie chillt“ für den folgenden Kettentext ableiten. Macht ein Akteur einen Fehler, stirbt er sofort den von den Besuchern gewählten Bühnentod.

Das Publikum ist sofort mit Leidenschaft dabei und lässt beim folgenden Dating-Sketch den Protagonisten nicht nur imaginäre weiße Tennissocken tragen, sondern er muss sein Werben einmal in Reimform und im zweiten Versuch als Ausdruckstanz vortragen. Ideenreich wird sodann eine „Pressekonferenz“ umgesetzt, bei der die von Journalisten befragte Wissenschaftlerin erraten muss, was sie denn nun eigentlich erfunden hat. Und bei der anschließenden „CD-Präsentation“ zum Stichwort „Bass“ sprudeln die irrwitzigsten Songtitel nur so hervor, inklusive einer „Ode an die tiefen Frequenzen“.

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„Kanonenfutter“ ist eine von zwei Theatergruppen an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Das Ensemble besteht großteils aus Studenten, denen das Theaterspielen einfach Spaß macht. Vom insgesamt zwölfköpfigen Ensemble stehen in Nördlingen zwei weibliche und vier männliche Schauspieler sowie zwei Musiker auf der Bühne. Eine der Darstellerinnen ist die Rieserin Sara Rehm, die auch den Kontakt zu Theaterleiter Nico Jilka hergestellt und den Auftritt in der Schauspielmanufaktur vorbereitet hat.

Auch der zweite Teil des Abends basiert auf dem bekannten Strickmuster. Das Publikum wünscht den „griechischen Starregisseur Jose Papadopolos“ auf die Bühne, der zwei Szenen aus seinem Blockbuster „Die Liebe vergeht nie“ proben lässt. Und kein geringerer als Donald Trump steht danach im Fokus einer Podiumsdiskussion („Make Potatoes Great Again!“). Natürlich muss man bei einem Impro-Theater in Kauf nehmen, dass sich eine maue Story verselbstständigt und zum albernen Klamauk gerät. So wie die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, welcher aus dem für das kranke Einhorn „Fluffy“ lebensrettenden Softeis besteht.

Zudem wäre so manche Szene sicherlich pfiffiger geraten, wären einige Stichworte und Beiträge aus dem Publikum einfallsreicher und origineller gewesen.

Doch die Truppe lässt sich davon in ihrem Spieleifer nicht bremsen und am Ende entsteht aus dem Stichwort „Heckenschere“ sogar noch ein richtiger Ohrwurm („Mir kommt nichts in die Quere …“). In Erinnerung bleibt ein kurzweiliger, unterhaltsamer und lustiger Abend mit einer ebenso kreativen wie motivierten jungen Spielschar, die mit ihrem Gastspiel einen kräftigen Farbtupfer ins Programm der Schauspielmanufaktur setzte und nach einer Zugabe zu Recht mit kräftigem Applaus verabschiedet wurde. (aku)

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