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Umwelt

08.05.2015

Schnepfe mit Zauberschnabel

Meist steht die Bekassine bis zum Bauch im Wasser. Der beeindruckende Vogel ist bis auf einzelne Brutpaare aus dem Ries verschwunden.
Bild: Helmut Partsch

Die Bekassine ist der Vogel des Monats. Sie verfügt über erstaunliche Fähigkeiten. Unter anderem kann sie meckern – und dazu hat sie allen Grund

Bécasse ist Französisch und heißt Schnepfe. Bekassine bedeutet also kleine Schnepfe. Sie ist der Vogel des Monats April.

Die Bekassine ist taubengroß und zählt damit zu den kleineren Schnepfenvögeln. Ihr Schnabel ist allerdings bemerkenswert: Er ist sieben Zentimeter lang – ein wahres Hightechwerkzeug und darauf ausgelegt, dass die Bekassine im Boden nach Nahrung suchen kann. Sie kann dabei gleichzeitig stochern sowie Beute orten und ertasten. Der Oberschnabel ist biegsam, sodass die Bekassine Beutetiere verschlucken kann, ohne den Schnabel aus dem Boden ziehen zu müssen. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen Kleintiere der oberen Bodenschichten wie Schnecken, Regenwürmer und Insektenlaven. Auch pflanzliche Nahrung nimmt die Schnepfe zu sich.

Abgesehen von ihrem langen, geraden Schnabel ist die Bekassine eher unscheinbar. Sie hat kurze Beine und ein braunes Gefieder, wodurch sie am Boden sehr gut getarnt ist. Auf Kopf und Oberseite trägt sie markante, gelbliche Streifen, ihr Bauch ist weiß gefärbt. Sie verlässt sich, wenn Gefahr droht, zunächst auf ihre Tarnung und drückt sich an den Boden. Wenn die Bekassine Jungvögel führt und ihr ein Beutegreifer zu nah kommt, kann sie auch ihre Küken in Sicherheit bringen: Sie klemmt sie zwischen ihrem langen Schnabel und ihrem Bauch ein und fliegt so davon. Fast alle Säugetierarten haben Techniken entwickelt, ihre Jungtiere bei Gefahr in Sicherheit zu bringen. Bei Vögeln gibt es nur wenige Arten mit dieser Fähigkeit.

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Kann der Altvogel seinen Nachwuchs nicht schnell genug aus der Gefahrenzone bringen, täuscht er eine Verletzung vor und kriecht mit hängenden Flügeln davon. Auf diese Weise lenkt er potenzielle Beutegreifer von seinem Nachwuchs ab. Sobald der Beutegreifer das Interesse an den Jungvögeln verloren hat, ist der Altvogel plötzlich wieder gesund und fliegt davon. Dieses Verhalten nennt man „Verleiten“.

In Mitteleuropa brütete die Bekassine einst flächendeckend mit einem Schwerpunkt in der niederländisch-deutsch-polnischen Tiefebene. Heute ist sie vom Aussterben bedroht und daher nur noch selten zu beobachten.

Bekassinen leben am liebsten in Mooren und Feuchtgrünländern, wo sie mit ihrem Schnabel im weichen Boden nach Nahrung stochern können. Diese Lebensräume sind heute selten geworden und damit auch die Bekassine. Seit den 1970er-Jahren nimmt der Bestand der Bekassinen in Mitteleuropa stark ab. Hinzu kommt, dass jedes Jahr in der EU rund eine halbe Million Bekassinen geschossen werden.

Ob die Bekassine wohl deswegen meckert? Sie wird auch Himmelsziege genannt, weil während ihres Balzfluges ein meckernder Instrumentallaut zu vernehmen ist. Er entsteht dadurch, dass in der Abgleitphase ihrer wellenförmigen Flugbahn die abgespreizten äußeren Steuerfedern in Schwingungen geraten. Durch ihre abgespreizten Flügel wird der auf die Steuerfedern treffende Luftstrom öfter unterbrochen, wodurch das meckernde Geräusch entsteht. Bei den Bekassinen meckern die Männchen häufiger und länger. Der Ruf der Bekassine klingt wie ein „ätsch“, wie wenn man Gummistiefel aus dem Schlamm zieht. Im Ries brüteten noch bis 1965 etwa 60 Brutpaare in den Feuchtgebieten östlich der Wörnitz.

Die Absenkung der Wörnitz, die Verfüllung von Feuchtstrukturen in vielen Wiesengebieten und Entwässerungsmaßnahmen trugen dazu bei, dass die Bekassine bis auf einzelne Brutpaare im Wemdinger Ried aus dem Ries verschwunden ist. Gesicherte Nachweise im Landkreis gibt es noch in der Mertinger Höll. Auf Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushalts in geeigneten Lebensräumen reagiert die Bekassine sofort mit Bestandszunahmen, wie Erfahrungen aus Schutzprojekten zeigen.

Während ihres Zuges im Frühjahr und im Herbst ist die Bekassine im Ries noch häufiger zu beobachten. In den Wiesenbrütergebieten steht sie meist in Feuchtmulden bis zum Bauch im Wasser und stärkt sich für den Weiterflug.

ist Gebietsbetreuerin im Ries. Träger des Projektes sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds.

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