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06.06.2009

Seit 40 Jahren Hand in Hand

Nördlingen/Riom Als am Pfingstmontagabend die offizielle Delegation der Stadt mit Oberbürgermeister Hermann Faul an der Spitze in Nördlingen aus dem Bus stieg, waren durchweg zufriedene Gesichter zu sehen. Kein Wunder. Alle hatten gerade ein sonniges und sehr beeindruckendes Wochenende in der Auvergne erlebt.

Die offizielle Partnerschaftsfeier fand am Samstag, 30. Mai, im Haus der Vereine in Anwesenheit aller Partnerstädte von Riom statt. Der Saal war festlich mit den Flaggen aller europäischen Staaten geschmückt. Die Gäste und Gastgeber trugen rote Halstücher mit dem Aufdruck: "40e anniversaire du jumelage Nördlingen-Riom 2009".

Ein Reigen voller partnerschaftlicher Grußworte

Die Begrüßung der Gäste nahm Evelyne Julien-Palumbo vor; sie ist im Stadtrat für Partnerstädte verantwortlich und hat zusammen mit dem Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees Philippe Murat den Aufenthalt aller Gäste sorgfältig organisiert. Den Reigen der Grußworte eröffneten die Partnerstädte: Algemesi ( Spanien), Viana do Castelo ( Portugal), Zywiec ( Polen), der Adur District (West Sussex in England) und Nördlingen.

Seit 40 Jahren Hand in Hand

Oberbürgermeister Hermann Faul blickte auf eine lange Phase freundschaftlicher Beziehungen zurück. Eine Phase des Friedens, der Freiheit und der guten Zusammenarbeit, wie sie unseren Völkern vorher leider nicht vergönnt war. Dies sei vor allen Dingen den Städtepartnerschaften zu verdanken. Er ging auf die mutigen Männer der ersten Stunde ein, Dr. Guy Thomas und Dr. Hermann Keßler. Ihre Nachfolger im Amt Paul Kling, Jean Ehrard, Claude Liebermann, Pierre-Joël Bonte setzten dies mit der gleichen Energie fort. Natürlich hätten sich auch weitere Personen auf beiden Seiten hohe Verdienste erworben, Jean Virlogeux und Philippe Murat auf Riomer und Heiner Rommel, Peter Schiele und Klaus Rohder auf Nördlinger Seite. Nicht vergessen dürfe man die Verdienste bereits verstorbener Persönlichkeiten.

Ein Samenkorn, das eine stattliche Pflanze wurde

Bürger beider Städte hätten ihren Beitrag in Vereinen, Organisationen, Musikkapellen, Chören, Kirchengemeinden, Schulen geleistet. "Das Samenkorn, das vor nunmehr vier Jahrzehnten in die Erde gelegt wurde, ist zu einer stattlichen Pflanze herangewachsen, die viele Früchte trägt", sagte der OB und schloss seine Ausführungen mit der Einladung zur Feier in Nördlingen 2010 und dem Gruß "Grüß Gott - So G'sell so" - wie ihn 1967 schon Léon Bernet-Rollande formulierte.

Bürgermeister Jean-Claude Zicola, seit 1998 im Amt, fragte sich, wie er diese 40 Jahre zusammenfassen könne, ohne etwas zu vergessen. 40 Jahre Partnerschaft, Begegnung, Freundschaft, Frieden, 40 Jahre, um dieses Europa im Alltag zu schaffen. Er verbeuge sich vor den Gründern dieser Partnerschaft, erinnere aber auch an Otto Marcus und Karl Braun aus Nördlingen und Paul Thouvenin und Monique Delrieu aus Riom.

Ein Gespann, das Europa voranbringt

Mit Wehmut höre er noch die Klänge der Knabenkapelle im Frühjahr 1969 in den Straßen von Riom! Als überzeugter Europäer verglich Bürgermeister Zicola Deutschland und Frankreich mit einem Gespann, das Europa voranbringe. Freilich gebe es noch viel zu tun auf den Gebieten Wirtschaft, Sozialpolitik, Umweltschutz. Im Blick auf die morgige Wahl zum europäischen Parlament glaube er, dass trotz der Verschiedenheit in Sprache, Sitten, Gebräuchen, Institutionen ein Europa mit immer mehr Gemeinsamkeiten entstehe. Schließlich erinnerte Zicola an seinen vor zehn Jahren in Nördlingen ausgerufenen Satz: "Ich bin ein Nördlinger!" An OB Faul gewandt, formulierte er: "Sie sind ein echter Riomer geworden!"

Danach übergaben die Partnerstädte einander ihre Erinnerungsgeschenke. Hermann Faul brachte für Riom eine Platte aus Suevit mit der Aufschrift: "40 Jahre Nördlingen - Riom 1969-2009". Er überreichte auch eine Chronik, die Karl Braun verfasst und Catherine Bundschuh ins Französische übertragen hat. Der Autor dieser Dokumentation unter dem Titel "40 Jahre Städtepartnerschaft Nördlingen-Riom 1969-2009" stellte das 75-seitige Büchlein in französischer und deutscher Sprache vor.

Straße nach Geschwister Scholl benannt

Am späten Nachmittag trafen sich Gäste, Gastgeber und Bürger der Stadt zur Enthüllung eines Straßenschildes für die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Mitglieder der Weißen Rose 1943. Bürgermeister Zicola wies besonders darauf hin, dass die Straße gegenüber den Namen Maurice Berger trägt.

Dieser war 1942 Polizeibeamter in Riom und rettete das Leben eines jüdischen Kindes und einer achtköpfigen Familie; dafür wurde er nach Osteuropa deportiert und fand 1945 den Tod. Alle drei - die Geschwister Scholl und Maurice Berger - seien der Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit verpflichtet gewesen und hätten dafür ihr Leben gelassen.

OB Faul zeigte sich tief beeindruckt, dass in der französischen Partnerstadt eine Straße nach deutschen Widerstandskämpfern benannt wurde. "Die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten ist unser aller Aufgabe!" Nach der Enthüllung des Schildes intonierte die Stadtkapelle Riom die beiden Nationalhymnen und die Europahymne. Der Kammerchor St. Georg und der Chor von Riom sangen gemeinsam das Lied von den "Moorsoldaten".

Bürgermeister Zicola sorgt für Überraschung

Der Tag klang bei einem Abendessen aus, zu dem die Stadt in den Dumoulin-Saal geladen hatte. Auf dem Speiseplan standen einheimische Gerichte. Für die Unterhaltung sorgten junge Akkordeonspieler und es wurde fleißig getanzt. Bürgermeister Zicola sorgte noch für eine große Überraschung: die Verleihung der Bürgermedaille an Klaus Rohder. Die Sonntagsausgabe von "La Montagne" widmete dem ehemaligen Leiter der Tourist Information einen gesonderten Artikel. Bei einer anderen Gelegenheit bezeichnete ihn OB Faul als "Außenminister" Nördlingens und unermüdlichen Motor der Partnerschaften.

Der Pfingstsonntag stand ganz im Zeichen einer Premiere: Viele fleißige Helfer hatten unter der Regie von Joseph Pellizzaro ein Stadtfest organisiert. Die Geschäfte waren teilweise geöffnet, die Stadt für Autos gesperrt, viele Restaurants boten Essen zu günstigen Preisen, die Cafés waren gut gefüllt, ein Flohmarkt zog viele Menschen an. Auf Podien konnte man Tanz, Spiel, Theater verfolgen, für Kinder hat man sich etwas einfallen lassen. Sogar ein Chor aus Mitgliedern des Stadtrats trat auf. Somit wurden die Erwartungen der Verantwortlichen bei Weitem übertroffen.

Den feierlichen Abschluss des Pfingstsonntags bildete das Konzert des Kammerchors St. Georg in der Kirche Notre-Dame-du-Marthuret zusammen mit dem Chor von Riom. Das überaus gut besuchte Konzert wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und mit viel Beifall bedacht.

Bei der Verabschiedung der offiziellen Delegation aus Nördlingen und des Kammerchors St. Georg meinte Rioms Bürgermeister Zicola erleichtert, dass sie in den letzten 40 Jahren viel von den Nördlingern über Organisation von Großveranstaltungen gelernt hätten.

Alle mitgereisten Nördlinger waren sich einig, dass die Stadt Riom das Wochenende mit Bravour gemeistert hat und sie freuen sich bereits auf ein Wiedersehen im Ries im Jahr 2010.

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