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Porträt

25.02.2018

Sie hat Lesefreude vermittelt

Bücher, Bücher, Bücher – und mittendrin Monika Heckl. Die Leiterin der Megesheimer Bücherei ist nun verabschiedet worden.
Bild: Ronald Hummel

Monika Heckl war gerade mal 13 Jahre alt, als sie begann, in der Megesheimer Bücherei zu arbeiten. Nun wurde sie nach 40 Jahren verabschiedet.

Über eine Generation lang hat Monika Heckl in Megesheim vor allem Kindern die Seiten der Leselust eröffnet. Sie selbst war 13 Jahre alt und hieß damals noch Schneider, als Pfarrer Josef Felber Ende der 70er Jahre die damalige Pfarrbücherei neu aufstellte und motivierte Leute suchte, um sie zu betreiben. Bei der Tochter des Mesners war von vornherein ein enger Bezug zur Pfarrgemeinde da, als Schülerin hatte sie genug Zeit, und die Grundvoraussetzung als Leseratte war sowieso gegeben.

Also besuchte das Mädchen mit anderen Freundinnen an zwölf Samstagen in Weißenburg den „Basis 12-Kurs“ von der Diözese Eichstätt und dem Michaelsbund, lernte vom Einbinden zur Etiketten-Auflistung, vom systematischen Einstellen der Bücher bis zur Jahresstatistik alles über den Büchereibetrieb. Die ganze Zeit über hielt sie sich mit Schulungen, Seminaren, Kursen, Weiterbildungen oder Büchereitreffen auf dem Laufenden.

Über die Buchinhalte Bescheid zu wissen, kann man nicht in Kursen lernen: „Wer hier landet, liest selber sehr viel und kann die Interessierten auch beraten“, sagt Monika Heckl, die zuletzt von Elisabeth Lehner, Sabine Lechner, Sophie Lechner und Moritz Walter unterstützt wurde. Die Bücherei zog 1999 ins Pfarrhaus um, wird seitdem von Pfarrei und Gemeinde gleichermaßen als Gemeindebücherei mit derzeit fast 2800 Medien getragen. 2017 konnten 490 Besucher gezählt werden. Monika Heckl verließ immer wieder die Buchregal-Wände, um bei der wichtigsten Zielgruppe Lese-Pionierarbeit zu leisten. In Kindergarten und Schule war sie mit Aktionen präsent wie mit den „Lesegutscheinen“ – dabei konnten Schüler der ersten oder zweiten Klassen ein Buch gewinnen, wenn sie eine Höchstzahl von Ausleih-Stempeln vorwiesen. So etwas führte immer wieder zu Kettenreaktionen, man erzählte Freunden und Geschwistern von dem Bücherangebot, das vom Boden bis zur Decke reicht und brachte diese mit. Natürlich sind auch ganze Bücherwände für die erwachsenen Leser eingerichtet: Belletristik, Sachliteratur, Anleitungen für Garten, Heim und Handwerk, Bastelbücher, Biografien oder religiöse Bücher füllen einen eigenen Raum.

Ungebrochener Beliebtheit erfreuen sich nach wie vor Gesellschaftsspiele – dabei kommt das gemeinschaftliche Spieleerlebnis mit Freunden oder der Familie immer noch gegen flimmernde Video-Action an. So riss der Strom der jungen Ausleiher nie ab, wenn er auch in Zeiten von Computern, Videospielen und I-phones nachließ. Doch die modernen Zeiten brachten auch neue Initiativen wie das Antolin-Schulprogramm, das viele Kinder zum Lesen anspornte. Und nach wie vor liegt viel an den Eltern, die immer noch dahinter sind, ihre Kinder durch lesen zu fördern – längst ist jedermann bekannt, dass Leseratten in der Schule nachweislich bessere Leistungen bringen. Eines haben schließlich alle Schulfächer gemeinsam – das Lesen ist der Zugang zu den Inhalten und fördert das Verständnis und die Fantasie, die das Lernen erleichtern. Freilich musste Monika Heckl auch immer wissen, welche Lesestoffe gerade „in“ sind und sofort nach Erscheinen vom verfügbaren Budget angeschafft wurden. „Wenn man beispielsweise mit dem magischen Baumhaus, Greg’s Tagebuch oder den Harry-Potter-Bänden am Ball blieb, konnte man sich gegen die modernen Medien behaupten“, zeigte ihre langjährige Erfahrung. Jetzt überließ sie es vor allem jungen Müttern, den Draht zu den Kindern der Zeit und das Programm aktuell zu halten.

Vierzig Jahre, vier Pfarrer, zwei Bürgermeister, zwei Bücherei-Umzüge, eine Heirat, zwei Kinder und eine große Zahl an Mithelfern erlebte sie seit ihrem Amtsantritt, nun wurde sie von der Gemeinde ehrenvoll verabschiedet. „So ein langes Ehrenamt ist mit Geld nicht aufzuwiegen“, sagte Bürgermeister Karl Kolb und auch Pfarrer Thomas Swat und Monika Anslinger dankten ihr im Namen der Kirchengemeinde. Monika Heckl wird nach wie vor regelmäßig in der Bücherei präsent sein – um sich und ihre beiden Enkel mit Lesefutter zu versorgen.

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