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Politik

05.05.2020

Sie sind nicht mehr im Nördlinger Stadtrat

Am Abend ins Nördlinger Rathaus? Sieben bisherige Stadträte müssen sich jetzt nicht mehr auf den Weg machen, sie gehören dem neuen Gremium nicht an.
Bild: JOCHEN AUMANN

Plus In Nördlingen sind gleich mehrere bisherige Stadträte im neuen Gremium nicht mehr vertreten. Welches Fazit die sieben Männer und Frauen ziehen und was sie ihren Nachfolgern raten.

Der neue Nördlinger Stadtrat tagt am kommenden Donnerstag zum ersten Mal. Sieben Mitglieder des bisherigen Gremiums werden nicht mehr dabei sein, sie wurden zuletzt im Klösterle verabschiedet.

Erich Geike war 1989 und 1990 und dann ab 2007 Mitglied der SPD-Fraktion. Seine wichtigste Erfahrung war die Gründung der gKU. Wichtig für gesicherte Tarife war ihm dabei die Vollmitgliedschaft im Kommunalen Arbeitgeberverband. Positiv empfand er die kollegiale Atmosphäre im Rat, wobei Oberbürgermeister Hermann Faul viel Konsensfähigkeit ins Gremium getragen habe: „So soll Kommunalpolitik laufen.“ Geike stieß sich aber an der zunehmend schnellen Informationsvermittlung, zum Teil einen Tag vor den Entscheidungen. Das neue Gremium müsse sich wegen Corona auf finanziell knappe Zeiten einstellen.

Paul Schneele gehörte seit 2002 der SPD-Fraktion an; bis 2014 war er ihr Fraktionsvorsitzender. Ihm war die Schaffung von Wohnraum wichtig, aber auch die Ausstattung der Innenstadt, etwa mit dem Wasserspiel am Marktplatz, dem Bücherschrank oder Spielgeräten. Sein Anliegen der Altstadt-Verkehrsberuhigung, von manchen „Schneele-Plan“ genannt, sieht er fast komplett realisiert. Schneele schätzte im Gremium die Erweiterung des eigenen Horizonts, etwa um die jeweilige Sichtweise der Stadtverwaltung: „So kam man immer zu realistischen Ergebnissen, keiner dachte parteipolitisch.“ Dem neuen Gremium legt er einen guten Übergang ans Herz: „Was im Vorfeld geplant wurde, sollte konsequent weitergeführt und nicht mehr umgeworfen werden.“

Dr. Josef Schormüller gehörte ab 2002 der Stadtteilliste-Fraktion an. Seit 1996 ist er Ortssprecher von Holheim, weshalb für ihn die Ortsumgehung Holheims im Vordergrund stand, die 2013 schließlich eingeweiht wurde. Auch er hebt das gute Miteinander über die Fraktionen weg hervor, maßgeblich getragen von Hermann Faul. Negativ sieht er persönlich, dass die Bauplatz-Entwicklung in Holheim wegen immer neuer Hindernisse nicht vorangekommen war. Vom neuen Gremium wünscht er sich, dass die Bürger aus den Ortsteilen gleichermaßen mit ins Boot geholt werden, was etwa bei einem jährlichen Ortsbegang in den Dörfern forciert werden könne.

Sonja Kuban war seit 2008 Stadträtin, seit 2014 in der Fraktion Grüne-Frauenliste. Rückblickend lag ihr Sozialpolitik am meisten am Herzen, also Familienpolitik wie Bedarfsanerkennung bei der Kinderbetreuung, Nicht-Verkauf stadteigener Immobilien, um den Mietpreis zu regulieren oder Jugendarbeit. Sie schätzt den Erfahrungsgewinn: „Man lernt in menschlicher Hinsicht viel, schärft seine Persönlichkeit und Selbstkritik.“ Negativ hat sie in Erinnerung, wie erbittert die kleinen Gruppen um den Fraktionsstatus kämpfen mussten. Den neuen Stadträten rät sie, sich möglichst umfassend über alle Themen zu informieren, was einem bei spontanen Entscheidungen sehr zugutekomme.

Joachim Sigg: Neues Gremium soll mehr Mut zu Neuem haben

Joachim Sigg gehörte seit 2008 der PWG-Fraktion an. Für ihn stand die Gewerbepolitik im Vordergrund. So erhöhe eine gute Arbeitsplatz-Versorgung die Kaufkraft, was weitere Effekte nach sich ziehe. Auch er lobt das zunehmend gute Miteinander und die Tatsache, dass man in der Regel über den eigenen Horizont blickte. Zuweilen störte er sich an der schleppenden Umsetzung von Entscheidungen: „Als Geschäftsmann bin ich gewohnt, dass man Pläne durchzieht und nicht immer wieder neu aufrollt, weil man etwa meint, einem Mainstream folgen zu müssen.“ Dem neuen Gremium rät er zu Gelassenheit und Mut zu Neuem.

Hans Weng, Ortssprecher von Nähermemmingen, war seit 2008 Mitglied der Fraktion Stadtteilliste. Für ihn ist die Wemdinger Unterführung das herausragende Projekt: „Das zog sich 30 Jahre lang hin, Hermann Faul und Ulrich Lange nutzten ihre große Chance.“ Weng schätzte die Offenheit im Stadtrat: „Wenn es einmal knisterte, war nach der Sitzung immer alles wieder in Ordnung.“ Und man sah die Projekte vor größerem Hintergrund mit anderen Augen: „Am Biertisch würde man oft anders entscheiden.“ Kritisch sah er, dass viel über Fraktionsführergespräche geklärt wurde. Deshalb rät er dem neuen Gremium, sich intensiv untereinander auszutauschen und wichtige Themen eher in den Vollsitzungen als in Ausschüssen zu klären.

Dr. Dietmar Blechschmidt: Im Wahlkampf einzelne Profilierungsversuche

Dr. Dietmar Blechschmidt war seit 2014 in der CSU-Fraktion. Auch für ihn ist die neue Wemdinger Unterführung das wichtigste Projekt, allerdings, weil er früher selbst im Wemdinger Viertel wohnte und die große Entlastung der Bewohner nachvollziehen kann. Blechschmidt schließt sich dem Lob des Gremiums als kameradschaftliche Gemeinschaft an, wo gegenseitiger Respekt gepflegt wird. Eine Ausnahme sei der Wahlkampf, wo diese Atmosphäre zum Teil einzelnen Profilierungsversuchen gewichen sei. Die Nachfolger müssten sich im Klaren sein, dass wegen Corona nicht alle Haushalts-Einnahmen wie geplant fließen können: „Die vielseitige Problematik kann jetzt noch nicht vollständig überblickt werden.“ Deshalb gelte es, sehr vorausschauend zu agieren.

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