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Nördlingen

01.01.2021

Silvesternacht 2020: Nördlingen, fast wie eine Geisterstadt

Auf langjährige Gewohnheiten wollten manche Nördlinger in der Silvesternacht dann doch nicht verzichten. Die (Verkaufs-) Not machte mitunter erfinderisch, wie diese offenbar selbst gebastelte Abschussrampe beweist. Insgesamt war der Jahreswechsel freilich sehr ruhig in der Riesmetropole.
Foto: Jochen Aumann

Plus In der Nördlinger Innenstadt ist in der Silvesternacht kaum jemand anzutreffen. Unser Autor wagt einen – genehmigten – Spaziergang und schnappt frische Luft ohne Feinstaub.

Auf öffentlichen Plätzen und Straßen, wo sich in anderen Jahren zu Silvester die Menschen tummeln, die Korken und Raketen knallen lassen und sich zuprosten, dort herrschte diesmal ein Versammlungsverbot - überhaupt durfte und darf derzeit niemand nach 21 Uhr das Haus ohne triftigen Grund verlassen. Wie aber haben die Nördlinger den Jahreswechsel gefeiert und ist davon in der Öffentlichkeit etwas zu sehen gewesen? Wir machen uns auf den Weg.

Um dies zu beobachten, mache ich mich in der Silvesternacht eine Dreiviertelstunde vor Mitternacht zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt. Es hat ein Grad plus, der Schneeregen hat erst vor kurzem aufgehört, es ist windstill und ein fast voller Mond lugt hinter vorbeiziehenden Wolkenbändern hervor.

Im Wemdinger Viertel brennt um Viertel nach elf in einem Vorgarten einsam eine einzelne in den Boden gesteckte Wunderkerze ab, in vielen Wohnhäusern ist von außen kein Licht zu sehen. Vermutlich liegen dieses Jahr bereits mehr Menschen als sonst im Bett. Mit einem üppigen Feuerwerk ist dieses Jahr ja nicht zu rechnen, denn der Verkauf von Pyrotechnik wurde untersagt, um die Krankenhäuser vor Überlastung zu schützen.

Die Altstadt ist wie ausgestorben, beim Gang durch die Straßen hallen meine Schritte in der Dunkelheit. Ab und zu stört ein Böller in der Ferne die Stille, ein paar Hunde jaulen hinter den Fenstern. Es fühlt sich fast ein bisschen unheimlich an, hier unterwegs zu sein, trotz der schriftlichen Genehmigung meines Silvesterrundgangs, die ich bei mir führe. Dann: ein Autogeräusch. An der Schranne fährt ein Polizeibus langsam an mir vorbei, der Beamte auf dem Beifahrersitz blickt in ein Laptop auf seinem Schoß. Einige Schaufenster sind voll beleuchtet - für wen nur? Auch die Beleuchtung des Christbaums vor St. Georg brennt. Keine Menschenseele ist draußen zu sehen, es ist kurz vor 24 Uhr. Eine weitere Polizeistreife holpert rattert über das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes. Die Polizei hatte im Vorfeld angekündigt, „mehr als gewöhnlich“ zu kontrollieren. Allerdings nur im öffentlichen Raum, nicht im Bereich von Privatwohnungen oder Gärten, wie ein Dienstgruppenleiter mitteilte.

Partymusik und Diskolichter

In der Drehergasse dringt aus einer Wohnung im ersten Stock Partymusik und Männergejohle gedämpft nach draußen auf die Straße. Hinter geschlossenen Fensterläden sieht man Diskolichter blinken. Dann ist Mitternacht: die Kirchenglocken läuten feierlich. In der Reimlinger Straße strecken Bewohner die Köpfe aus dem Fenster und rufen mir, dem Vorbeigehenden, „frohes neues Jahr“ zu. Von der Stadtmauer am Reimlinger Tor aus sieht man, in Richtung Augsburger Straße blickend, Raketen aufsteigen. Es sind mehr als gedacht. Auch über der Talbreite und dem Herkheimer Viertel knallen immer wieder sporadisch Feuerwerkskörper, rund eine halbe Stunde lang geht das so. Man wundert sich, dass so viel Feuerwerk noch aus dem letzten Jahr in den Haushalten da ist – und muss auch an die illegalen Bestellmöglichkeiten im Netz denken, von denen zuletzt die Rede war.

Silvester in Nördlingen 2020

Die Polizei erstattet im Stadtgebiet in dieser Nacht bis drei Uhr morgens insgesamt sieben Anzeigen wegen Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkung. Eine Person sei zu Fuß auf dem Heimweg gewesen, außerdem seien zwei Pkw unerlaubt unterwegs gewesen; in einem davon seien auch noch vier Personen aus mehr als zwei Hausständen gesessen. Die Bußgelder für diese Vergehen werden zwischen 250 und 500 Euro betragen. Markus Grimm von der Polizeiinspektion Nördlingen sagt: „Die Leute probieren das aus und denken sich, vielleicht werde ich nicht ertappt. Aber sie sehen das dann schon ein.“

Zu vermerken bleibt noch die gute frische Luft in dieser Nacht, ohne Schwefel und Feinstaub, und das geringere Müllaufkommen in den Straßen, das sicherlich auch die Bauhof-Mitarbeiter freuen wird.

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