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15.06.2019

So kam der Kellermannsweg in Nördlingen zu seinem Namen

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2 Bilder
Der Kellermannsweg in Nördlingen führt von der Talbreite aus zur Marienhöhe und weiter zum Freibad oder zu den Tennisplätzen.

Die Allee vom Hohlen Schänzle zur Marienhöhe trägt diesen Namen. Sie erinnert an einen Mann, der Nördlingen dokumentiert hat.

Kellermannsweg heißt die baumbestandene Allee, die vom Hohlen Schänzle zur Marienhöhe führt. Sie erinnert an Johann Kellermann, einen erfolgreichen Fabrikanten und Magistratsrat, der vor allem als fotografischer Chronist der Stadt Nördlingen bedeutend ist.

Johann Kellermann wurde am 30. Oktober 1842 in Dinkelsbühl als Sohn von Adam und Helene Kellermann geboren. Schon mit 14 verlor er seinen Vater. Nach der Volksschule und dem Besuch der dreijährigen Lateinschule erhielt er seine kaufmännische Ausbildung in Ansbach in der Privathandelsschule G. Kitzingers und als Volontär im Bankgeschäft von Wolf Gutmann. Mit 19 Jahren ging er für eineinhalb Jahre nach St. Etienne, wo die Bandfabrikation in großem Maßstab betrieben wurde.

Nach seiner Rückkehr übernahm er die vom Vater 1841 gegründete Bandfabrikation und ließ sich 1864 in Nördlingen nieder. Hier verlegte er sich auf die Fabrikation von Seidenbanderzeugnissen und spezialisierte sich auf schwarzseidene Moirebänder. Damit besuchte er gewerbliche Ausstellungen im deutschen Kaiserreich sowie die Weltausstellung in Wien und erhielt zahlreiche Medaillen. Am Gemeinwohl interessiert und fortschrittlich eingestellt setzte er sich als Magistratsrat für den Bau der Kanalisation ein. 1864 kaufte er in Nördlingen in der Löpsinger Straße 27 ein Wohn- und Geschäftshaus. Er ließ die Fassade erneuern und seine Initialen und das Renovierungsjahr an die Giebelspitze setzen, wo diese heute noch zu sehen sind.

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Am 19. Mai 1868 heiratete er Friedericke Müller und gemeinsam führten sie das Geschäft bis zum Jahr 1899. Als Privatier widmete sich Kellermann seiner großen Leidenschaft, der Fotografie, damals ein teures und anspruchsvolles Hobby.

Aus Verbundenheit mit seiner neuen Heimat widmete Johann Kellermann 1907 der Stadt Nördlingen ein Album. Darin hielt er das Bild der Stadt fest. Ausgehend von den fünf Stadttoren, die er mit Innen- und Außenansicht dokumentierte, den Befestigungsanlagen und dem Blick vom Daniel in alle vier Himmelsrichtungen nahm er Nördlingen systematisch auf, Straße für Straße.

Die beiden Kirchen der Stadt fotografierte er in verschiedenen Außenansichten, ebenso die Inneneinrichtung. Neben den Gebäuden hielt er wichtige Ereignisse fest, die verschiedenen Märkte für Holz, Großvieh und Schweine, die Fotografenausstellung, die Einweihung des Kriegerbrunnens und den Auftritt des Seiltänzers Knie, aber auch Feste wie das Feuerwehr-, Radfahrer- und Stabenfest. Alle Bilder wurden nummeriert, betitelt und mit Entstehungsdatum versehen. Sie bilden heute eine unschätzbare Quelle für Heimatforschung und Denkmalschutz.

Kellermann überlieferte ein umfassendes Bild der Stadt, wie auch des städtischen Lebens. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf bedeutende Gebäude, sondern dokumentierte Häuser kurz vor deren Abbruch und schuf damit oft deren einziges existierendes Bild. Neben seinem „Kellermann-Album“ hinterließ er der Stadt eine Vielzahl von Einzelaufnahmen, Glasplattennegativen und Stereoskopien. Sie beeindrucken durch ihre Bildkomposition, ihre technischen Finesse und ihren Blick für Details. Es gelangen ihm reizvolle Inszenierungen mit Passanten auf der Straße und Kindern, die er mit Leiterwagen vor dem Waisenhaus oder auf dem Eisplatz gruppierte. Durch die gestalterische und technische Qualität der Bilder schuf er ein wichtiges Dokument der Stadtgeschichte. Kellermann starb hoch angesehen am 1. Juli 1928 in Nördlingen.

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